{"id":2055,"date":"2025-08-24T19:32:33","date_gmt":"2025-08-24T17:32:33","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2055"},"modified":"2025-09-01T09:41:51","modified_gmt":"2025-09-01T07:41:51","slug":"014-von-drachen-und-rittern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/24\/014-von-drachen-und-rittern\/","title":{"rendered":"014: Von Drachen und Rittern"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SH_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1991\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"bdf103152a39438d4019d9774cb841e2\">Es ist seltsam, wie gut ich mich an die Schw\u00e4rze erinnere.<\/p>\n<p data-p-id=\"ff30caf55274d06d938b92d76ab0b0e9\">Es war keine Bewusstlosigkeit, kein Blackout, nichts, was ich sp\u00e4ter als einen Filmriss h\u00e4tte erkl\u00e4ren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"95a998d5ee8d255b921b1991e5ed2ebb\">Ich schwebte in v\u00f6lligem Frieden und Wohlbefinden in einer samtenen Dunkelheit und f\u00fchlte mich &#8230; gl\u00fccklich. Nicht euphorisch, nicht bet\u00e4ubt \u2013 es war vielmehr ein Gef\u00fchl absoluten Friedens und Geborgenheit. Ich hatte keinen K\u00f6rper mehr und keine Sorgen, keine Angst, keine Schmerzen. Es war <em>wundersch\u00f6n<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"ffb654f4072cc85a73fab8ff62721b98\">Ich war nicht allein in dieser Dunkelheit. Aber es gab keinen Grund, sich zu f\u00fcrchten. Was immer bei mir war, es war wohlwollend. Es gab auf mich acht. Es sorgte daf\u00fcr, dass ich dieses vollkommene Gef\u00fchl genie\u00dfen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"1cc8d55568c1557f54fb4ffbbde8aab1\">Ich erinnerte mich auch nicht mehr daran, wer ich oder was geschehen war. Alles war gut, so wie es war.<\/p>\n<p data-p-id=\"393f48ec0ee136cb4d0def12b76d2b19\">An das Erwachen erinnere ich mich allerdings. Es war grauenhaft.<\/p>\n<p data-p-id=\"656230d141e58d577daa36398b4bf146\">In der Dunkelheit st\u00fcrzten aus dem Nichts pl\u00f6tzlich Ger\u00e4usche auf mich ein, Licht, K\u00e4lte und Ger\u00fcche. All das drang nicht aus der Ferne an mich heran, sondern offenbarte sich St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck unmittelbar um mich herum, erst eines nach dem anderen, dann alles zugleich. Schlagartig war die Wirklichkeit wieder da, und sie bestand aus einem Sturz, einem tiefen, schnellen Fall ohne Oben und Unten, schneidendem Wind und irgendetwas riesenhaftem, pechschwarzen \u00fcber mir.<\/p>\n<p data-p-id=\"54da2c94ad2fde3c78a773a6d6ccc6d6\">Ich zuckte zusammen und schrie panisch auf. Ich hatte pl\u00f6tzlich auch wieder Arme und Beine, strampelte um mich und verhedderte mich in der Tasche, die ich immer noch umgeh\u00e4ngt hatte,<\/p>\n<p data-p-id=\"c6b977333e56ddc35039c2b241da8b9f\">Das war auch der Moment, in dem ich mich pl\u00f6tzlich in freiem Fall befand. Ich tauchte in etwas Instabiles, Gr\u00fcnes ein, das ich in diesem Moment gar nicht als Baumkrone erkannte. Ich prallte schmerzhaft von Ast zu Ast, h\u00f6rte dumpfes Klatschen, wo Holz meinen K\u00f6rper traf, St\u00fccke meiner Kleidung wegfetzte und die Haut darunter zerkratzte. Dann fing mich dichtes Geb\u00fcsch auf. \u00c4ste knackten, und \u00fcber mir schlugen raschelnd Bl\u00e4tter zusammen. Das bremste mich gerade so weit, dass ich mir nicht den Hals brach, als ich den Boden erreichte. Gleichzeitig bebte die Erde und ein Splittern, Rascheln und Tosen erklang, als werde ein Wald abgem\u00e4ht.<\/p>\n<p data-p-id=\"57b55d33cd2fcc0b154a5339fb0d403a\">Dann lag ich auf dem R\u00fccken, eine federnde Schicht von Ge\u00e4st unter mir, die sich sacht absenkte, w\u00e4hrend unter mir \u00c4stchen um \u00c4stchen zerbrach.. Dort, wo nun eine L\u00fccke in dem Blattwerk \u00fcber mir klaffte, war morgenrosafarbenes Licht.