{"id":2053,"date":"2025-08-24T19:35:03","date_gmt":"2025-08-24T17:35:03","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2053"},"modified":"2025-09-01T09:42:20","modified_gmt":"2025-09-01T07:42:20","slug":"016-isan-hat-viel-zu-erzaehlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/24\/016-isan-hat-viel-zu-erzaehlen\/","title":{"rendered":"016: Isan hat viel zu erz\u00e4hlen"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SH_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1991\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"469eea33b7bbeb38516c148f48d238d6\">Yalomiro hatte den Tag im Verborgenen verbracht. Er hatte aus dem Schutz eines Baumwipfels beobachtet, wie zun\u00e4chst einige Bauern aus der Gegend aufgetaucht waren und mit Best\u00fcrzung und Ratlosigkeit den bizarren Schaden begutachteten, den der Absturz eines ungebremsten Drachenk\u00f6rpers verursacht hatte. Das Ereignis selbst hatte, den M\u00e4chten gedankt, mitten in der Nacht niemand beobachtet. Aber <em>geh\u00f6rt<\/em> hatten sie es nat\u00fcrlich, und nachdem es hell genug war, kamen sie vorsichtig her, um herauszufinden, was geschehen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"c1ce7a786dfe74e2a3b4ac93da38ec4f\">Yalomiro seufzte. Eine Gruppe starker Faghasien hatte seinen Fall abgefangen. Die traurigen, zersplitterten Reste lagen links und rechts der Furche, die der gro\u00dfe K\u00f6rper in den schweren Boden gegraben hatte. W\u00e4ren die B\u00e4ume nicht gewesen, w\u00e4re er vermutlich bis tief in das wogende Getreidefeld jenseits des W\u00e4ldchens geschlittert und h\u00e4tte damit den Unkundigen guten Grund zu <em>berechtigtem<\/em> Zorn gegeben. Der Schattens\u00e4nger nahm sich vor, die niedergerissenen B\u00e4ume zu ersetzen, sobald &#8230; alles Wichtigere vollendet war.<\/p>\n<p data-p-id=\"c9e7b358a987a52876576b319ba16695\">Er wartete. Sicherlich war der <em>yarl<\/em>, den Nokt\u00e1ma just auf diesen Weg gesetzt hatte, l\u00e4ngst mit der <em>ujora<\/em> auf der Burg angekommen. Es musste Nokt\u00e1mas Wille gewesen sein, dass ausgerechnet ein Nachkomme des Hauses Althopian ihm hier begegnet war. Sie hatte ihm in ihrer Gnade einen vertrauensw\u00fcrdigen Helfer geschickt. Die <em>ujora<\/em> war in Sicherheit.<\/p>\n<p data-p-id=\"46f91b46bcfd1bf4faf7d9273515c068\">In Valvivant war die Unkundige in bester Obhut. Ganz zweifellos w\u00e4ren die Leute dort viel besser dazu in der Lage, auf ihre Bed\u00fcrfnisse einzugehen, sie zu versorgen und wieder zu Kr\u00e4ften zu bringen, ihr zumindest einen Moment der Ruhe und des Einhaltens zu gew\u00e4hren. Sie war ein magieloser Mensch. Sie ben\u00f6tigte Speise und Trank und Ruhe. Gor Lucegath w\u00fcrde sich nicht damit aufhalten, nach <em>ihr<\/em> zu suchen, wenn er einen <em>Schattens\u00e4nger<\/em> jagen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"44479ad66b074bc31a6c78428f48ce85\">Yalomiro seufzte, streckte sich zwischen den ausladenden \u00c4sten aus und h\u00f6rte dem Baum eine Weile zu. Seine Bl\u00e4tter wisperten im sachten Wind ihr Lied, ein anderes als seine ernsthaften, erhabenen \u00d6lb\u00e4ume im Boscarg\u00e9n. Dieser Baum wusste nicht, dass ganz in der N\u00e4he seine Gef\u00e4hrten gef\u00e4llt worden waren, oder vielmehr: Er nahm es v\u00f6llig im Moment verhaftet hin, so wie ihn selbst jederzeit ein Blitz oder ein Sturm w\u00fcrde umrei\u00dfen k\u00f6nnen. Er war mit sich zufrieden, mit dem Boden, in dem seine Wurzeln nach Wasser tasteten, mit der Sonne und der klaren Luft. Der <em>camat&#8217;ay<\/em> l\u00e4chelte, tastete nach der Rinde und schloss die Augen. Dieser gutgelaunte Baum h\u00e4tte der Unkundigen sicher gefallen, wenn sie sein Lied h\u00e4tte verstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5574259f0738a978ef172e8ec4684ad3\">Die Unkundige &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a223f96c77daa2ff8a9fb60e0267b24\">Es war &#8230; <em>unangenehm<\/em>, dass sie nicht mehr bei ihm war.