{"id":2077,"date":"2025-08-24T20:33:23","date_gmt":"2025-08-24T18:33:23","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2077"},"modified":"2025-09-01T09:49:42","modified_gmt":"2025-09-01T07:49:42","slug":"023-die-grenzen-von-pianmurit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/24\/023-die-grenzen-von-pianmurit\/","title":{"rendered":"023: Die Grenzen von Pianmur\u00edt"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SH_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1991\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"4451ba8b12ad43cb6bcd1c400756f052\">Diesmal war Yalomiro nicht einfach losgaloppiert. Das w\u00e4re im dichten Wald auch schwerlich m\u00f6glich gewesen. Stattdessen schl\u00e4ngelte er sich in seiner Pferdegestalt zwischen den B\u00e4umen hindurch. Wo es m\u00f6glich war, trabte er ein St\u00fcck und wagte ab und zu einen Sprung, wenn ein Bach oder eine Mulde vor uns auftauchten. Dadurch kamen wir z\u00fcgiger voran als zu Fu\u00df. Als der Morgen graute und Nebelschwaden sich vom Waldboden hoben, hatten wir bereits eine weite Strecke zwischen uns und die Burg gebracht. Vielleicht kamen wir dabei sogar schneller voran, als es auf normale Art und Weise m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Es h\u00e4tte mich nicht gewundert.<\/p>\n<p data-p-id=\"de12d0f1440187157a79e4b7c97a0600\">An und zu trug der Schall ferne Ger\u00e4usche an uns heran. Nat\u00fcrlich hatten Menschen im Wald zu tun. Einmal waren sogar die Axthiebe von Holzf\u00e4llern zu h\u00f6ren. Aber wir begegneten niemandem. Yalomiro schien mit traumwandlerischer Gewissheit zu wissen, wie er Wanderern und Berittenen auswich.<\/p>\n<p data-p-id=\"2d2c80c0c0a490c41079c02d365901b4\">Sonderlich bequem war diese Art zu reisen f\u00fcr mich nach wie vor noch nicht. Das glatte Pferdefell war rutschig und die einzige M\u00f6glichkeit, mich festzuhalten, bot der Griff in seine M\u00e4hne und an den Tragegurt der Tasche, die er wieder um seinen Hals trug. Auch meine neue Kleidung mit dem vielen Stoff war nun weit weniger praktisch als meine gute alte, und mittlerweile sicherlich von Verta entsorgte, Jeans. Mit der Zeit bekam ich zwar den Dreh mit der Balance heraus, aber alles in allem war es doch bequemer gewesen, als <em>yarl<\/em> Althopian mich bei sich auf einem Sattel transportiert hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"93ebaaa6da4db7b0f2fc448d62a16d5c\">\u201eWie machst du das eigentlich&#8221;, fragte ich einmal. \u201eWie kannst du deinen K\u00f6rper in &#8230; na ja &#8230; in eine andere Form bringen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b213c8e42f03b4cb9d77cd46165d7154\"><em>Erwartest du ernsthaft, dass du es verstehen w\u00fcrdest, wenn ich es dir erkl\u00e4re? Ich habe viele Sommer gebraucht, bis ich diese Kunst beherrschte.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"c65182ff4c819cc882d392b6c580a6d9\">\u201eKann Meister Gor das auch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8be38648156cae7e066b0bfcc9453337\"><em>Nein. Zumindest h\u00e4tte ich noch nicht davon geh\u00f6rt, dass seinesgleichen Verkleidungen anlegt. Bevor du fragst: Die <\/em>arcaval&#8217;ay<em> tun es schon gar nicht.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"686fce4bc0f58530822e6985b47ead21\">\u201eDie <em>arcaval&#8217;ay<\/em> sind diese Leute mit den bunten Einhorn-Tieren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"56cd22dabf816e93a359af6e6e41f413\"><em>Die Regenbogenritter, ja. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"bda6bfebc30c7f324ac4ebf4c4a2b25b\">\u201eWas hat es mit denen auf sich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c54b3547bc5912997d22f4d55533a443\">Er schnaubte, als behage ihm das Thema nicht. Tats\u00e4chlich wich er aus. <em>Nun, ich glaube nicht, dass wir einem von ihnen begegnen werden. Ihre Weihest\u00e4tte liegt auf der anderen Seite des Montaz\u00edel, am Rand von Soldes\u00e9r, der unendlichen W\u00fcste am Rande des Chaos. Unser Weg f\u00fchrt mit jedem Schritt weiter von ihnen weg. Meinesgleichen ist ihnen nur von Zeit zu Zeit, und nicht immer im Guten begegnet.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"82612ae9ba450d074bec60f749b4d0ff\">\u201eHat das auch etwas mit dieser schrecklichen Schlacht zu tun, von der ich das Bild gesehen habe?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ff78d95c12cbf7f0c511f64b9e265afa\"><em>Unter anderem.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"2e616413b7e27a6b68a01a2250453469\">Er schwieg und hielt das Thema wohl f\u00fcr beendet. Aber meine Neugierde war nicht befriedigt.<\/p>\n<p data-p-id=\"69d12e07c5651897d50e4f1b584c1e25\">\u201eSind die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> &#8230; gute Magier?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"62372ec7230c467db53b3aceea5e2773\"><em>Du glaubst immer noch, man k\u00f6nne Magie in Gut und B\u00f6se einteilen?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"83209bf43e3d3d3c598d8a54931c229e\">\u201eDann erkl\u00e4r mir das so, dass ich es verstehe!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"76f097d71b53eb12ef6ef8cb91008af4\"><em>Schattens\u00e4nger und Regenbogenritter stehen einander direkt gegen\u00fcber. Immer.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"c704a6fd3ac06727ad661ac88aa34180\">\u201eSind sie eure Feinde?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"072527af66fb0a0ae862783180cb88a6\"><em>Unser Gegensatz.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"87c0f74c061aa8aad7af903817fe9084\">\u201eWarum bist du so ungehalten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"790b2e26f836db2574588a9a196c8e30\">Er setzte \u00fcber einen Wasserlauf hinweg, der vor uns einen tiefen Graben in den weichen Waldboden gegraben hatte. Ich konnte mich gerade noch rechtzeitig festhalten.<\/p>\n<p data-p-id=\"b761c85cc8a800a3dd6c999e24301966\"><em>H\u00f6r zu, <\/em>fuhr er fort, <em>es ist schlichtweg unm\u00f6glich, dass den <\/em>arcaval&#8217;ay<em> entgangen ist, was in Boscarg\u00e9n passiert ist. Es ist ebenso unm\u00f6glich, dass sie nicht wissen, was f\u00fcr ein Spiel Gor Lucegath in Pianmur\u00edt treibt. Ich halte es sogar f\u00fcr sehr wahrscheinlich, dass wenigstens einige von meinesgleichen versucht haben, sie um &#8230; was auch immer zu bitten. Um Asyl, Unterst\u00fctzung oder wenigstens einen weisen Rat. Ganz offensichtlich ohne Erfolg. Wahrscheinlich dachten sie, wenn sie nur lange genug stillhalten, w\u00fcrden sich alle Probleme von allein l\u00f6sen. Oder wir w\u00fcrden sie selbst l\u00f6sen. Sie hatten keinen Anlass, meinesgleichen beizustehen. Es gab zu viele Missverst\u00e4ndnisse, vor langer, langer Zeit. Es ist trostlos, dar\u00fcber nachzudenken, was h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, ohne diese Irrt\u00fcmer. Es ist vorbei.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"309f1a43c89f8e2ad08d54a55e34192f\">Der Wald wurde zunehmend lichter. Das Dickicht weitete sich, und Yalomiro musste seltener springen oder Steigungen und Gef\u00e4lle \u00fcberwinden. Innerhalb der letzten Stunden war das Gel\u00e4nde deutlich ebener geworden.