{"id":2054,"date":"2025-08-24T19:34:24","date_gmt":"2025-08-24T17:34:24","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2054"},"modified":"2025-09-01T09:42:07","modified_gmt":"2025-09-01T07:42:07","slug":"015-verstoerende-kunst-in-valvivant","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/24\/015-verstoerende-kunst-in-valvivant\/","title":{"rendered":"015: Verst\u00f6rende Kunst in Valvivant"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SH_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1991\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"16a89d91a0bde2c0d58572ce4f63c17d\">Ich schreckte wieder auf, als sich die Bewegungen des Pferdes \u00e4nderten. Wir ritten nun auf einer gepflasterten Stra\u00dfe, die \u00fcber eine freie Wiesenfl\u00e4che direkt auf das Tor einer Burg zuf\u00fchrte.<\/p>\n<p data-p-id=\"39c98ad007490c65c1928d16fe789bbe\">Die Mauern, die die Festung umgaben, waren etwa so hoch wie ein dreist\u00f6ckiges Wohnhaus, von einem breiten Wassergraben umgeben und bestanden aus schneewei\u00df gek\u00e4lktem Stein. Hier und dort rankten bunt bl\u00fchende Kletterpflanzen empor. Man erkannte einen Turm und das Dach eines h\u00f6heren Geb\u00e4udes, das innerhalb des Mauerrings stand. Auch die Mauern selbst waren in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden mit kleineren Turmaufbauten erg\u00e4nzt. Es sah h\u00fcbsch, sogar ein wenig verspielt aus. Eher ein M\u00e4rchenschloss denn eine trutzige Bastion. Ich war \u00fcberrascht.<\/p>\n<p data-p-id=\"68a9b18037b5c74dff6d79c5867dd893\">Je n\u00e4her wir dem Geb\u00e4ude kamen, nahm ich das Geschnatter von Enten wahr. Auf dem Weg kam uns ein Fuhrwerk entgegen, das einige F\u00e4sser geladen hatte. Der zugeh\u00f6rige Kutscher lie\u00df den Ritter passieren und verneigte sich knapp in dessen Richtung.<\/p>\n<p data-p-id=\"ac9ead2626f6dd52beba47d93e32a6a3\">Ich schaute in die andere Richtung. Dort, auf der Wiese nahe dem Graben, spielten Kinder. Einige kleine Jungen ritten auf Steckenpferden und wirbelten mit h\u00f6lzernen Schwertern umher. Ein Gr\u00fcppchen von noch j\u00fcngeren Kindern und M\u00e4dchen feuerte die Kinder an, und die drei Frauen, die plaudernd dabei standen, warfen ab und zu einen pflichtbewussten Blick auf die Kleinen. Eine der Damen war eine imposante Matrone mit gestrengem Blick, die anderen beiden j\u00fcnger und ausgesprochen h\u00fcbsch. Einige der Kinder trugen einfache Kittelchen und waren in Holzschuhen oder barfu\u00df, andere trugen offenkundig etwas feinere Kleidung. Sie standen unbefangen beieinander und schienen viel Spa\u00df zu haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"f2e81e3a44062792e2b4396e7e858427\">Ich bemerkte, dass auch der Ritter die Kinder beobachtete und erst wieder nach vorn blickte, als das Pferd seine Hufe auf die Zugbr\u00fccke setzte, die den Graben \u00fcberspannte. Aus dem Torbogen kam ein mit einer leichten R\u00fcstung gepanzerter Wachposten hervor. Der Mann hatte zwar eine Hellebarde bei sich, schickte sich aber nicht an, uns in den Weg zu treten. Tats\u00e4chlich musterte er den Ritter nur kurz, tauschte einen knappen Gru\u00df mit ihm aus, der urspr\u00fcnglich wohl einmal milit\u00e4rischen Charakter gehabt haben mochte und lie\u00df ihn passieren.