<\/p>\n<p data-p-id=\"70d8a628bb04d7bc13127fdea1b75fc3\">Ich sp\u00fcrte keine Schmerzen. Aber ich war wie paralysiert und konnte kein Glied regen. Und ich war m\u00fcde. <em>Unglaublich m\u00fcde<\/em>. Die Augen fielen mir zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"76b0e4a09329e8b7eb7230d85b2a2c4b\">Es war mir ganz egal, dass ich offenbar gerade einen Sturz aus dem Himmel \u00fcberlebt hatte. Schlafen&#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"50ccc49b7fe1b36b3950d7ccb03b8c08\">Als ich die Augen wieder aufschlug, war es etwas heller \u00fcber mir, doch es konnte nicht viel Zeit vergangen sein. Allerdings hatte sich ein neues Ger\u00e4usch hinzugesellt. Irgendwo sang ein Vogel.<\/p>\n<p data-p-id=\"83f525243d7f24768ee49b1211cacf68\">\u201eWie f\u00fchlst du dich?&#8221;, fragte Yalomiro und beugte sich \u00fcber mich. \u201eWei\u00dft du, wer du bist? Erkennst du mich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6dee94e739b6d27c27ae789402d8d3ac\">Er hatte Erde und silbrig-blutige Schrammen im Gesicht und in seinem zerzausten Haar hingen einige kleine Zweige fest. Seine pechschwarze Kleidung strotzte vor Dreck. Aber seine Augen waren wieder ganz normal. Dunkel mit silbernen Einsprengseln. Tats\u00e4chlich. Das empfand ich nun als beruhigend <em>normal<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"143b5b130058082ca96a1be33665128c\">\u201e&#8230; m\u00fcde.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e9d3436eac5aa54eb997ba3a4cbfd72c\">\u201eBist du verletzt? Kannst du aufstehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"04f55abf55a2c39bb0e17fc6556fae18\">\u201eNein. Nein. &#8230; nur &#8230; m\u00fcde.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"249815f162af16880c3c3bd2ef507448\">\u201eWir k\u00f6nnen hier nicht bleiben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1c4fb044e7ed558371d9b9b76a1f2f90\">Ich h\u00f6rte ihn zwar, d\u00e4mmerte aber schon wieder weg. Ich war zu kraftlos, um mich zu wehren, als er mich unter den Armen packte und aus dem niedergedr\u00fcckten Geb\u00fcsch zerrte, hinaus auf eine Wiese, durch die sich eine Furche frisch aufgepfl\u00fcgtes, sattbraunes Erdreich zog wie ein Graben.<\/p>\n<p data-p-id=\"2cf4f544fe41d18efa87616ae9a4d3d5\">\u201eBitte&#8221;, h\u00f6rte ich mich murmeln, \u201elass mich schlafen&#8230; nur noch f\u00fcnf Minuten &#8230; ich steh gleich auf &#8230; lass mich liegen &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"70ff295a4a7d9be0d12eb5642d3769ad\">\u201eNicht, bevor ich dich in Sicherheit wei\u00df.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9a3efabfcb1868ace04e803143ba8f02\">Ich st\u00f6hnte. Mein Kopf tat weh, und mir war entsetzlich schwindelig. Am liebsten h\u00e4tte ich mich \u00fcbergeben, aber selbst daf\u00fcr war ich zu schlapp. Yalomiro lie\u00df nicht von mir ab. Er versuchte, mich auf seinen R\u00fccken zu laden, um mich auf die Wiese schleppen zu k\u00f6nnen. Ich gab auf und legte meine Arme um seinen Hals.<\/p>\n<p data-p-id=\"5b192a2eb1694e3dc1658158a80c9c66\">\u201eWas ist passiert?&#8221;, murmelte ich.<\/p>\n<p data-p-id=\"2a0f0cb86a6a02a092d3a31d9bc6f861\">\u201eDu hast uns gerettet.&#8221; Er trug mich ins warme Morgenlicht. Ich schmiegte die Wange an seinen Hut und lie\u00df es geschehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ddcdde7d5c354ae8d13811e8e257faba\">\u201eIch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4088f678cf369ab269eba11fc1447e64\">\u201eDu hast mir deine Lebenskraft \u00fcberlassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a69a3d717a93d2277ef7a02b4eb250bd\">\u201eBin ich deswegen so m\u00fcde?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0f0ce70a259e9d506e0c09cda21a8ee5\">\u201eDie M\u00e4chte seien gepriesen, dass du noch m\u00fcde sein <em>kannst<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c2fa852251475ead3f763ef17f327236\">\u201eBin&#8230; wie sind wir entkommen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"32e44a21f30467c230e95420ebdbea20\">\u201eIch musste eine Form w\u00e4hlen, die m\u00f6glichst gro\u00df und unangreifbar ist und sich sehr schnell im Flug bewegen kann.