<\/p>\n<p data-p-id=\"393d7983220f9ab5208c3f2ee0d55f3e\">Noch mehr Menschen zu Fu\u00df und zu Pferd kamen, um die St\u00e4tte der schleierhaften Verw\u00fcstung zu bestaunen. Die meisten priesen die M\u00e4chte, dass niemand zu Schaden gekommen war. Das war das Wichtigste. Was die B\u00e4ume gef\u00e4llt hatte wusste man nicht zu sagen, aber um ihre verwirrten Gem\u00fcter zu beruhigen, malten sie sich Erkl\u00e4rungen aus. Aus einem der Gro\u00dfd\u00f6rfer reisten im Laufen des Tages sogar zwei <em>forscoray<\/em> an, die viele gelehrte B\u00fccher kannten und unter den Leuten gro\u00dfes Ansehen genossen. Sie brachten zwar widerstreitende Ideen in die K\u00f6pfe, eine verirrte Sturmb\u00f6e, die die T\u00e4ler des Montaz\u00edel geb\u00fcndelt hatten, ein Zucken der Erde nach einem unterirdischen H\u00f6hleneinsturz, das Werk von sehr hungrigen Holzameisen &#8230; aber all das war beruhigender als ein gro\u00dfer Schrecken aus den Bergen. Oder ein Drache. Schlie\u00dflich waren Drachen &#8230; absurd. M\u00e4rchen. Dinge, die sich <em>b\u00e1chorkoray <\/em>ausdachten.<\/p>\n<p data-p-id=\"fdced38de66b9a3bde4d1e7d2f5a24d4\">Am sp\u00e4ten Nachmittag erschien ein berittener Gesandter aus Valvivant. Allerdings, das hatte der Magier den diskret belauschten Gedanken des Mannes entnommen, war er <em>nicht nur<\/em> wegen des zertr\u00fcmmerten W\u00e4ldchens gekommen. Er hatte nach Schattens\u00e4ngerspuren gesucht. Das schien dem <em>teirand<\/em> sehr wichtig zu sein. Der Dienstmann von Benjus von Valvivant war latent nerv\u00f6s. Er hatte offensichtlich bef\u00fcrchtet, tats\u00e4chlich auf einen <em>camat&#8217;ay<\/em> zu treffen. Nun, nat\u00fcrlich mochte <em>yarl<\/em> Althopian seine Begegnung mit ihm erw\u00e4hnt haben, warum auch nicht. Aber warum dieses &#8230; Unbehagen?<\/p>\n<p data-p-id=\"7b2981c2c74ac87df51ec612cfed95d3\">Das war seltsam. Nat\u00fcrlich, Schattens\u00e4nger waren nicht in allen <em>yarlm\u00e1lon<\/em> gern gesehen. Yalomiro konnte den Unkundigen das nicht verdenken. Nicht nach dem, was einst geschehen war und seit jeher unter widrigen Umst\u00e4nden gelegentlich vorfiel. Andererseits hatte seit Generationen kein <em>camat&#8217;ay<\/em> Menschen Anlass zur Furcht gegeben. Seines Wissens.. Aber was war geschehen, solange er selbst nicht am Weltenspiel teilgenommen hatte? Hatten sich Dinge &#8230; ge\u00e4ndert?<\/p>\n<p data-p-id=\"a7d7374bf1316071d540b580e0ba0fab\">Yalomiro staunte \u00fcber den Einfallsreichtum und die Gleichm\u00fctigkeit der Unkundigen, mit der sie alles akzeptierten, solange es dem Kopf eines Gelehrten entsprang. Ob es in der magielosen Welt der Unkundigen \u00e4hnlich war? Yalomiro h\u00e4tte sie gern danach gefragt. Aber &#8230; sie war nicht bei ihm. Sie war in Sicherheit.<\/p>\n<p data-p-id=\"822ad20b82cbbc92609be061880f648d\">Sogar der vom <em>teirand<\/em> geschickte Dienstmann schien erleichtert \u00fcber die logischen Erkl\u00e4rungen, f\u00fcr die es die Anwesenheit eines <em>camat&#8217;ay<\/em> nicht brauchte. Der Schattens\u00e4nger beobachtete, wie er ein paar Zeilen auf ein winziges St\u00fcck Papier schrieb und dies dann einer Brieftaube anvertraute, die er in einem K\u00f6rbchen am Sattel bei sich gef\u00fchrt hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"43b0e28cef56eeddb8ecfbd642ff88d4\">Der Schattens\u00e4nger blickte in das wispernde Bl\u00e4tterdach hinauf und beobachtete ein paar Singv\u00f6gel, die dort in den Zweigen nach Insekten pickten, miteinander zankten und zwitscherten.<\/p>\n<p data-p-id=\"1bcd47468857124ff416d439c31272c5\">Nie zuvor war er &#8230; <em>allein<\/em> gewesen.<\/p>\n<p data-p-id=\"6775a58573c27ad1d1b28fac96e8fea9\">Ein paar Kinder begannen derweil entz\u00fcckt, in den nun so leicht erreichbaren Baumkronen herumzuklettern. Die Bauern berieten sich, ob man die Faghasien wohl mit einem R\u00fcckepferd abtransportieren k\u00f6nne, schlie\u00dflich sei es zu gro\u00dfen Teilen feines Bauholz. So ging es eine ganze Weile. Dann zerstreuten sich die Leute nach und nach wieder.<\/p>\n<p data-p-id=\"16108f81958fa2e3de4d4634d05a83f0\">Als sp\u00e4ter die D\u00e4mmerung anbrach und die ersten Sterne erschienen, hatte der Schattens\u00e4nger in seinem Versteck eine Entscheidung getroffen.