<\/p>\n<p data-p-id=\"6b38c126274ee4f16c4a1886534509d7\">Auf dem Burghof herrschte Betriebsamkeit wie auf einem Marktplatz. Gut drei Dutzend Menschen, wahrscheinlich Hausgesinde und Knechte und nur ein paar vereinzelte Ger\u00fcstete gingen ihren Gesch\u00e4ften nach. Ein verwirrendes Gemisch von Ger\u00fcchen erreichte mich \u2013 frisch gebackenes Brot, Holzkohlenfeuer, Stallgeruch und etwas, das ich f\u00fcr ein bet\u00f6rendes Parf\u00fcm hielt. Viele Blicke wandten sich uns zu, aber niemand unterbrach l\u00e4nger als ein paar Sekunden seine Arbeit. Ein paar H\u00fchner pickten umher, und ein be\u00e4ngstigend gro\u00dfer Hund kam schwanzwedelnd heran und schn\u00fcffelte an meinem Fu\u00df.<\/p>\n<p data-p-id=\"d600622abd7d84ab04a9b7538de5299c\">Ich schaute mich im Hof um. Innen schmiegten sich niedrigere, feste Geb\u00e4ude an die Burgmauer, deren D\u00e4cher einen Rundgang auf halber Mauerh\u00f6he bildeten, der seinerseits eine \u00fcberdachte Balustrade besa\u00df. Dem Tor gegen\u00fcber befand sich ein zentrales Geb\u00e4ude mit mehreren Etagen. und einem sch\u00f6nen, mit Wein und sonderbaren rosa Bl\u00fctendolden bewachsenen Arkadengang. Alles war aus gewei\u00dftem Stein. Der Burghof selbst war riesig, der Durchmesser mochte mehr als hundert Meter betragen. Im Grundriss war er eif\u00f6rmig, mit dem Haupthaus im spitzen, dem Tor im stumpfen Ende.<\/p>\n<p data-p-id=\"ce4fb2711d3233be4bb6197da5a0e51c\">\u201e<em>Yarl<\/em> Althopian!&#8221; Ein Mann setzte sich oben auf dem Rundlauf der Mauer in Bewegung und ging zur n\u00e4chstliegenden Treppe hin\u00fcber. \u201eSeid Ihr geflogen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e10da15176b62d64f2828f0cdcdf3852\">\u201eIch habe eine <em>f\u00e1njula<\/em> in Not bei mir!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"49bfd689ed53d2b65947b0b4c5b773f7\">\u201eIch wei\u00df, ich wei\u00df!&#8221; Der Herr kam eilig die Treppe herunter und heran. Er war korpulent und vornehm gekleidet, seine Gew\u00e4nder bestanden aus einem feinen Wollstoff mit filigranen Mustern. Um den Hals trug er eine goldene Kette mit einem gro\u00dfen Anh\u00e4nger. Vermutlich handelte es sich um einen W\u00fcrdentr\u00e4ger. \u201eHe!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5bc274df8bcc82296dd2414b663e065d\">Er h\u00e4tte gar nicht rufen m\u00fcssen, denn aus dem Haupthaus eilten zwei Frauen und ein B\u00e4r von einem Mann herbei, der sicherlich in der Burg f\u00fcr Dinge zust\u00e4ndig war, die viel Kraft kosteten. Ohne viel Aufheben trat der Riese an das Pferd heran und hob mich aus dem Sattel, als sei ich ein P\u00fcppchen.<\/p>\n<p data-p-id=\"35bacd3352b668302e1fc62e536a1e95\">\u201eBei den M\u00e4chten!&#8221;, rief die \u00e4ltere Frau aus. Sie hatte ein g\u00fctiges Oma-Gesicht, gekr\u00f6nt von einer H\u00f6rnerhaube, die definitiv altmodisch wirkte. Das junge M\u00e4dchen, vielleicht vierzehn Jahre alt, war mit einem bunt bestickten K\u00e4ppchen und einer kessen Z\u00f6pfchenfrisur angetan. Ihr Haar war r\u00f6tlichblond.<\/p>\n<p data-p-id=\"3b4c73fa19fde44c37564b369540137e\">\u201eWas ist passiert?&#8221;, fragte die Frau sachlich und ohne den Ritter zu begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"75eb122a58c420d7a1e6acf92140f894\">Wa\u00fdreth Althopian blickte sich um, als bef\u00fcrchte er Lauscher, und senkte die Stimme. \u201eIch fand sie drau\u00dfen, s\u00fcdlich vor dem Wald, auf der Bergseite. Ein <em>camat&#8217;ay<\/em> war bei ihr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1bd5ee1de0e2edd2da2cb5708315d758\">Alle vier, die Frauen, der Vornehme und der Kraftmann, machten ein entsetztes Gesicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"5a9d28963e0160f6a1cb17ef899ce8f6\">\u201eAch du&#8230;&#8221;, murmelte das M\u00e4dchen und verschluckte den Rest. Der Mann in den vornehmen Gew\u00e4ndern sagte nichts. Aber er wurde kreidebleich.