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6f32eaadfecd1836dda5f742cc48ab6c\">\u201eUnd da hast du &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ef46a8071566e45d1ace37d3f0d83174\">\u201eEin Drache.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7d3f785b184c1f14c67891234dfc2ddc\">Ich war nicht beeindruckt. Dazu war ich zu m\u00fcde.<\/p>\n<p data-p-id=\"0c943eef87b8c18c20e5c4239f8a87be\">\u201eEin Drache?&#8221;, murmelte ich nur. \u201eEs gibt hier Drachen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dd9650aa4e370b566d280aeed3f79329\">\u201eNur in M\u00e4rchen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"aae4cf5c1552e036ce0c13ac90baf042\">\u201eAch so &#8230;&#8221; Schon driftete wieder weg. Ich wollte nur unbedingt zur\u00fcck in die warme stille Schw\u00e4rze.<\/p>\n<p data-p-id=\"4882f916652966e598cf7aff7f034a54\">\u201eAber es verschafft uns nur einen kleinen Vorsprung.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5e271b27856c4f76603117648d7afa58\">\u201eVerwandeln sich Schattens\u00e4nger h\u00e4ufig in&#8230; Drachen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d5877146c4ca8c4e3f3c287679fb7563\">\u201eKeine Ahnung. Soweit ich wei\u00df, hat es vor mir noch keiner versucht. Und es war nur m\u00f6glich, weil du mir vertraut hast.&#8221; Er blieb stehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"a7c81edac69a98003118caf3fd0f941d\">\u201eUjora&#8221;, fragte er leise, \u201eist dir klar, was du getan hast?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3d748a99887b7f68676a988822b21535\">\u201eSchlafen &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4ced834dc96f6d6324bde6717b681988\">\u201e Wenn ich einen Fehler gemacht h\u00e4tte, dann &#8230; &#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"d76f77e568ddd85954a412f9b7903f47\">\u201eHast du aber nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6d2bc2685d0f3996d4d2b3a16f369e6c\">\u201eWarum?&#8221;, fragte er eindringlich. \u201eWarum hast du das f\u00fcr mich getan?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"24b849fa9c0485b2f45866be92bc7f21\">Ich konnte weder dar\u00fcber nachdenken noch ihm antworten. Nichts von dem, was um mich vorging, kam nahe an mich heran. Ich konnte die Augen kaum \u00f6ffnen, um zu sehen, wo Yalomiro mich hinbrachte. Er hatte M\u00fche damit, so schlapp und unbeweglich war ich. Meine F\u00fc\u00dfe streiften feuchten, klebrig-schweren Boden. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass etwas einige gr\u00f6\u00dfere B\u00e4ume geknickt hatte. Ich zuckte hoch, als ich wieder einzuschlafen drohte, aber das n\u00fctzte nichts. Ich fror, war aber zu schwach zum Zittern. Schlie\u00dflich sackte ich endg\u00fcltig weg.<\/p>\n<p data-p-id=\"ec992ad9e13c887f9d5602ac8d0211fe\">Ich wei\u00df nicht, wie lange ich geschlafen hatte. Jedenfalls erwachte ich mit entsetzlichen Kopfschmerzen. Mir war spei\u00fcbel. Ich versuchte, mich aufzusetzen, aber alles, was ich davon hatte, war ein entsetzliches Schwindelgef\u00fchl. Mir wurde so elend, dass mir fast die Tr\u00e4nen kamen.<\/p>\n<p data-p-id=\"b39e8e5bf17e725f45d0bb4724d0d681\">Ich war in meinem Leben noch nicht oft betrunken gewesen, aber ich erinnerte mich an einen f\u00fcrchterlichen einsamen Abend, an dem ich versucht hatte, Verbitterung in Rotwein zu ertr\u00e4nken. Der Kater am n\u00e4chsten Morgen hatte sich \u00e4hnlich, aber nicht halb so heftig angef\u00fchlt. Mir war elend.<\/p>\n<p data-p-id=\"8f2aea0993da0c6ca2e22e5faff09f7a\">Derweil war es heller Tag geworden. In meinem Blickfeld sah ich verschwommen einige rote und gelbe Blumen auf schlanken St\u00e4ngeln, die sich in einer sanften Brise wiegten.<\/p>\n<p data-p-id=\"6deddd55fb93838fb6b2cf88e26a136b\">W\u00e4hrend ich versuchte, m\u00f6glichst still zu liegen, drangen nach und nach andere Sinneseindr\u00fccke zu mir vor. Im Hintergrund tschilpten V\u00f6gel. Die Sonne schien und w\u00e4rmte das Fr\u00f6steln hinfort. Und ganz in der N\u00e4he waren Stimmen. Vermutlich war das es gewesen, was mich geweckt hatten. Dann h\u00f6rte ich, wie jemand n\u00e4her kam. Ein Lederstiefel mit eisernen Beschl\u00e4gen trat zwischen die Blumen. Dann lie\u00df sich ein Mann neben mir auf ein Knie nieder. Finger in einem ebenfalls mit Metall besetzten Handschuh ber\u00fchrten mich vorsichtig an der Schulter.