<\/p>\n<p data-p-id=\"84361a7d147f48eb5ebb37ff73c219fb\">Der Gedanke an die Regenbogenritter lie\u00df mich nicht los. Mit Regenb\u00f6gen assoziierte ich \u2013 jenseits von dem optischen Wetterph\u00e4nomen \u2013 bonbonbunte Leichtigkeit, wie man sie in Kinderzimmern erwartete, oder auch eine Symbolik, die als dekoratives Element bis hin zur Belanglosigkeit, zum Kitsch hin abgenutzt und verzerrt worden war. Die Abbilder der Krieger im Thronsaal waren mir vorgekommen wie eine Illustration aus einem M\u00e4rchenbuch. Einem grimmigen M\u00e4rchen, denn die expliziten, blutigen Details passten nicht dazu. Regenb\u00f6gen \u2013 das war, Friede, Frohsinn, Zuckerguss. Kein Gemetzel, bei dem Leute Gliedma\u00dfen und Leben verloren..<\/p>\n<p data-p-id=\"6c5bc3a1a7c9bf51e3a6f18a84911ede\">\u201eHaben die &#8230; Unkundigen &#8230; dort, wo sie leben, Angst vor den Rittern? So wie die Leute in dem Bergarbeiterdorf vor euch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4bc82fb97f7bb2a0016137c257b0d8f2\"><em>Nein. Die <\/em>arcaval&#8217;ay<em> sind die W\u00e4chter der gr\u00f6\u00dften Stadt an der W\u00fcste. Aur\u00f3p\u00e9a . Wenn die Zeit daran nichts ge\u00e4ndert hat, preisen und verehren die <\/em>ujoray<em> von Soldes\u00e9r sie immer noch und fort bis zum Ende des Weltenspiels.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"738448f5112498a5e7093d5d1b3be29e\">Klang da eine Bitternis in seinen Worten? Ich wusste es nicht zu sagen. Also fragte ich nicht weiter nach. Allerdings kam mir der Gedanke, dass diese von m\u00e4chtigen Magier-Rittern besch\u00fctzte Stadt Aur\u00f3p\u00e9a m\u00f6glicherweise ebenfalls ein Ort war, der Sicherheit vor Gor Lucegath versprach.<\/p>\n<p data-p-id=\"b065f1aec8217500136a66150393c6fd\">Andererseits \u2013 wenn Aur\u00f3p\u00e9a sich buchst\u00e4blich am anderen Ende dieser Welt befand, dann war es obsolet, dar\u00fcber nachzudenken, wie wir dorthin kommen sollten. Wahrscheinlich hatte es ohnehin seine Gr\u00fcnde, warum Yalomiro diese Option nicht einmal in Erw\u00e4gung gezogen hatte \u2013 denn dann h\u00e4tte er schon am Tag unserer Begegnung in den \u00dcberresten des Boscarg\u00e9n die entgegengesetzte Richtung einschlagen m\u00fcssen.<\/p>\n<p data-p-id=\"c78a3d8f4b20b7b725208e3faf68fb3d\"><em>Nun bist du an der Reihe. Erz\u00e4hl du mir, was du derweil in Valvivant erfahren und erfragt hast. Erz\u00e4hl mir von den Leuten dort. Und sag mir, was es mit der Haarnadel dieser <\/em>eld<em>&#8211;<\/em>yarlara<em> auf sich hat, die <\/em>yarl<em> Althopian so sorgsam h\u00fctet, dass er unentwegt dar\u00fcber nachgedacht hat.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"5e16c617151b8ccb26a78873635b7f58\">\u201eHat er das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bf7a133d025e1c4d79ac3951292ae288\"><em>Er war verwirrt und aufgeregt, als ich die Halle betrat. So als st\u00fcnde er vor einem wirklich heiklen Abenteuer. Als erwarte er, einem furchterregenden Monster gegen\u00fcberzutreten.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"b249b95f17d025ac873552d1592b7751\">Das belustigte mich. M\u00f6glicherweise w\u00e4re die eld-yarlara tats\u00e4chlich eine schwierige Schwiegermutter. Ich begann meinen Bericht und erz\u00e4hlte ihm alles, woran ich mich erinnerte, von meinem Ritt mit dem <em>yarl<\/em> und seinen Andeutungen \u00fcber Andri\u00e9r Altabete. Ich erz\u00e4hlte ihm von der alten <em>doayra<\/em> Verta und der pfiffigen Isan, die so gern dem <em>yarl<\/em> dienen wollte. Von der kurzen Begegnung, die ich mit dem <em>teirand<\/em> und seinem <em>mynstir<\/em> hatte. Und ich berichtete ihm von Isans Plan, den Ritter mit der <em>yarlara<\/em> von Iva\u00e1l zusammenzubringen,<\/p>\n<p data-p-id=\"faca9840721b2711e1251ca090e31fda\"><em>Ich hoffe, es wird auf der Burg f\u00fcr die Bewohner weiterhin friedlich bleiben. Und m\u00f6gen die M\u00e4chte geben, dass Althopian sein Gl\u00fcck mit dieser <\/em>yarlara<em> findet und euer Plan gl\u00fcckt. Er ist ein rechtschaffener und tugendhafter Mann.