<\/p>\n<p data-p-id=\"e24b5683cb95c24574fde58aebf59f02\">\u201eEin<em> Schwarzmantel<\/em>?&#8221; Die alte Frau sch\u00fcttelte ersch\u00fcttert den Kopf. \u201eM\u00f6gen die M\u00e4chte uns beistehen! Das arme Ding!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e6b6f3875650892daf7c2e3e6d984a7c\">\u201eIch habe keine Ahnung, was geschehen ist&#8221;, erkl\u00e4rte Wa\u00fdreth Althopian. \u201eAber offenbar hat der Schattens\u00e4nger sie bereits in diesem Zustand vorgefunden. Sie lag in einem W\u00e4ldchen, das aussah als ob sich ein gigantisches Waldschwein darin gew\u00e4lzt h\u00e4tte. Der Magier vermutet, sie ist einem gro\u00dfen Schrecken begegnet, der aus den Bergen kam. So nannte er es. Vielleicht war sie in Begleitung und hat als einzige \u00fcberlebt. Sie ist jedenfalls so ausgelaugt, dass nicht einmal seine Gegenwart ihr etwas anhaben konnte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"33a7b7b1c93f2e13a127f894d089844c\">\u201eDu meine G\u00fcte&#8221;, wisperte die Alte. \u201eDann ist ihr Verstand dahin!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b956003c06d5d4ee300572dfbeda2c8d\">\u201eEin gro\u00dfer Schrecken in den Bergen?&#8221;, brachte der Vornehme hervor. \u201eDas ist doch <em>l\u00e4cherlich<\/em>! Was soll das sein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cfbbed64fe2685e4ee4730bbaf1594c1\">Ja, was sollte das sein? Das interessierte mich auch. Warum erz\u00e4hlte Yalomiro so abenteuerliche Dinge, statt einfach die Wahrheit zu sagen?<\/p>\n<p data-p-id=\"9a60ab39f250625e759e8300356dbe0a\">\u201eDer Magier ist fortgegangen, um das herauszufinden. Er sagte, er wolle schauen, ob er der Sache beik\u00e4me.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"143ba200beb09f94b05ebb6b2595cc1f\">Der Vornehme runzelte die Stirn. Etwas schien ihm zu missfallen. Wahrscheinlich gefiel ihm der Gedanke nicht, einen omin\u00f6sen <em>gro\u00dfen Schrecken<\/em> und einen Magier zugleich in seinem Reich zu haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"7becc8017dd6912acb0369a579c259ef\">\u201eLos, bringen wir sie hinein&#8221;, sagte das M\u00e4dchen. \u201eEs ist alles vorbereitet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7230c775dd562b92d3ada0acf9cdf48b\">\u201eJa, geht.&#8221; Der Vornehme nickte. \u201eUnd Ihr, Althopian, steigt ab und seid willkommen in Valvivant.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"224da24020dc89617aefee541cbf4ffb\">\u201eIch danke Euch, <em>Majest\u00e4t<\/em>&#8220;, h\u00f6rte ich des Ritters Stimme gerade noch, bevor der starke Mann sich abwandte und mit mir auf dem Arm eilig wieder hin\u00fcber zum Haus ging. Die alte Frau und das M\u00e4dchen eilten ihm nach.<\/p>\n<p data-p-id=\"23ad7e6709695a0f50ade2005c3481e7\">Das Portal des zentralen Burggeb\u00e4udes stand weit offen und f\u00fchrte unmittelbar in eine gro\u00dfe, luftig helle Halle. Man betrat sie vom Hof aus an der Querseite; der Zugang zum Wohngeb\u00e4ude war jedoch an deren Stirnseite, also wandte der Mann, der mich trug, sich nach rechts und hielt auf eine T\u00fcr zu, die sich ganz am Ende des Raumes auftat.