<\/p>\n<p data-p-id=\"4f38ad42dad0ab8335c54096f55b8cbd\">\u201eSie ist nicht ernsthaft verletzt&#8221;, h\u00f6rte ich Yalomiro sagen. \u201eAber ihr muss etwas Furchtbares zugesto\u00dfen sein, was sie all ihrer Kr\u00e4fte beraubt hat. Sie ist so verst\u00f6rt vor Entsetzen, dass sie sich kaum ansprechen l\u00e4sst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"17912745d36c0129cc851613035bccea\">\u201eWas f\u00fcr sonderbare Gew\u00e4nder sie tr\u00e4gt&#8221;, sagte der fremde Mann und griff unter meinen R\u00fccken. Kr\u00e4ftige H\u00e4nde setzten mich auf. \u201eIhr Augenlicht ist glasig. Ist es ein Fieber?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1c9969121dfad8abfbd04ec868762525\">\u201eNein.&#8221; Yalomiro beugte sich ebenfalls zu mir hinab und schaute mir \u00fcber die Schulter des Fremden hinweg mahnend in die Augen. Die Schrammen und der Schmutz auf seinem Gesicht waren fort. \u201eAber wie mir scheint, ist sie nicht recht bei Sinnen. Sie <em>spricht nicht<\/em>, und wie Ihr seht, kann ich mir ihr n\u00e4hern, ohne den Blick zu senken. Ich glaube, ihr Geist ist bet\u00e4ubt. Ihr seht ja selbst, was hier passiert ist. Ich denke, sie ist einem gro\u00dfen Schrecken begegnet, der aus den Bergen kam.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"87660df4a23feab1188249c711a92854\">Was redete Yalomiro da? Wer war dieser Mann?<\/p>\n<p data-p-id=\"0b449bc6a5a912e14d9a0a2d12deed28\">Fast h\u00e4tte ich aufbegehrt, aber da war die Stimme des Schattens\u00e4ngers pl\u00f6tzlich wieder in meinem Kopf. Furchtbar laut, sicherlich ob meines desolaten Zustands.<\/p>\n<p data-p-id=\"bc50de109fbec0d38147308c5ff813ad\"><em>Stell keine Fragen. Spiel mit!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"672fcc98f75dc93d8d040f095157e33d\">Der Fremde musterte mich mit pr\u00fcfendem Blick. Seine Augen waren blau, sein Bart und das blonde Haar ordentlich gestutzt. Die Gew\u00e4nder, die er trug, waren in einem sehr sonderbaren, intensiven Blau gef\u00e4rbt. Dar\u00fcber trug er ein Wams, das in Teilen mit Metallplatten und einem Ringgeflecht besetzt war. Schultern und Arme waren mit Panzerschienen best\u00fcckt. Dar\u00fcber trug er einen Mantel in gleicher Farbe, an dessen Aufschlag ein fein gesticktes Wappen prangte, ein steigendes silbernes Pferd, umrahmt von einer Raute aus Efeuranken.<\/p>\n<p data-p-id=\"d03704b00ca01153f8ffeddd08f1d5cf\">Offensichtlich war der Fremde ein Ritter, zumindest glich seine Aufmachung der von <em>yarl<\/em> Altabete. Dann wurde mir bewusst, dass ich ihn i<em>n Farbe<\/em> und ohne Grauschleier sehen konnte und seine Stimme h\u00f6rte. Das war sicherlich ein gutes Zeichen.<\/p>\n<p data-p-id=\"55924b095309ef433a84947c91774633\">Der Ritter legte seine gepanzerten Arme um meinen Oberk\u00f6rper und unter meine Beine. Er schien ziemlich stark zu sein, denn er hob mich ohne gro\u00dfe M\u00fche auf und trug er mich einige Schritte weit. Auf einem Pfad aus blankem, festgetretenem Erdboden wartete ein braunes, sehr gro\u00dfes und wuchtiges Pferd mit einer Schabracke, die ebenso blau war wie die Kleidung seines Herrn. Am Sattel war ein Helm mit einem Federbusch in derselben Farbe befestigt.<\/p>\n<p data-p-id=\"ee9f5791858ec3fe4e11b1a891cbd5ac\">Der Ritter brachte es irgendwie fertig, aufzusteigen und mich dabei hochzuheben. Mit festem Griff st\u00fctzte er mich in seinem Arm.<\/p>\n<p data-p-id=\"64fa03f7ec53413ee6e0bda5443106cc\">Was passierte hier? Was hatte der Mann vor? Und warum unternahm Yalomiro nichts dagegen?