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"5beb72f135b3d871229cbeb0d93819d1\">\u201eIch habe geh\u00f6rt, die <em>camat&#8217;ay<\/em> und die Familie Althopian haben ein B\u00fcndnis geschlossen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dcd3a7f77fec3a5fc4b8aa16cc4b610f\"><em>Nein, das stimmt so nicht. So erkl\u00e4ren es sich die Unkundigen, um es zu verstehen. Es ist verwickelter, und es reicht zu weit in die Vergangenheit. F\u00fcr den Moment sollte, es dir gen\u00fcgen zu wissen, dass das Haus Althopian selbst in den finstersten Tagen der Chaoskriege seine Unschuld, Tapferkeit und Ehre erhalten hat. Das war in jenen Tagen weder f\u00fcr <\/em>yarlay<em> noch f\u00fcr <\/em>teiranday<em> selbstverst\u00e4ndlich.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"9a84c4c063e53a8904ea6d2e9fcdddf3\">Weitere Stunden vergingen, und mein Zeitgef\u00fchl verwischte. Der Wald schien kein Ende zu nehmen, aber er ver\u00e4nderte sich zusehends. Was anfangs noch eine halbwilde Parklandschaft mit G\u00e4rten, Wasserspielen und Lauben auf den Lichtungen gewesen war, wandelte sich immer mehr zu einem naturnahen Forst. Auch der Baumbestand wechselte, vom Laub- zum Misch- und schlie\u00dflich zu weiten Strecken k\u00fchl-d\u00fcsterem Nadelwald. Ab und zu h\u00e4mmerte ein Specht oder ich sah im Augenwinkel ein Reh vorbeispringen. Einmal lief uns eine Rotte Tiere \u00fcber den Weg, die wie Wildschweine mit fuchsrotem Fell und vom Format eines kleinen Ponys aussahen. Sie trugen gef\u00e4hrliche Hauer zur Schau. Yalomiro blieb gelassen stehen und lie\u00df sie passieren. Unbeeindruckt w\u00fchlten die Tiere sich an uns vorbei und pfl\u00fcgten den Boden nach Wurzeln und Pilzen auf. Einige Jungtiere mit flauschig weichem Fell waren dabei. Eines schn\u00fcffelte an Yalomiros Hufen und hoppelte quiekend davon.<\/p>\n<p data-p-id=\"3038131a075593769545571a33f5e1c5\">\u201eWas sind das f\u00fcr Gesch\u00f6pfe?&#8221;, wollte ich wissen.<\/p>\n<p data-p-id=\"80d4d4e895c38afc4bf76fdc0d476f0f\"><em>Waldschweine, <\/em>sagte er und ging weiter.<\/p>\n<p data-p-id=\"ddda2f61964c3146a65010d49efcd9d4\">Dass es irgendwann Abend wurde, bemerkte ich unter den B\u00e4umen nur anhand der Lichtverh\u00e4ltnisse. Das flirrende, helle Mittagslicht f\u00e4rbte sich von Stunde zu Stunde goldener und schwerer, w\u00e4hrend es sich von den Wipfeln her bis auf den immer steiniger werdenden Waldboden ergoss. Hier wurde das Gel\u00e4nde br\u00fcchig; Felsvorspr\u00fcnge und kleine Schluchten taten sich auf, aus denen gr\u00fcnliches Gestein hervortrat. Die B\u00e4ume waren \u00fcberraschend hoch und m\u00e4chtige Laubkronen \u00fcberspannten das Unterholz. Yalomiro musste nun regelrecht klettern, denn er wollte immer weiter hinab. \u00dcber einige meterbreite Kluften sprang er einfach hinweg, Ich bot ihm an, abzusteigen, aber das wollte er nicht. Auf seinem R\u00fccken, so behauptete er mit freundlichem Spott, k\u00f6nne ich mir immerhin nicht wieder Glieder brechen.