<\/p>\n<p data-p-id=\"0d8150667669f21a3eec9a811e0a30f7\">Der Boden der Halle war mit wei\u00dfen Steinfliesen bedeckt, von der Hofseite aus durchflutete warmes Tageslicht den Raum. Die hohen Fenster lie\u00dfen sich mit derzeit weit offen stehenden Holzl\u00e4den schlie\u00dfen, an der Seite waren B\u00e4nke und Tische aus Holz ordentlich beiseite ger\u00e4umt aufgereiht. Etwas abseits war ein Knecht mit einem Putzeimer und einem Feudel damit besch\u00e4ftigt, den Boden zu wischen. Er pfiff entspannt vor sich hin.<\/p>\n<p data-p-id=\"eddb1e0d5e5e43d6102f3337cc030f3f\">Die gegen\u00fcber liegende Wand wurde von einem wirklich <em>riesigen<\/em> Wandgem\u00e4lde beherrscht. W\u00e4hrend man mich dort vorbeitrug, hatte ich die Gelegenheit, einen Blick darauf zu werfen. Das war allerdings etwas, das ich besser nicht getan h\u00e4tte.<\/p>\n<p data-p-id=\"775a7897731747321983e7fb14585219\">Es handelte sich um ein Schlachtenpanorama. Beeindruckend realistisch dargestellt waren Ritter in farbenfrohen Gew\u00e4ndern und goldenen R\u00fcstungen auf bunten gefl\u00fcgelten <em>Einh\u00f6rnern<\/em> in der Schlacht um eine fremdartige Burg, die zu funkeln schien. Im Hintergrund war eine Stadt zu sehen, die man, genau wie die abgebildeten Ritterr\u00fcstungen, sogar mit Blattgold verziert hatte. Im Zentrum der Handlung focht einer auf einem wei\u00dfen Einhorn, so strahlend grell, dass das Bild an dieser Stelle aus sich selbst zu leuchten schien, gegen einen Mann zu Fu\u00df, der von gr\u00e4sslichen, fratzenhaften Figuren umringt war.<\/p>\n<p data-p-id=\"08f8f8d2e8df6f8b2e672ca42a336b48\">Einen schwarz gekleideten Mann, der einen langen, in einem silbern leuchtenden Strahlen auslaufenden Stab gegen den Ritter schwang wie eine Waffe. Um ihn herum lagen bunte Ritter und einige sch\u00f6ne Frauen leblos am Boden. Ganz im Gegensatz zu dem strahlenden Ritter auf dem leuchtenden Einhorn umgab den Fu\u00dfk\u00e4mpfer ein Nimbus aus Dunkelheit. Es war, als habe der K\u00fcnstler nicht einfach schwarze Farbe benutzt, sondern buchst\u00e4blich<em> mit Finsternis gemalt<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"0b5d3ce24605bb7be8c494b354fe65b3\">Die Gestalt war ganz ohne Zweifel ein Schattens\u00e4nger.<\/p>\n<p data-p-id=\"9650009f20064a6393358bb4c163c125\">Ich versp\u00fcrte instinktives Grauen vor diesem Bild, aber ich konnte den Blick einfach nicht abwenden. Nun bemerkte ich auch, dass \u00fcberall verstreut in dem Gem\u00e4lde weitere finstere Gestalten auftauchten. Sie wirkten wie ekliges Ungeziefer, das \u00fcber das Bild krabbelte, und sie k\u00e4mpften ebenfalls gegen die Menschen in dieser Schlacht, wenn auch nicht so prominent wie die zentrale Gestalt.<\/p>\n<p data-p-id=\"b0ae012737ec6aa615ef799106d8d9d2\">Dann hatte der gro\u00dfe Mann die T\u00fcr erreicht, und das f\u00fcrchterliche Bild lag hinter uns. Wir befanden uns nun in einer Art Treppenhaus. Eine steinerne Steige ringelte sich empor.<\/p>\n<p data-p-id=\"cb37736785291bb6875caca568fb39c9\">\u201eIsan&#8221;, wies die alte Frau das junge M\u00e4dchen an, sei so gut und hol die Sachen aus der K\u00fcche. Es sollte jetzt alles fertig sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b2a00bfcc78ca6154685d041fca0e3ec\">Das junge M\u00e4dchen wandte sich ab. Der gro\u00dfe schweigsame Mann trug mich eine Wendeltreppe hinauf, von der T\u00fcren abgingen. Etwa auf halber H\u00f6he des Turmes bog er in einen Korridor ab. Dort gab es Zimmer, eines stand offen. Dort ging er hinein und legte mich vorsichtig auf einer freistehenden, mit sauberen Leinenlaken bedeckten Liege ab. Au\u00dfer diesem M\u00f6belst\u00fcck gab es einen gro\u00dfen Tisch, einen kleineren und an der Wand etwas, das aussah wie eine Art niedrige Badewanne aus Holz.