<\/p>\n<p data-p-id=\"cc41cb9b57e59864698079c67a9508be\">\u201eIch bin Euch sehr dankbar, dass Ihr Euch der <em>f\u00e1njula<\/em> annehmt&#8221;, sagte der Magier zu meinem Entsetzen. \u201eDen M\u00e4chten sei es gedankt, dass Ihr des Weges kamt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0286d9f25e1ad08c6e6d47f3a2c4dc2f\">\u201eDer<em> teirand<\/em> hat gute <em>doayray<\/em> [\u00c4rzte] auf seiner Burg&#8221;, erkl\u00e4rte der Ritter. \u201eSicher findet man dort heraus, was ihr zugesto\u00dfen ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"03a67dcb890afa161d261b4f3340b909\">Er spornte das Pferd an, allerdings im Schritttempo. Yalomiro ging neben uns her. Seine Gew\u00e4nder waren wieder tadellos in Ordnung, ganz im Gegensatz zu den meinen. Vermutlich war Magierkleidung so beschaffen, dass sie sich selbst s\u00e4uberte und reparierte. Ich nahm das hin. Um mich \u00fcber solche Kleinigkeiten zu wundern, war ich zu ersch\u00f6pft.<\/p>\n<p data-p-id=\"3a5f9823a37b6894d3e10a411210dadb\">Viel beunruhigender war, dass schon wieder etwas mit mir geschah, das ich selbst nicht beeinflussen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"b88e62030d0dcd6e6c277d61e7445f0f\">\u201eWahrscheinlich ben\u00f6tigt sie einfach nur Ruhe. Viel Ruhe. Veranlasst Ihr nur, dass man ihr Nahrung und ein angemessenes Gewand gibt, und einen sicheren Ort, an dem sie wieder zu Kr\u00e4ften kommen kann. Ich werde derweil ergr\u00fcnden, was hier vorgefallen sein mag.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"07675479152d122c24b7ce3057a7ecf3\">Was? Wollte er mich etwa<em> allein lassen?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"8448d5bd0685fb8917ab96c483db5847\">Ich versuchte verst\u00f6rt, seinen Blick aufzufangen, aber er hatte seinen Hut wieder in die Stirn gezogen. Doch er h\u00f6rte meine Gedanken und antwortete mir.<\/p>\n<p data-p-id=\"b86cad601108bf9cae5869c1a5715c2a\"><em>Diesem Mann kann ich dich anvertrauen. Es ist der einfachste Weg, dich in die Obhut des teirand zu bringen. Dort bist du sicher. Wir m\u00fcssen uns eine Weile trennen. Falls Gor Lucegath uns verfolgt, wird er <\/em>mir<em> nachjagen. Schweige und spiele mit. Ich komme zur\u00fcck! Vertraue mir!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"6b7b7d7aa7b78a4077198e8ae8daf238\">Ich wollte etwas entgegnen, protestieren, aber der Ritter war schneller.<\/p>\n<p data-p-id=\"f8dca2a358017ed96f847bf5c5f4ed82\">\u201eIch werde keine Zeit verlieren&#8221;, sagte er. \u201eIch will bis zum Mittag die Burg erreichen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9e5663864b4c78676fbbf85dd6d0e698\">\u201eM\u00f6gen die M\u00e4chte Euch allezeit begleiten auf Euren Reisen, besch\u00fctzen in Euren K\u00e4mpfen und Euch Gerechtigkeit und Weisheit schenken&#8221;, sagte Yalomiro f\u00f6rmlich. \u201e<em>Yal gha&#8217;tan\u00e1i, yarl<\/em> Althopian.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"70b57ad4532d0bcbb57854fc58bdd630\">Der <em>yarl<\/em> nickte knapp und trieb sein imposantes Pferd ohne ein weiteres Wort an. Wir trabten \u00fcber den Sandweg hinfort. Ich sah Yalomiro hinter uns zur\u00fcckbleiben. Vor der Kulisse eines wie von einem Einschlag zerschmetterten W\u00e4ldchens stand er am Rand einer bunten Fr\u00fchlingswiese und war bald au\u00dfer Sicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"ab5b70462175563b13f1f5964defefe4\">W\u00e4re ich nicht immer noch so bet\u00e4ubt und entkr\u00e4ftet gewesen, w\u00e4re ich wohl erneut in Panik geraten. Ich war in einer fremden <em>Welt<\/em>, um mich herum geschahen surreale Dinge, und nun war auch noch die Person fort, wegen der ich mich in dieser Situation befand. Daf\u00fcr befand ich mich jetzt in den starken Armen eines edlen Ritters, was einer Szene aus einem Kitschroman bedenklich nahekam.<\/p>\n<p data-p-id=\"37e3cd8e16d9156523c473f8119f7d90\">Wollte Yalomiro mich <em>loswerden<\/em>?<\/p>\n<p data-p-id=\"24df3b81e736d321e2a14c202c162298\">Sicher w\u00e4re es aus seiner Sicht das Bequemste, mich einfach zur\u00fcckzulassen und seine Reise allein fortzusetzen. Der Ritter war ihm sicher gerade recht gekommen. Nun hatte der arme Kerl seine Last mit mir. Wieder jemand, f\u00fcr den ich ein Klotz am Bein war.