<\/p>\n<p data-p-id=\"36a739278a07eba2800f73ce37954e01\">Schlie\u00dflich war die Kletterpartie vorbei. Der Abstieg endete auf sacht abfallendem Boden. Wahrscheinlich waren dies die letzten Ausl\u00e4ufer des Montaz\u00edel. Ich versuchte, mir die Topographie dieses Gel\u00e4ndes auszumalen, aber kam nicht weit damit. Dazu fehlte mir die geographische Phantasie.<\/p>\n<p data-p-id=\"57c556fdaf499282dc97469184f91ae7\">Yalomiro schritt auf in Gr\u00fcppchen kirchturmhoher Birken an einem Hang zu und blieb vor einem gro\u00dfen moos\u00fcberwachsenen Findling stehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ad02bc040f6b43b987f3e6b12ff3123d\"><em>Hier warten wir<\/em>, beschloss er dann und stellte sich so neben den Stein, dass ich ihn zum Absteigen benutzen konnte. Ich kletterte hinab und erkannte dabei, dass es sich bei dem Stein um eine Wegmarke handelte. Ein Wappen war darauf eingemei\u00dfelt, aber zu weiten Teilen verwittert und unter dem Moospolster verschwunden. Mit etwas Phantasie lie\u00df sich so etwas wie eine Getreide\u00e4hre erkennen.<\/p>\n<p data-p-id=\"429f9d8dcc2c06e1ac460ac77198d923\">Ich war froh, wieder auf meinen F\u00fc\u00dfen zu stehen. Ein paar Meter entfernt murmelte ein B\u00e4chlein. Ich ging hin\u00fcber und kniete am Ufer nieder, um Wasser in die hohle Hand zu sch\u00f6pfen und einen Schluck zu trinken, aber noch bevor ich dazu kam, stutzte ich.<\/p>\n<p data-p-id=\"0ee95ffff6f4bc1ed1fdf145f2079b23\">Der Bach str\u00f6mte den Hang <em>hinauf<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"906b981800eac35490dd2646b09d20d2\">Yalomiro war wieder seine menschliche Gestalt geschl\u00fcpft, beugte sich ebenfalls hinab. Er wusch seine erdverschmutzen H\u00e4nde und sein Gesicht. Die unm\u00f6gliche Flie\u00dfrichtung des Wassers schien ihn nicht zu verwirren. Ich entschloss mich, mir eine dumme Frage zu sparen, und nahm es als gegeben hin. Das Wasser war herrlich, kalt und glasklar, auch wenn es sich der Physik wiedersetze.<\/p>\n<p data-p-id=\"e394133e3a8a28ce29a8755e8019a1e8\">\u201eWo sind wir hier?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dba22b059dd419a57f90940ac4d941fb\">\u201eAn der n\u00f6rdlichen Grenze des <em>yarlm\u00e1lon<\/em> der Herren von Tjiergroen. Hinter diesem W\u00e4ldchen, am Fu\u00dfe des H\u00fcgels, beginnt das Land des Hauses Grootplen. Diese <em>yarlay<\/em> sind Lehnsm\u00e4nner der <em>teiranday<\/em> von Wijdlant. Einen von ihnen, wohl ihren <em>mynstir<\/em>, hast du auf dem Montaz\u00edel gesehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ae5ff862178e6372c74d46e53f49151\">\u201eIch habe nicht wirklich etwa von den Leuten sehen k\u00f6nnen. Sie hatten keine Gesichter.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ed55ab87414122946c0c983839638d02\">\u201eDu hast ihre <em>Gesichter<\/em> nicht sehen k\u00f6nnen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7a9e5c91df2e6f1cceacc053e8332663\">\u201eNein. Nur das der <em>teiranda<\/em>. Stimmen hatten sie auch nicht. Zumindest habe ich sie nicht verstehen k\u00f6nnen. Es war nur Gemurmel.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ce73e4c7207b64df78337b70320f1836\">Yalomiro schaute mich einen Augenblick lang nachdenklich an.<\/p>\n<p data-p-id=\"7f64b69260a545707921d135c7b2948b\">\u201eStimmt etwas nicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e956370847d572133b0d563c36b4a2c7\">\u201eEs ist &#8230; aufschlussreich f\u00fcr mich, zu h\u00f6ren, wie Gor Lucegaths Zauber durch deine Augen aussieht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"50b25dae2a2929c422069398824cfba3\">Wir kehrten zu dem Grenzstein zur\u00fcck. Ich war meinerseits froh, mir wieder etwas die Beine vertreten zu k\u00f6nnen und begann, mich im Birkenwald umzuschauen. Ich bestaunte die riesigen B\u00e4ume, fragte mich dann, ob das wirklich Birken waren, lief ein paar Schritte fasziniert dem Bachlauf hinterher und fand an dessen Ufer schlie\u00dflich eine Stelle, an der appetitlich duftende, beigefarbene Pilze wuchsen.