<\/p>\n<p data-p-id=\"c8a9e40be1ce3ff0689d52f305b7fa38\">Das Gef\u00fchl, weich zu liegen, war \u00fcberw\u00e4ltigend. Ich seufzte erleichtert und schloss die Augen.<\/p>\n<p data-p-id=\"abaa837e7b7fccb1288114ebad6f35f8\">Die alte Frau scheuchte den Mann hinaus, und im n\u00e4chsten Moment war auch das M\u00e4dchen Isan wieder da, einen geflochtenen Korb \u00fcber dem Arm, in dem sie ein Sortiment kleiner Flaschen und einen Krug transportierte, in dem etwas k\u00f6stlich roch und dampfte.<\/p>\n<p data-p-id=\"f2425585aee3c1e18079e475c64f23db\">\u201eSo, Liebes&#8221;, sagte die Alte und schloss die T\u00fcr. \u201eJetzt sind wir unter uns. Kannst du uns verstehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cc888a1a369371ef272320d7b7c65057\">Ich nickte.<\/p>\n<p data-p-id=\"012284c6d5292d9f2e0bf00dbe7e81cc\">\u201eKannst du auch sprechen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"54093f9094e441ce3a4cbc79ab512edc\">Ich h\u00e4tte eine ganze Menge Fragen gehabt. Aber ich schwieg.<\/p>\n<p data-p-id=\"f7a7e3387aab5153075df4a891692de1\">\u201eWahrscheinlich ist sie gerade so eben mit dem Verstand davon gekommen.&#8221; Isan stellte den Korb auf ein niedriges Tischchen neben dem Bett und r\u00e4umte es aus. \u201eBei den M\u00e4chten! Ganz allein mit einem Schwarzmantel! Wer wei\u00df, was er ihr <em>angetan<\/em> h\u00e4tte, wenn der edle <em>yarl<\/em> nicht zur Stelle gewesen w\u00e4re!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c8b71753d2c7f9c202df195aff644bfa\">\u201eHat es das?&#8221;, fragte die Alte in meine Richtung. \u201eHat der Unhold sich ungeziemlich betragen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"88eb08adc5cc38e0d067bc7c029c0abf\">Was?<\/p>\n<p data-p-id=\"65d81cdaecfe85d50dd6024f28c6de54\">Ich sch\u00fcttelte irritiert den Kopf.<\/p>\n<p data-p-id=\"3412465e095ad430336d1bc7949a91a0\">Ihre freundlichen Augen musterten mich pr\u00fcfend. \u201eNa, immerhin hat er daf\u00fcr gesorgt, dass der <em>yarl<\/em> dich herbringt. Mein Name ist Verta. Ich bin die <em>doayra<\/em>, die Heilerin hier am Hof von Valvivant. Das ist mein Lehrm\u00e4dchen Isan.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"610e2c68299d9a253622dd83b59c77f5\">Ich nickte beiden zu. Isan winkte gut gelaunt zu mir hin\u00fcber.<\/p>\n<p data-p-id=\"5c4e2f0c717e7f7943d1fc4bb37c7e41\">\u201eKommst du aus dem S\u00fcden, von jenseits des Montaz\u00edel?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2d89adc7925d4887fc5fe1020ad05a7a\">Ich zuckte die Achseln.<\/p>\n<p data-p-id=\"f1c08eeb628d2b0a7a8d6839c86c4b3d\">\u201eUnd du bist einem gro\u00dfen Schrecken in den Bergen begegnet?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"329028c6f63cdce10bbcf1c42c297e74\">Oh ja. Lauter gesichtslosen Menschen, einer wahrscheinlich wahnsinnigen Monarchin und einem Magier, der Menschen umbrachte. Ich nickte.<\/p>\n<p data-p-id=\"a9c49973854bb9849cfd0657336780c2\">\u201eNa bitte!&#8221; Isan stellte ger\u00e4uschvoll einen ihrer Tiegel ab. \u201eUnd jetzt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5f9ce5733214bf57e991f684409b647a\">\u201eJetzt bewahren wir alle die Ruhe und sehen zu, dass das arme Ding hier aus diesen furchtbaren Lumpen herauskommt.