<\/p>\n<p data-p-id=\"fcadb83456fff3608f6ca4c15edf9275\">Er hatte sich zu etwas hinrei\u00dfen lassen, das die Unkundige um ein Haar ihr Leben gekostet h\u00e4tte. Er hatte, aus der Not heraus, Magie gewirkt, die selbst ein <em>ytra<\/em> nur unter besonderen Umst\u00e4nden und nach akribischen Vorbereitungen angewendet und damit immer noch ein unverzeihliches Tabu gebrochen h\u00e4tte. Sollten andere <em>camat&#8217;ay <\/em>jemals erfahren, was er getan hatte, w\u00fcrden sie ihn daf\u00fcr bestrafen. Kein Ungemach, auch nicht die h\u00f6chste Not rechtfertigte es, solche Zauber an <em>Unkundigen<\/em> zu wirken. Es war <em>theoretisches<\/em> Wissen, das <em>camat&#8217;ay<\/em> erlernten, um sich davor h\u00fcten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"8517539b736d4402d972557a52988780\">Er seufzte und schaute zum Firmament hinauf. Bei n\u00e4herer Betrachtung war es beunruhigend, dass ihm ein solcher Zauber tats\u00e4chlich gegl\u00fcckt war.<\/p>\n<p data-p-id=\"737596038b6b1ca5b4c44cac94cb0649\">Und Gor Lucegath? W\u00fcrde der ihn nun einfach ziehen lassen, beeindruckt von der Macht und <em>Gewissenlosigkeit<\/em>, die er ihm demonstriert hatte? Wohl kaum. Einen kleinen Vorsprung hatte ihm das Abenteuer verschafft. Dass nicht auch der Lichtw\u00e4chter bereits hier aufgetaucht war, lag sicher daran, dass er all seine armen Kreaturen unter Kontrolle halten und wieder zur\u00fcck in die geheimnisvolle Dom\u00e4ne <em>Pianmur\u00edt<\/em> bringen musste. Erst dann konnte er sich erneut auf die Jagd begeben. Wer konnte schon wissen, was geschehen w\u00fcrde, wenn sich einer der Ungl\u00fccklichen zu weit aus seinem Umkreis entfernte? Was war das f\u00fcr ein morbider Fluch, den der Lichtw\u00e4chter der <em>teiranda<\/em> und ihren Getreuen zugef\u00fcgt hatte? Nie zuvor hatte Yalomiro von einem solchen Bann <em>geh\u00f6rt<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"e3e1ddee749f8431103b2691cfc9ae70\">Wie man es auch betrachtete: Der Rotgewandete w\u00fcrde nicht aufgeben. Es w\u00fcrde ein langwieriges Katz-und-Maus-Spiel mit Gor Lucegath werden, aber wenn er es geschickt anstellte, konnte es ihm gelingen, den Lichtw\u00e4chter zu besiegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1b313019e5d641924963c51bc3035b02\">Warum also z\u00f6gerte er? Warum machte er sich nicht auf den Weg, soweit die Schatten ihn fortbrachten? Er war allein, musste keine R\u00fccksicht auf die Unkundige nehmen.<\/p>\n<p data-p-id=\"d0473c236f3328371a348c1010b2e92e\">Die <em>ujora<\/em> &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"048aed7c724559c9ecac903ee7ddd520\">Der Schattens\u00e4nger barg das Gesicht in seinen H\u00e4nden. Seit er die Lebendigkeit der Unkundigen in sich hinein gelassen hatte, seit seine Magie sich mit ihrem Dasein <em>vermischt<\/em> hatte, um durch seine Adern zu rinnen, hatte sich etwas ver\u00e4ndert. Es hatte <em>Spuren<\/em> hinterlassen und f\u00fchlte sich seltsam, wenn auch nicht unangenehm an. Etwa so wie ein leichtes Fieber, ein sanfter Rausch, eine subtile Euphorie, wie er sie noch nie empfunden hatte. Und W\u00e4rme. So wohltuende W\u00e4rme &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"6a7ce1a5239edb23f71abc5588fe67e8\">Er konnte nicht nach dem <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> suchen. Nicht jetzt. Nicht so. Nicht, ohne beglichen zu haben, was er ihr schuldete. Er hatte sie ausgesch\u00f6pft, um seine eigene Haut zu retten. Aber selbst die besten <em>doayray<\/em> w\u00fcrden es nicht verm\u00f6gen, das Entnommene wieder aufzuf\u00fcllen. Das konnte nur ein Magier.<\/p>\n<p data-p-id=\"7f6f0428f00ba4af5974469dab6e428f\">Aber wie? Ein unkundiger K\u00f6rper war nicht stark genug, um pure Energie zu empfangen. Es w\u00e4re viel zu gef\u00e4hrlich, es mit formloser Magie zu tun. Er ben\u00f6tigte ein Werkzeug, um die Kraft zu filtern und zu leiten.<\/p>\n<p data-p-id=\"cff7771effccc96dbc80b02ddbe812b1\">Yalomiro \u00f6ffnete seine Tasche und holte die Geige daraus hervor. Das schwarze Holz unter seinen Fingern f\u00fchlte sich angenehm glatt an. Der Schatten des Baumes war lang und dunkel im Schein der untergehenden Sonne. Der <em>camat&#8217;ay<\/em> sprang hinein und verschwand aus dem <em>teirandon<\/em> Valvivant und dem sichtbaren Weltenspiel.<\/p>\n<p data-p-id=\"b805d141364c6b5020b02d6dd7812d7f\">Musik drang zu mir, ged\u00e4mpft und aus einiger Entfernung. Es war eine fr\u00f6hliche Melodie, man erkannte Geigen und Trommeln und ab und zu das Qu\u00e4ken eines Blasinstruments. Ich horchte genauer und nahm nun auch Stimmen wahr, dumpf und beruhigend wie ein gem\u00fctliches Murmeln. Ab und zu klang es, als hantiere jemand mit Metall oder Geschirr. Alles in allem war es beinahe, als bef\u00e4nde ich mich in einiger Entfernung von einem gut besuchten Restaurant, in einem warmen Urlaubsort mit leicht exotischer Musik.