<\/p>\n<p data-p-id=\"fd7c0f56bc8baf06a009d9a36a19b988\">Gedanklich schwankte ich zwischen Groll auf den Magier und Mitleid mit dem <em>yarl<\/em>, der bestimmt eigene Pl\u00e4ne hatte. Angst vor ihm hatte ich allerdings nicht. Das war seltsam, wenn ich n\u00e4her dar\u00fcber nachdachte.<\/p>\n<p data-p-id=\"3eb09039419378f9c206120e69c70d83\">All diese Gedanken kamen mir nicht am St\u00fcck, denn immer wieder schrumpfte mein Bewusstsein zusammen und verabschiedete sich in eine Art Sekundenschlaf, aus dem ich regelm\u00e4\u00dfig hochschreckte. So nahm ich nur beil\u00e4ufig zur Kenntnis, dass der Weg auf dem wir ritten, zun\u00e4chst entlang von Feldern f\u00fchrte, auf denen \u00fcppiges Getreide wuchs, zwar noch gr\u00fcn und noch lange nicht erntereif, aber doch in beeindruckender Dichte und Kraft. Es sah aus wie gr\u00fcner Samt, \u00fcber den Wind hinweg strich. Bei der n\u00e4chsten Gelegenheit erwachte ich, w\u00e4hrend wir durch einen lichten Wald ritten. Oder nein&#8230; das war kein <em>Wald<\/em>. Es gab kaum Wildwuchs und Unterholz. Daf\u00fcr s\u00e4umten \u00fcppige B\u00fcsche den Weg, und auf einer lieblichen Lichtung sah ich bunte Blumenbeete und ein pl\u00e4tscherndes Wasserspiel. Es war ein riesiger Park! Das gefiel mir. Die geb\u00e4ndigte, gepflegte Natur war etwas ganz anderes als die apokalyptische Szenerie von dem, was einmal Yalomiros Wald gewesen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"7915974277271f2d246f041780ce2fa1\">W\u00e4hrend all der Zeit sagte der Ritter kein Wort. Wozu auch \u2013 schlie\u00dflich ging er davon aus, dass ich so gut wie besinnungslos war. Andererseits g\u00f6nnte er seinem Reittier keine Pause, bis wir auf einer dieser Lichtungen den ersten anderen Menschen begegneten. Ein Gr\u00fcppchen von Leuten war offenbar damit besch\u00e4ftigt, Erde f\u00fcr ein Blumenbeet umzugraben und einen Strauch zu beschneiden. Ein paar Kinder waren dabei und halfen den Erwachsenen.<\/p>\n<p data-p-id=\"b1ab7e78f005d121e5fba5dc59f34e55\">\u201eHe!&#8221; Der Ritter z\u00fcgelte sein Pferd, und die Leute wurden auf ihn aufmerksam. Alle wandten sich ihm zu und verneigten sich gr\u00fc\u00dfend, aber nur einer der \u00e4lteren M\u00e4nner stie\u00df seinen Spaten in die Erde und kam n\u00e4her.<\/p>\n<p data-p-id=\"05eebcf837c4b405ae23658491b045a0\">\u201eHerr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8a2f87fa3e8e8b8c3a6fb67a56209bb2\">Der Ritter r\u00fcckte mich im Sattel zurecht und hob gr\u00fc\u00dfend seine Hand. \u201eBin ich noch auf dem richtigen Pfad zur Burg Valvivant?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"73c3bb93e54f5280e5f89d69125986a4\">\u201eIhr k\u00f6nnt es nicht verfehlen. Immer weiter dort entlang&#8221;, gab der G\u00e4rtner Auskunft und musterte mich neugierig. Der Mann trug einen Strohhut, hatte eine st\u00e4mmige Statur und ein wettergegerbtes, rundes Gesicht mit freundlichen Augen. Seine Kleidung war zweckm\u00e4\u00dfig und nat\u00fcrlich voller Erde und Grasflecken, aber in tadellosem Zustand.<\/p>\n<p data-p-id=\"eceb7dfeadaa0cb6be9a0e769e8cc1b5\">Wenn schon einfache Arbeitskr\u00e4fte so adrett auftraten, schien es am Hof ordentlich zuzugehen. Wie anders wirkten dagegen die gruseligen gesichtslosen Gefolgsleute der <em>teiranda<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"b7a549153039c5647ee98336c7cf1b31\">\u201eIst einer deiner Leute abk\u00f6mmlich, um mich beim <em>teirand<\/em> anzuk\u00fcnden? Die <em>f\u00e1njula<\/em> braucht Hilfe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"55bd5960854885f2300f7f5a6c746ee8\">Ich sah dem G\u00e4rtner an, dass er gern neugierige Fragen gestellt h\u00e4tte, aber das wagte er wohl doch nicht. Stattdessen winkte er eines der Kinder heran, einen Jungen, den ich auf zehn oder elf Jahre sch\u00e4tzte. Er legte die Harke, mit der er gerade hantiert hatte, beiseite und kam mit fragendem Blick n\u00e4her. Seine Kleidung \u00e4hnelte dem des G\u00e4rtners und auf seinem Gesicht gab es mehr Sommersprossen, als ich z\u00e4hlen konnte. Wie gut tat es, solche <em>Details<\/em> zu sehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"2bd8a70a7ca0fe4994738d8545e61f02\">Der Ritter kramte mit der freien Hand in seiner G\u00fcrteltasche und fischte ein kleines Holzpl\u00e4ttchen hervor, etwas kleiner als eine Spielkarte. Als er es dem Jungen reichte, konnte ich sehen, dass lediglich sein Wappen darauf abgebildet war.