&#8221; Verta begann, sich an den traurigen \u00dcberresten zu schaffen zu machen, die nach der Bruchlandung von meiner Garderobe \u00fcbrig geblieben waren, Isan kam ihr zur Hilfe. \u201eWas f\u00fcr seltsames Tuch&#8221;, kommentierte sie, w\u00e4hrend sie versuchte, mir die Hose auszuziehen. \u201eSicher kommt sie aus \u00c1marcan oder von noch weiter weg. Da sollen sie sehr komische Gew\u00e4nder tragen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5dae9e20032e035789a14386b6423ccb\">\u201eJedenfalls ist das Zeug dahin. Da kann auch der Schneider kaum noch etwas richten.&#8221; Verta l\u00e4chelte mir g\u00fctig zu. \u201eKeine Sorge, Liebes. Du bekommst etwas sch\u00f6nes Neues zum Anziehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"66bcc27c3e9b7c946e5761428a8bf7f0\">Mir war es unglaublich peinlich, dass die beiden mich entkleideten, aber ich konnte mich nicht dagegen wehren. Und wieso auch? Immerhin befand ich mich quasi in \u00e4rztlicher Behandlung, und es tat gut, als die alte Frau sachlich und routiniert begann, meine Blessuren zu reinigen und mit wohltuenden Tinkturen und Salben zu behandeln. Isans Aufgabe bestand im Wesentlichen darin, ihr alles anzureichen. Meine schmutzige, verschwitzte und kaputte Kleidung brachte das M\u00e4dchen zwischenzeitlich aus dem Raum, wahrscheinlich, um sie zu entsorgen. Ich hatte wenig Hoffnung, mein Zeug jemals wiederzusehen. Zum Gl\u00fcck war nichts Wichtiges in den Taschen gewesen.<\/p>\n<p data-p-id=\"150b4020fb5c078cd144dd94f731e840\">\u201eIch suche dir Gew\u00e4nder aus, wie sie dir angemessen sind&#8221;, sagte sie munter, als sie zur\u00fcckkam. \u201eVertrau mir, ich wei\u00df, was dir steht! Bist du eine Edeldame? Nein? Erinnerst du dich \u00fcberhaupt, wer du bist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ff3c51b19593039e3f225c6d6eec587b\">Ich zuckte die Achseln.<\/p>\n<p data-p-id=\"ffacfd241f39286081f969c83b513c4e\">Verta schenkte mir aus dem Krug in einen Tonbecher ein. \u201eTrink das, Liebes. Das wird dir neue Kraft geben. Und dann solltest du ruhen. Oft bringt der Schlaf die beste Heilung. Und du, Isan, h\u00f6r auf zu plappern! Sie braucht nun erst einmal viel Ruhe!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1b1fe1c0ef84f560dfe2be40c114eb5a\">Was immer sie da zusammengebraut hatte \u2013 es war genau das, was ich gebraucht hatte. Die Konsistenz war leicht z\u00e4hfl\u00fcssig und der Geschmack erfrischend salzig. Ich trank gierig und f\u00fchlte mich trotz der Schw\u00e4che wohlig und schlagartig entspannt. Die Medizin, die Verta, die \u00f6rtliche Kr\u00e4uterfrau, da gemixt hatte war k\u00f6stlich und unglaublich potent.<\/p>\n<p data-p-id=\"a7f54ce873df095b4672261f59344e23\">Innerhalb von Augenblicken schlief ich ein. Diesmal ganz ohne verst\u00f6rende Tr\u00e4ume.<\/p>\n<p data-p-id=\"4100cd786279a8ed7de8d8d1be25c08e\">Ich bemerkte nicht, wie die beiden ihr Zeug einpackten und mich allein zur\u00fccklie\u00dfen. Ich wei\u00df nicht einmal, wie lange ich geschlafen hatte. M\u00f6glicherweise waren Tage vergangen. Als ich das n\u00e4chste Mal die Augen \u00f6ffnete, war es jedenfalls drau\u00dfen dunkel geworden. Offenbar brach die Abendd\u00e4mmerung herein. Auf dem Tischchen stand nun eine Schale Obst, Brot und ein Krug mit etwas, das sich sp\u00e4ter als ein herbes, schwaches Bier erwies. Und noch etwas war neu. Die Holzwanne war nun mit warmem, duftendem Wasser gef\u00fcllt. Offenbar erwartete man, dass ich baden sollte. Nun, sicherlich roch ich nicht besonders angenehm, nachdem ich tagelang nicht