<\/p>\n<p data-p-id=\"b84b98bebd479fb5a0df6fe11ee3147b\">Ich schlug die Augen auf. Nachdem ich das verst\u00f6rende Wandbild entdeckt hatte, hatte ich es eilig gehabt, den Zuber wieder zu verlassen. Ich war herausgeklettert und hatte mich zur\u00fcck zu der Liege geschleppt. Dort war mir so schwindelig geworden, dass ich mich rasch niederlegen musste. W\u00e4hrend ich mich bem\u00fcht hatte, mich m\u00f6glichst nicht zu bewegen, war ich dar\u00fcber wegged\u00f6st. Ich hatte einen verwirrend realistischen, wenn auch wenig spektakul\u00e4ren Traum damit verbracht, in meinem Keller in zwischen den Ravioli-Konserven in den Regalen nach einem USB-Stick f\u00fcr die Uni zu suchen.<\/p>\n<p data-p-id=\"05527e9c225a929981b615f99aeb9287\">Jemand hatte mich f\u00fcrsorglich mit einem weichen Laken zugedeckt.<\/p>\n<p data-p-id=\"268cb58d31155edb517f443519db0c65\">Es war schummrig. Im Raum leuchteten nun einige Kerzen in hohen Gef\u00e4\u00dfen aus dickwandigem Glas. Das M\u00e4dchen Isan sa\u00df auf einem Kissen auf der Fensterbank und horchte. Eines der Lichter stand direkt neben ihr, so dass ich ihr ansehen konnte, dass sie gerne woanders gewesen w\u00e4re, wahrscheinlich bei der tafelnden Gesellschaft, deren Ger\u00e4uschkulisse in das Zimmer drang.<\/p>\n<p data-p-id=\"0fd3e27a10e3184ad0be3a445d4949a7\">Als sie bemerkte, dass ich wieder wach war, brachte sie ihre Miene rasch in Ordnung und l\u00e4chelte.<\/p>\n<p data-p-id=\"c1dbd4a9ec034aabf8cb819ca8977bf4\">\u201eDu verpetzt mich doch nicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dd272498b9cb2b9039351ca437f52033\">\u201eWeshalb denn?&#8221;, fragte ich und h\u00e4tte mir am liebsten sofort die Zunge abgebissen. Das st\u00e4ndige Hin und Her aus traumlosem Schlaf und Ersch\u00f6pfung machte unaufmerksam.<\/p>\n<p data-p-id=\"038f69622a2dced1716547916f09172f\">\u201eDu h\u00e4ttest nicht allein in den Bottich steigen sollen. Ich war nur noch ein paar T\u00fccher holen, aber dann habe ich beobachtet, wie der <em>yarl<\/em> Althopian und die \u00e4ltere von den beiden jungen <em>yarlara\u00e9<\/em> von Iva\u00e1l&#8230;&#8221; Sie unterbrach sich. \u201eHast du gerade etwas gesagt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"44727e53cd299110f8da622d8e9e62ce\">Ich sa\u00df in der Patsche. Und ich war mir sehr sicher, dass es das M\u00e4dchen nur misstrauisch machen w\u00fcrde, wenn ich wieder die Stumme spielen w\u00fcrde.<\/p>\n<p data-p-id=\"4cffd140cf05c2f39d2d28ab8a3ff505\">\u201eIch&#8230; ich glaube, es geht wieder.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"49ca5d02d6af4e802dabfcb1d690da87\">Sie sprang auf und war mit einem Satz bei mir. \u201eOh, endlich! Du musst mir <em>alles<\/em> erz\u00e4hlen!&#8221;, rief sie entz\u00fcckt aus. \u201eWer bist du? Wo kommst du her? Was ist passiert? Wer &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bbc814d17578be9b36af9521ded04bbd\">\u201eAber ich erinnere mich an nichts!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3d4a65dd83a19d298819ffebd9d9be15\">\u201eOh&#8221; Sie runzelte die Stirn. \u201eAn gar nichts?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"295d3e9c7b63eba89873ca8339387714\">\u201eIch wei\u00df nicht einmal, wer ich bin&#8221;, behauptete ich und hoffte, sie sei so leichtgl\u00e4ubig, dass ich mit dieser Geschichte durchkam.<\/p>\n<p data-p-id=\"f685cc2d2eb81d29710efdac2750c2b2\">\u201eDann ist es mit deinem Ged\u00e4chtnisverlust wohl doch ernster, als Verta annimmt. Wir haben dem <em>maedlor<\/em> das Wappen auf deinem Hemd gezeigt. Er hat dieses Zeichen nie zuvor gesehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"91f8f07aacd56275bfa011114fc9c9ee\">Wappen? Ich brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass sie vermutlich das Bandlogo auf meinem alten T-Shirt meinte. \u201eDas ist kein Wappen&#8221;, sagte ich. \u201eEs ist nur ein &#8230; dekoratives Bild.<\/p>\n<p data-p-id=\"ed18731a5ed0eda8787ef457b0564a8c\">Sie sah ein wenig entt\u00e4uscht aus. M\u00f6glicherweise hatte ich ihr ein aufregendes Mysterium entzaubert. \u201eWas ist denn das letzte, an das du dich erinnerst?