<\/p>\n<p data-p-id=\"cc10ac2489f5350391e303fd74236643\">Schlie\u00dflich ging ich neugierig einige Schritte weiter, aus dem Wald heraus und schaute, was es dahinter gab.<\/p>\n<p data-p-id=\"63be77efb1514fbb673bd0bf89935d01\">\u201eUm Himmels willen&#8221;, war alles, was mir einfiel.<\/p>\n<p data-p-id=\"bd69312040173305b2c411707c92c06f\">Der H\u00fcgel senkte sich noch ein St\u00fcck weiter ab und lief an seinem Fu\u00df in eine Ebene aus. So weit das Auge reichte \u2013 und das war ziemlich weit, denn das Gel\u00e4nde war flach wie ein Teller \u2013 wuchsen Pflanzen. Ich h\u00e4tte es f\u00fcr Getreidefelder gehalten, war mir aber nicht sicher. Irgendetwas stimmte nicht mit dem Anblick, aber der Rand dieser vermeintlichen Felder war zu weit weg, um zu sagen, woran es lag. Wahrscheinlich war es schlicht die Farbe, ein unpassender Schimmer, der sicherlich ein Effekt des schwindenden Tageslichts war.<\/p>\n<p data-p-id=\"293609cce59147e19155333fd5af3762\">Da und dort erhoben sich einzelne Baumgruppen mit kahlem Ge\u00e4st, in einiger Entfernung schnitt eine Mauer oder Hecke das Gel\u00e4nde \u2013 so genau lie\u00df sich das nicht sagen. Ich erkannte ich ziemlich weit etwas, was ein gr\u00f6\u00dferes Geb\u00e4ude sein mochte.<\/p>\n<p data-p-id=\"8758e11e826ae969138a88e836c3f9cb\">Alles war staubgrau und starr. Falls es \u00c4cker oder Weideland waren, dann war hier etwas \u00c4hnliches passiert wie in Boscarg\u00e9n. Nein, nicht ganz dasselbe. Das Land dort vor uns war noch nicht tot. Noch nicht ganz.<\/p>\n<p data-p-id=\"bbc86ad32112de1fa9ed44e97c2d41c9\">Und da war noch etwas. Zuerst dachte ich, der Qualm eines gro\u00dfen Feuers z\u00f6ge tr\u00e4ge \u00fcber die Ebene. Dann bemerkte ich, dass es Nebel war, graue, feuchte Nebelschleier.<\/p>\n<p data-p-id=\"57839331f8eee9bdc982f9840753d7df\">Hier, am Rand der Birken, im Wald, war ein milder Fr\u00fchsommerabend, mit ihren Abendgesang schmetternden V\u00f6geln. Am Fu\u00df des H\u00fcgels, dr\u00fcben wie mit einem Lineal gezogen, begann nasstr\u00fcbe Novemberk\u00e4lte.<\/p>\n<p data-p-id=\"2cb4ef90700872cd6afbbb3d727306a0\">\u201eWas ist das?&#8221;, wisperte ich, als ich Yalomiros Schritte hinter mir h\u00f6rte.<\/p>\n<p data-p-id=\"e94011809426d72d15c8c68370e57268\">Er nahm den Anblick gelassen hin, so, als habe er nichts anderes erwartet.<\/p>\n<p data-p-id=\"db5cbe2bd2ebae6f02ca52e5a2bc8c69\">\u201eDas, was Unkundige sehen&#8221;, sagte er dann und ich sp\u00fcrte seine Hand auf meiner Schulter, \u201eist Wijdlant. Das was wir beide sehen, ist <em>Pianmur\u00edt<\/em>.&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/schattenherz-oder-die-ergaenzte-seele-band-1\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-2077","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-01_schattenherz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2077","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2077"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2077\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3881,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2077\/revisions\/3881"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2077"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2077"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2077"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}