<\/p>\n<p data-p-id=\"064029d8956ba8eebeb0cb33d7bb9793\">\u201eH\u00f6r zu&#8221;, erkl\u00e4rt er. \u201eLauf zur Burg vor und lass ausrichten, <em>yarl<\/em> Wa\u00fdreth Althopian folge dir nach. Ich bringe eine <em>f\u00e1njula<\/em>, die Pflege ben\u00f6tigt. Sie sollen ihre <em>doayray <\/em>bereithalten, und st\u00e4rkende Arzneien. Hast du das verstanden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1eff79030bcf9751d4204e3776713eae\">\u201eNat\u00fcrlich, Herr&#8221;, antwortete der Junge h\u00f6flich.<\/p>\n<p data-p-id=\"42d8d450d6d3855e2d4f9a22ad073e9d\">\u201eDann lauf.&#8221; <em>Yarl<\/em> Althopian warf ihm noch eine M\u00fcnze zu. Das Kind schnappte sie auf und seine Miene erhellte sich. Offenbar war es angenehm \u00fcberrascht von der Gro\u00dfz\u00fcgigkeit des Ritters. Der Kleine verneigte sich und flitzte dann leichtf\u00fc\u00dfig los.<\/p>\n<p data-p-id=\"b4ae83684616026d8bab873bc93f38aa\">Der Ritter wandte sich wieder dem G\u00e4rtner zu. \u201eIch habe einen weiten Weg hinter mir und war lange nicht in dieser Gegend. Gibt es irgendetwas, was ich wissen sollte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f2d575cbbcb1c80cee5179de10e4e979\">\u201eWas interessiert Euch denn, Herr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5806d9cc6fa0715770a1b2baa77152c4\">\u201eSind w\u00e4hrend der letzten Monde Reisende aus Wijdlant hier entlang gekommen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c1c639948d98469994cb4798539e7dab\">Der G\u00e4rtner \u00fcberlegte kurz und sch\u00fcttelte dann den Kopf. \u201eNein. Aber vor einigen Tagen kam eine Gefolgschaft aus dem Westen. Wahrscheinlich trefft Ihr die Damen noch an. Aber sonst&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9744fc15ecc474e7a42f2e392c96a278\">\u201eDamen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e2e846c5c595f675c2b93f38be92fdcb\">\u201eDie <em>yarlara\u00e9<\/em> von Iva\u00e1l, wenn ich mich recht entsinne.&#8221; Der G\u00e4rtner l\u00e4chelte verschmitzt. \u201eSehr h\u00fcbsche Damen, sagt man.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7ab7e7c1f1f661af03fd8fbca27df526\">Der Ritter horchte merklich interessiert auf. \u201eDie hochedle <em>yarlara<\/em> von Iva\u00e1l? Mit ihren beiden T\u00f6chtern? Bei den M\u00e4chten, das w\u00e4re eine F\u00fcgung der M\u00e4chte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6f6b06c79e7bd47edc62f9daca04a4d5\">\u201eMeine Tochter, Herr, arbeitet in der Burg. Die Damen seien auf der Durchreise nach For\u00e9tern. Woher wisst Ihr, dass es zwei T\u00f6chter sind?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e2c831bd7317c9341ef1525c202d24be\">\u201eIch &#8230; h\u00f6rte von ihnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3d81ea65858ed4ee9a62d9af4e3147e4\"><em>Yarl<\/em> Althopian wartete einen Moment zu lang, um das Thema zu wechseln. Vielleicht hoffte er, dass der Mann Details verriet. Dann besann er sich. \u201eUnd ist jemand von hier nach Norden aufgebrochen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"45bc00caedda96f9628541850e6924ff\">\u201eSicher. Aber nat\u00fcrlich nicht auf gradem Wege. Niemand reist ohne guten Grund durch Wijdlant.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1e104a675fab0d0eaa6fb368d3475c1a\">\u201eIch wei\u00df.&#8221; Der Ritter nickte, hob gr\u00fc\u00dfend die Hand und spornte sein Pferd an. Der G\u00e4rtner verneigte sich und ging dann wieder an seine Arbeit.