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"22941b48d6622700cfe2158ede3e22fb\">Was war ein g\u00fcnstiger Zeitpunkt, meine Erinnerung wieder einsetzen zu lassen? Am besten, ich blieb so nahe wie m\u00f6glich am Unverbindlichen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3d0491bef323a56daac2cd457ababae4\">\u201eIch erinnere mich, dass ein Ritter mich auf seinem Pferd durch den Wald mitgenommen hat. Und dann war ich hier.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dd2325fc8d42f56b28b35ab2ab6dda67\">\u201eIch beneide dich&#8221;, sagte sie zu meiner \u00dcberraschung. \u201e<em>Yarl<\/em> Althopian ist&#8230; nun, die <em>yarlara<\/em> scheint sich Hals \u00fcber Kopf in ihn verliebt zu haben. Ich habe die beiden beobachtet, wie sie sich heimlich in der Halle <em>Blicke<\/em> zugeworfen haben. Wei\u00dft du, ihre Mutter, die <em>eld<\/em>&#8211;<em>yarlara<\/em> von Iva\u00e1l ist mit ihrem Gefolge schon eine Weile hier und ich habe keine der Damen noch nie auch nur l\u00e4cheln gesehen. Ich glaube, in Iva\u00e1l halten die Edlen es f\u00fcr unz\u00fcchtig, zu l\u00e4cheln. Die <em>f\u00e1njula\u00e9<\/em> in ihrer Gefolgschaft sind da ganz anders, die sind lustig und &#8230; Jedenfalls: Sie hat Herrn Wa\u00fdreth zugel\u00e4chelt, ganz bestimmt! Und er hat es auch gesehen, er ist n\u00e4mlich err\u00f6tet! Nat\u00fcrlich ist der <em>yarl<\/em> viel zu besch\u00e4ftigt, solange er mit dem<em> teirand<\/em> in einem Raum ist, aber ich glaube, sobald die beiden sich allein begegnen &#8230;&#8221; Sie seufzte ergriffen. Ein deutliches Bedauern schien darin mitzuschwingen, wahrscheinlich dar\u00fcber, dass der gutaussehende Ritter f\u00fcr sie selbst unerreichbar und zudem viel zu alt war. Das schien sie aber nicht davon abzuhalten, ihn anzuschw\u00e4rmen wie in meiner Welt Teenie-M\u00e4dchen einen angesagten Popstar.<\/p>\n<p data-p-id=\"c59e0ea81a381c65add190dc6da3fda3\">Ich selbst lernte aus dieser kleinen Episode Hoftratsch auch eine Menge. Isan war eine Plaudertasche. Ich musste Acht geben, was ich selbst ihr erz\u00e4hlte. Au\u00dferdem schien sie eine gef\u00e4hrlich scharfe Beobachtungsgabe zu haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"2aa4f4668e18fad97161b5d022d4bb21\">\u201eWer bist du?&#8221;, fragte ich sie. \u201eBist du auch eine <em>yarlara<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d2fb5fcfe13714ade299df7ddc06861b\">Sie schaute mich verbl\u00fcfft an und begann zu kichern. Es dauerte einen Moment, bis sie wieder reden konnte, so ulkig schien sie meine Frage zu finden.<\/p>\n<p data-p-id=\"3f5a219b692ce7a1ab3a8b8557dcf043\">\u201eNein, nicht doch. Meine Leute sind Feldbauern, seit vielen Generationen. Aber meine Gro\u00dfmutter meinte, ich h\u00e4tte ein Talent zur Heilerin. Ich soll hier lernen. Ich bin vor sieben Sommern nach Valvivant gekommen. Geboren bin ich in einem Dorf westlich von Virhav\u00e9t.&#8221; Sie wartete aufmerksam und erg\u00e4nzte, als ich kein Verst\u00e4ndnis zeigte: \u201eDas ist im Norden, am Meer. Du hast doch von Virhav\u00e9t geh\u00f6rt?<\/p>\n<p data-p-id=\"cba3055eb98706ec36c9317e50d6a009\">Ich sch\u00fcttelte also den Kopf.<\/p>\n<p data-p-id=\"5d360f4e6d93bae41f8f334ef3050f81\">\u201eOh je.&#8221; Nun schaute sie wieder mitf\u00fchlend drein. \u201eDu bist ja, als w\u00e4rest du gerade eben geboren. Wer deine Eltern sind, wei\u00dft du dann wahrscheinlich auch nicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6ecc16e69cfbf32326ad24357ceaa3e1\">Doch, das wusste ich. Aber was ich dazu zu sagen hatte, h\u00e4tte Isan sicherlich erst recht nicht begriffen. Ich zuckte unverbindlich die Achseln.<\/p>\n<p data-p-id=\"b27c7ab6fc3d33bee52a93c9ee218e85\">Sie blickte sich um, neigte sich vor und fl\u00fcsterte dann verschw\u00f6rerisch:\u201eErinnerst du dich&#8230; an den<em> Schwarzmantel<\/em>? An den, der dich gefunden hat?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2badc1e842383e0e8b6efc58620c77c6\">Nein. Dass ich Yalomiro kannte, durfte sie erst recht nicht wissen. \u201eDa war ein Mann mit schwarzer Kleidung und einem Hut. Mehr wei\u00df ich nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"35d1758c407c41be1e2ceb283ea3b7d5\">Isan setzte sich auf die Kante der Liege und musterte mich aufgeregt. \u201eDu kannst dich <em>gar kein bisschen<\/em> an ihn erinnern?