geduscht hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"293068aee65a2361ad0cb516d4dd2064\">Ich versuchte, mich zu erheben, und meine erste Euphorie schwand schlagartig. Es gelang mir immer noch nicht, l\u00e4nger als zwei Schritte auf den Beinen zu bleiben. Dann sank ich wieder auf den Knien zusammen, und es blieb mir nichts anderes \u00fcbrig, als auf allen Vieren weiter zu kriechen. Aber die Aussicht auf ein Bad spornte mich an. Die Wanne mit dem warmen Seifenwasser war mehr als verlockend. Ja, ich freute mich darauf, mich nach all der langen Zeit einmal richtig s\u00e4ubern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"63b6077988b6662681c0f55677e7e6b3\">Ohne lange nachzudenken, kroch ich hin\u00fcber zum Zuber, kletterte umst\u00e4ndlich hinein, wobei ich eine kleine \u00dcberschwemmung ausl\u00f6ste. Dann genoss ich das Bad. Eine Weile pl\u00e4tscherte ich entspannt vor mich hin und ertappte mich bei dem Gedanken, ob ich mich nicht hier auf der Burg wohlf\u00fchlen k\u00f6nnte. Alle Menschen, die mir bis jetzt begegnet waren, waren freundlich gewesen. Hier gab es niemanden, der kein Gesicht hatte, niemanden, der bedrohlich wirkte oder finstere Pl\u00e4ne zu verfolgen schien.<\/p>\n<p data-p-id=\"e177ef9ed0f3e46bd7710dd34b75bcfc\">Vielleicht war dies ein guter Ort. Ein Ort, an dem es sich aushalten lie\u00df. Ein Ort&#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"af39605b792cb0c75dff1dac648024a0\">Ich schaute genauer hin. Das Gem\u00e4lde an der Wand zur Kopfseite des Bettes hatte ich noch gar nicht bemerkt. Wahrscheinlich lag das daran, dass es nicht in so strahlenden Farben gemalt war wie jenes schreckliche Riesenbild in der Halle. Vielleicht war es das r\u00f6tliche Abendlicht, das die bereits etwas verblassten Figuren an der Wand nun erst f\u00fcr meine Augen richtig sichtbar machte.<\/p>\n<p data-p-id=\"fcfdf6b8716f65705c1e7c6cea9146ae\">Es war eine Trauerszene. Im Vordergrund war eine offensichtlich tote, weil kreidebleich dargestellte Frau zu sehen. Sie war umringt von Figuren, die mutma\u00dflich ihren Mann und ihre Kinder darstellen sollten. die gramerf\u00fcllt ihren Tod beweinten.<\/p>\n<p data-p-id=\"270ce64ae43a5768e1a641d3b40ff084\">Und \u00fcber die Tote gebeugt, im Zentrum des Bildes, da war ein junger Mann mit einem blauschwarzen Schwert, der milde zu ihr hinab blickte und ihr einladend seine Hand entgegen streckte.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a8f6929690d52fddd0a03e40070e720\">Einem Mann mit genau solchen roten Gew\u00e4ndern und demselben Schwert war ich erst k\u00fcrzlich begegnet.<\/p>\n<p data-p-id=\"33604d5dc4e343655525ead4c7d1b885\">Die Verstorbene l\u00e4chelte erl\u00f6st zu ihm zur\u00fcck.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/schattenherz-oder-die-ergaenzte-seele-band-1\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-2054","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-01_schattenherz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2054","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2054"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2054\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3854,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2054\/revisions\/3854"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2054"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2054"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2054"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}