<\/p>\n<p data-p-id=\"50d9df04cdf4b60232595cfe0f282ac2\">Wa\u00fdreth Althopian hatte es nicht allzu eilig. Schlie\u00dflich w\u00e4re es unsinnig gewesen, den Jungen mit der Botschaft zu \u00fcberholen. Au\u00dferdem konnte er mit mir als Gep\u00e4ck nicht so schnell reiten, wie er es wohl unter normalen Umst\u00e4nden getan hatte. Aber das kurze Gespr\u00e4ch mit dem G\u00e4rtner des \u00f6rtlichen <em>teirand<\/em> hatte etwas ge\u00e4ndert. Der Ritter redete nun. Besser gesagt, er murmelte vor sich hin. Dem nach, was ich verstehen konnte, \u00e4rgerte er sich \u00fcber irgendetwas, war aber zu gut erzogen, um laut zu fluchen. Ich drehte den Kopf in seine Richtung.<\/p>\n<p data-p-id=\"341454203a3bdcf6e84c42b5529d9c0e\">Er fing meinen Blick auf. \u201eDu bist wach?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4314b3e71223e5a0cdd8e3358269e058\">Ich nickte. Seine Miene erhellte sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"8f14a5333a73da5fc33e2e7ac5f22f14\">\u201eKannst du mich verstehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"53a232889c933be30591319119b9b09b\">Ich z\u00f6gerte. Yalomiro hatte mich angewiesen, zu schweigen, nicht Taubheit vorzut\u00e4uschen. Ich schenkte dem freundlichen Ritter ein unverbindliches L\u00e4cheln.<\/p>\n<p data-p-id=\"8f5068f34e1936ddf51bd9adbf57fee8\">\u201eEs ist wie verflucht&#8221;, sagte er. \u201eIch hatte gehofft, dass Altabete, Grootplen oder wenigstens der junge Mor\u00e9aval es nach Valvivant zum <em>teirand<\/em> geschafft h\u00e4tten. Aber offenbar hat keiner von ihnen Urlaub bekommen, wie es in ihrem Brief angek\u00fcndigt war. Ich habe Herrn Andri\u00e9r seit Sommern nicht gesehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"98bfc68a427600960e61f0b8c42fd151\">Altabete? Grootplen? Hatte er tats\u00e4chlich gerade die Namen der gesichtslosen Gefolgsm\u00e4nner der <em>teiranda<\/em> genannt?<\/p>\n<p data-p-id=\"79590902cd5e537f8eeadfe4aed903ee\">\u201eDer <em>teirand<\/em> muss uns beistehen, sonst geht es nicht gut aus. Vielleicht hat Benjus von Valvivant zumindest ein klein wenig Verantwortungsgef\u00fchl \u00fcbrig.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5506a10a008d6817516ef333ef7ddb95\">Ich begriff kein Wort. Aber dass der Ritter beunruhigt schien, machte mir nun doch Sorgen.<\/p>\n<p data-p-id=\"f85e13522c4b5c5cabe0139425cda9d9\">\u201eEs kommt nichts Gutes mehr aus Wijdlant. Wenn Asga\u00fd von Spagor nichts unternimmt, wird es nicht besser. So die M\u00e4chte es wollen, vielleicht kann Benjus von Valvivant helfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fe56e005cca791a6671f3bff00577c0a\">Wahrscheinlich machte ich ein so ratloses Gesicht, dass er mich wieder f\u00fcr weggetreten hielt. Er seufzte und schwieg wieder eine Weile.<\/p>\n<p data-p-id=\"0273cc7e2cd16a505ae1322001e554ab\">\u201eVielleicht bekomme ich zumindest Gelegenheit, mit der <em>yarlara<\/em> zu reden&#8221;, sagte er dann nachdenklich. \u201eIch habe schon so viel zu ihrem Ruhm geh\u00f6rt. Ihr ausgerechnet hier zu begegnen, w\u00e4re eine Gunst der M\u00e4chte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"86d99fccb16492ad84e3b290f5ffb8c8\">Dann schwieg er wieder und ich lie\u00df mich erneut in den Halbschlaf treiben, ohne eine Spur schlauer zu sein, als zuvor.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/schattenherz-oder-die-ergaenzte-seele-band-1\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-2055","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-01_schattenherz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2055","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2055"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2055\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3853,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2055\/revisions\/3853"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2055"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2055"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2055"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}