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"456b95e59f4b6049cc5af528c6983554\">\u201eNein&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dc4ba19afe105fa497f42a194731cb06\">\u201eDann hat er dich um den Verstand gebracht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"887cbdddd2d6a8f1bf620138da66f40f\">\u201eNein! Ich meine &#8230; nein. Ich glaube nicht, dass er etwas damit zu tun hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b989102bec5eda657dfc07fd128b0405\">\u201eDas glaubst du! Gro\u00dfer Schrecken aus den Bergen&#8230; pah! Wahrscheinlich war er es selbst, der den <em>halben Wald<\/em> in Tr\u00fcmmer gelegt hat! Den Schwarzm\u00e4nteln ist alles zuzutrauen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f1a3f98e4b6f3172fd98b1f4284365c6\">Sie ahnte nicht, wie nahe sie mit dieser Vermutung an der Wahrheit war, aber ich konnte nicht wissen, was f\u00fcr eine Geschichte Yalomiro dem <em>yarl<\/em> aufgetischt hatte. Also blieb ich stumm.<\/p>\n<p data-p-id=\"ddccebc0faa539cbad0ed40150389bc4\">\u201eUnd er wollte dir wirklich nicht an deine Tugend?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a65ba802a4f1cd01b9afe4bc20a1563e\">\u201eWie bitte?&#8221;, fragte ich, wohl etwas zu entsetzt.<\/p>\n<p data-p-id=\"2a497dc3b875bdfb928dd4126d3cdc83\">Isan r\u00e4usperte sich. \u201eAch, nichts &#8230; ich dachte nur. Verta \u2013 das ist die alte <em>doayra, <\/em>bei der ich lerne \u2013 sagte, der Gesandte habe nur einen Forstschaden festgestellt, aber die Leute ringsum haben nichts gesehen oder geh\u00f6rt. Vorgestern Abend standen die B\u00e4ume jedenfalls noch, daf\u00fcr gibt es Zeugen. Vielleicht warst du zur falschen Zeit am falschen Ort und hast den Kerl bei irgendeiner Schandtat \u00fcberrascht. Wahrscheinlich ist der <em>yarl<\/em> gerade rechtzeitig gekommen, um dich vor ihm zu retten.&#8221; Sie seufzte. \u201eGenau wie in den Geschichten vom Smaragdritter und der Rosendame &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"660454dbf019d75612d6809ba134e664\">\u201eGlaubst du das? Ich meine, wenn der &#8230; Schwarzmantel etwas zu vertuschen h\u00e4tte, dann h\u00e4tte er sich doch mit dem <em>yarl<\/em> nicht abzugeben brauchen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e7fc8ce8061aea3aa09201c48cd1cb0b\">Isan schaute sich erneut um, als f\u00fcrchte sie, es k\u00f6nnte jemand mith\u00f6ren. Dann neigte sie sich zu mir und wisperte: \u201eEs hei\u00dft, die Herren von Althopian h\u00e4tten ein uraltes B\u00fcndnis mit den Schwarzm\u00e4nteln, das diese selbst nicht zu brechen wagen! Kein Schwarzmantel darf jemals einem Mitglied des Hauses Althopian Schaden zuf\u00fcgen, erz\u00e4hlt man sich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5f33da49654b85451d041fc6c7228fee\">Das war interessant. Aber was es mit diesem seltsamen Verh\u00e4ltnis zwischen Schattens\u00e4ngern und einem hiesigen Adelsgeschlecht auf sich hatte, w\u00fcrde ich vorerst wohl nicht herausfinden. Was mich viel mehr beunruhigte, war, dass Schattens\u00e4nger offenbar alles andere als einen guten Ruf hatten. Das war hier, jenseits der Berge, wohl \u00e4hnlich wie in dem Bergarbeiterdorf in der N\u00e4he des Waldes, in dem die mystische Weihest\u00e4tte stand. Ob das alles mit dem imposanten Schlachtengem\u00e4lde in der Halle zu tun hatte? Wenn die Burgbewohner so viel Aufwand in das Kunstwerk investiert hatten, dannmusste es ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte dieser Kultur sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a2ac31ac31ca597ad0da1f61d69aa42\">Allerdings konnte ich Isan schlecht danach fragen. Ich hatte sowieso schon viel zu viel mit ihr geredet, und besonders \u00fcberzeugend als neugeborenes Amnesie-Opfer war ich auch nicht mehr.<\/p>\n<p data-p-id=\"36915dedbdf57f00ce937481e1112833\">\u201eIsan&#8230; wo bin ich hier? Muss ich hier in diesem Zimmer bleiben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b18ed621a1d409fd8c72d34cf8a91b00\">\u201eNein, nat\u00fcrlich nicht. Wenn du morgen soweit gekr\u00e4ftigt bist, dass du in die Halle gehen kannst, wird der <em>teirand<\/em> dich der Sitte gem\u00e4\u00df in seinem Haus begr\u00fc\u00dfen. Du musst dich nicht zieren. Benjus von Valvivant ist ein g\u00fctiger, gro\u00dfherziger <em>teirand<\/em>. Vielleicht kommt deine Erinnerung zur\u00fcck, wenn du dich umschaust. Und sicher willst du Herrn Wa\u00fdreth f\u00fcr deine Rettung danken.&#8221; Sie z\u00f6gerte und fragte dann begehrlich: \u201eDarf ich mitkommen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a9d18b7b0ae8a2a494f69c24958274e9\">Das M\u00e4dchen schien wirklich hingebungsvoll f\u00fcr den Ritter zu schw\u00e4rmen. Eventuell konnte mir das irgendwie n\u00fctzlich werden.<\/p>\n<p data-p-id=\"946f070222edef83bd44ac02f0aebd4f\">\u201eWenn das erlaubt ist, gerne. Aber daf\u00fcr musst du mir eine Frage beantworten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"627f69e6e9656a5a36d2e9d11b18d16a\">Sie nickte eifrig. Und ich setzte alles auf eine Karte. \u201eWas ist das da dr\u00fcben an der Wand f\u00fcr ein seltsames Gem\u00e4lde?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f2c38557e1294c3fe9a659da6fc15ab6\">\u201eDas hier ist nicht immer ein Raum der Genesung gewesen, wo eine <em>doayra<\/em> waltet. Hier war einmal ein Zimmer f\u00fcr das<em> Licht<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"75bfee8740d06b3daa8f3d24154352b4\">Ich entschied mich f\u00fcr einen fragenden Blick.<\/p>\n<p data-p-id=\"2d7c1330ab6aeaed639a00b5df1b45b1\">\u201eNa ja, in jeder gro\u00dfen Burg gab es doch einen eigenen Raum daf\u00fcr. Die Leute wurden hierher gebracht, wenn abzusehen war, dass sie hinter die Tr\u00e4ume gehen w\u00fcrden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"81a8a78e169005b6e755d3a461e6b198\">Wovon redete sie da? Versuchte sie, mit euphemistischen Worten so etwas wie ein Sterbezimmer zu beschreiben, das man zur Krankenstation umfunktioniert hatte? Und was hatte das Wandgem\u00e4lde damit zu tun?<\/p>\n<p data-p-id=\"45fe835419c2061ebe6eb0503441f647\">\u201eJa, aber&#8230; dieses Bild&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a1b2cfe217c99f2bc2318235241f75e9\">\u201eAch, das altmodische Ding&#8230; Verta sagt, das war schon da, als sie selbst ein Kind war. Sie findet es auch reichlich unpassend in einem Gemach, in dem sie Leute gesund machen soll. Der <em>teirand<\/em> will es aber nicht \u00fcbert\u00fcnchen lassen. Wahrscheinlich f\u00fcrchtet er, dass das unh\u00f6flich ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0fc7c503a27ac59d6a7301559d9334a3\">Sie erhob sich und strich sich ihren Rock glatt. \u201eBrauchst du noch etwas? Ich w\u00fcrde gern zum Essen, solange die Tafel noch nicht aufgehoben ist. Ich esse ungern die Reste in der K\u00fcche. Da ist es langweilig.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1b30654cc8a7e8af480177603516c006\">\u201eUnh\u00f6flich? Wieso unh\u00f6flich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0cf7b1c2fdb96014e745cb5023947e08\">\u201e Woher sollte der Lichtw\u00e4chter denn \u00fcberhaupt wissen, dass hier ein uraltes Bild ist? Kann ich jetzt gehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"85f44d51813c5e619c6311330c9443de\">\u201eEin &#8230; Rotgewandeter? Hier?&#8221;, fragte ich entsetzt.<\/p>\n<p data-p-id=\"5641f9422180e3340d3071eadb40b4d5\">\u201eAb und zu. Aber selten. &#8212; Nicht vergessen&#8221;, sagte Isan fr\u00f6hlich, schon halb aus der T\u00fcr heraus. \u201eIch will mit zum <em>yarl<\/em>. Geh nicht hier weg, bevor ich dich abhole. Gute Nacht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"60c56aca3405f0697ed31250bf2e3ced\">Damit war sie genauso fort wie die Ruhe und Behaglichkeit, die ich vorhin versp\u00fcrt hatte, als ich dar\u00fcber nachdachte, ob diese Burg ein guter Ort zum Leben sein k\u00f6nnte. Ich wartete einen Moment, bis sie davon war, nahm dann eines der Windlichter und ging hin\u00fcber zu dem Bild. Eine Weile betrachtete ich unbehaglich, aber doch fasziniert die r\u00e4tselhafte Szene.<\/p>\n<p data-p-id=\"c83f9e28a121912553d1685bdbc9991e\">Wieso verherrlichte dieses Kunstwerk einen &#8230; Mord? Und was bedeutete <em>ab und zu<\/em>?<\/p>\n<p data-p-id=\"d31552b10f90ff8d27100abde63a8bba\">Wie zu erwarten war, schlief ich in dieser Nacht kaum. Das mochte zum einen daran liegen, dass ich den ganzen vergangenen Tag in diesem seltsamen D\u00e4mmerzustand verbracht hatte und \u2013 vielleicht auch dank der Heilk\u00fcnste der alten Verta \u2013 nun ausgeruhter war, als mir lieb sein konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"69458741b4d171baf7b6c9417a10ec1a\">Andererseits lie\u00df Isans kryptische Bemerkung \u00fcber das Bild in mir alle Alarmglocken schrillen. Kannten die Bewohner von Valvivant Gor Lucegath? War es m\u00f6glich, dass er seinerseits gelegentlich hier auftauchte?<\/p>\n<p data-p-id=\"5e64d06758b0dd3f6a1c220808b552b1\">Ich war mir sicher, dass Yalomiro diese M\u00f6glichkeit nicht bedacht hatte. Sie machte diesen Ort, an dem er geglaubt hatte, mich unterbringen zu k\u00f6nnen, alles andere als sicher. Und vor diesem Hintergrund ergab auch Gor Lucegaths Bemerkung dar\u00fcber, dass Yalomiro sich mit Valvivant ein schlechtes Ziel ausgesucht hatte, pl\u00f6tzlich Sinn. Der Rotgewandete wusste, was hier in der Burg vor sich ging!<\/p>\n<p data-p-id=\"e65158c3c6873f9547903f11aa5e8c30\">Ich wickelte mich in das Laken, setzte mich ans Fenster und schaute hinaus. Unten im r\u00fcckw\u00e4rtig gelegenen Hof gab es einige hohe B\u00e4ume und es duftete gut und w\u00fcrzig. Wahrscheinlich befand sich dort zwischen dem Geb\u00e4ude und der hohen Au\u00dfenmauer ein G\u00e4rtchen mit K\u00fcchenkr\u00e4utern oder Blumen, die sich in der Nacht \u00f6ffneten.<\/p>\n<p data-p-id=\"ea9c516833b752b0a9267f64187e9206\">\u00dcber der Burg spannte sich ein nachtblauer, mit funkelnden Sternen \u00fcbers\u00e4ter Himmel. Grillen zirpten sanft, und ein milder Wind strich um die Mauern. Es war eine sch\u00f6ne Nacht, wie eine Fr\u00fchsommernacht wie in einem warmen Land am Meer.<\/p>\n<p data-p-id=\"5f54c6006c1369ff8d0a15b911190bb7\">War das derselbe Himmel, den ich von meiner eigenen Welt kannte? Wenn nicht \u2013 was war das hier \u00fcberhaupt? Ein anderer Planet? Eine parallele Dimension? Doch ein Traum? Oder \u2013 etwas ganz anderes?<\/p>\n<p data-p-id=\"3587108b415d289e32832f64f9d37bbb\">Die Aufregung der vergangenen Tage, diese bizarre neue Welt, hatten mich so abgelenkt, dass ich erst in diesen langen Nachtstunden Zeit fand, in Ruhe nachzudenken.<\/p>\n<p data-p-id=\"36be3019999da9ebf903aae098c6e68f\">Was immer das hier war: W\u00fcrde ich je wieder in meine eigene Welt zur\u00fcckkehren? W\u00fcrde es helfen, einfach die Augen zu schlie\u00dfen und mich so lange dieser seltsamen Umgebung und Gesellschaft anzuschlie\u00dfen, bis Yalomiro wieder auftauchte und mich zur\u00fcck zauberte? Zur\u00fcck in meine kleine Wohnung, zu meinen B\u00fcchern, meinem Alltag zwischen Gro\u00dfstadtstress und Langeweile, in mein Leben, indem ich auf irgendeinen halbwegs gut bezahlten Job und eine lange Wartezeit bis zur Rente hinstrebte?<\/p>\n<p data-p-id=\"5b6a27a90c49ea54526dd63a9d5db0f4\">Und wenn er nicht zur\u00fcckkehrte? War ich dann dazu verurteilt, f\u00fcr immer hierzubleiben? Oder zumindest so lange, bis Gor Lucegath herkam, um sich zu \u00fcberzeugen, ob das Bild noch da war?<\/p>\n<p data-p-id=\"79cf989b89447610e8a746cb45a17257\">Etwas bewegte sich unten im Hof. Es war zu gro\u00df f\u00fcr ein Tier und gab sich auch nicht allzu viel M\u00fche, leise zu sein. Aber es war zu dunkel, um zu erkennen, wer da nachts durch den Garten ging und beschwingt vor sich hin summte. Es war wohl einer der Burgbewohner, der hier seiner Wege ging und das Geb\u00e4ude umrundete. Dann war es wieder still, bis auf den Wind und die Grillen.<\/p>\n<p data-p-id=\"0741afbfb1b9f6b88ca1e3d60ad4cdb0\">Wie gern h\u00e4tte ich mich in dieser scheinbar so friedlichen Umgebung eine Weile ausgeruht. Aber mir war bewusst, dass das keine gute Idee w\u00e4re.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/schattenherz-oder-die-ergaenzte-seele-band-1\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-2053","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-01_schattenherz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2053","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2053"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2053\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3855,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2053\/revisions\/3855"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2053"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2053"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2053"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}