{"id":2052,"date":"2025-08-24T19:36:03","date_gmt":"2025-08-24T17:36:03","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2052"},"modified":"2025-09-01T09:42:40","modified_gmt":"2025-09-01T07:42:40","slug":"017-ujora-und-der-teirand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/24\/017-ujora-und-der-teirand\/","title":{"rendered":"017: Ujora und der teirand"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SH_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1991\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"38485345f579879e5f3a804b60335815\">Einem unbelebten Objekt eine magische Funktion zu verleihen war eine Kunst, die Schattens\u00e4nger exzellent beherrschten, aber nur selten anwendeten. Nachdem der Weltenschl\u00fcssel die Unkundige aus ihrer Welt entf\u00fchrt hatte, hatte Yalomiro Meister G\u00edonars Vorbehalte gegen solche Zauber verstanden. Ar\u00e1ma\u00fas Mentor war stets der Ansicht gewesen, dass es ein gravierendes Problem mit Artefakten gab: Sie konnten in die falschen H\u00e4nde fallen. Man musste sie somit st\u00e4ndig im Blick behalten.<\/p>\n<p data-p-id=\"556ad84b8702dc514a0cf24e5347c4ce\">Yalomiro hatte solche Angelegenheiten stets unbek\u00fcmmerter bewertet. Immerhin waren magische Gegenst\u00e4nde wie der Weltenschl\u00fcssel in ihrem Nutzen eingeschr\u00e4nkt. In der Regel taugten sie nur f\u00fcr einen einzigen, pr\u00e4zise definierten Zauber, bei manchen ersch\u00f6pfte dieser sich, sobald er gewirkt wurde.<\/p>\n<p data-p-id=\"044210ec350ce0fab84692df08c54da6\">Eine ganz andere Sache war es, seine <em>eigene<\/em> innere Magie einem Ding anzuvertrauen. Wenn es richtig ausgef\u00fchrt wurde, ergaben sich daraus &#8230; M\u00f6glichkeiten. Ein <em>pers\u00f6nliches <\/em>Artefakt konnte, wenn die Umst\u00e4nde es erforderten, einen gewirkten Zauber b\u00fcndeln und verst\u00e4rken, wie ein Brennglas. Es konnte Magie bewahren, f\u00fcr Momente, in denen es keine andere Wahl gab.<\/p>\n<p data-p-id=\"83f90d1609920553b2169d5b5822b194\">Ein solches Werkzeug ruhte im Eta\u00edmalon. Bevor er die Weihest\u00e4tte verlassen hatte, hatte Yalomiro sich davon \u00fcberzeugt, dass der Stab des Gro\u00dfmeisters mit dem Sternfragment unber\u00fchrt und gut verborgen an seinem Platz lag. Gor Lucegath hatte also nicht versucht, das m\u00e4chtige Schattens\u00e4nger-Artefakt an sich zu nehmen. Dass er nicht davon wusste, war unwahrscheinlich. Dass es ihn nicht interessierte, war <em>beunruhigend<\/em>. Aber es half nichts, \u00fcber die Motive nachzudenken, die den Rotgewandeten davon abgehalten haben mochten. Viel mehr besch\u00e4ftigten den <em>camat&#8217;ay<\/em> die Beweggr\u00fcnde des Lichtw\u00e4chters.<\/p>\n<p data-p-id=\"36151c96b5da67beaf7522f67048cd22\">Zweimal hatte Gor Lucegath ihn in seiner Gewalt gehabt. Beim ersten Mal war es sein, Yalomiros, eigener Hochmut, und die schiere \u00dcberraschung gewesen, die dem Rotgewandeten den Vorteil verschafft hatten, einen viel zu simplen Sieg. Doch beim zweiten Mal&#8230; was bei den M\u00e4chten, was bei der Dunkelheit, bei Nokt\u00e1ma selbst, war da mit ihm passiert?<\/p>\n<p data-p-id=\"070fb904adacf5b31df6ec111973b027\"><em>Du hast dich mit etwas eingelassen, das dich verwundbar macht.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"27bda2b9c0abc056d882cb6f51a7c950\"><em>&#8211; Wie kann es sein, dass ich in mir das Fehlen von etwas sp\u00fcre, was kein Teil von mir ist?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"fcdd9758a670d0d764c44959cb78b464\"><em>Weil du dich l\u00e4ngst damit verbunden hast.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"1bc651a20e18efb5df52f197987c0922\"><em>&#8211; In welchem Moment der Schw\u00e4che habe ich diesen Fehler begangen?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"e90362d5b6059220801ab35e9f5238f8\"><em>Was macht dich glauben, dass es ein Fehler war?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"5857e45a3b52aa362a383bce9566cbda\">Yalomiro horchte in sich hinein, so wie er es einst gelernt hatte. Damals, als er ein Kind war, der Boscarg\u00e9n lebendig und die Schatten der B\u00e4ume weich und warm. Einst, als die Magie in ihm noch war wie ein kleines Pfl\u00e4nzchen, das seine Bl\u00e4tter der m\u00e4chtigen Dunkelheit und W\u00e4rme entgegenstreckte, um die Kraft in sich aufzunehmen. Meister Ask\u00fdn hatte ihn gelehrt, auf seine innere Stimme zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p data-p-id=\"19b798e928dc20e2379474b92735e730\"><em>&#8211; Ich selbst. Ich sp\u00fcre Schw\u00e4che, die nichts mit meiner Magie zu tun hat. Ich begreife nicht, was das ist. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"dc65949995118f06c078b6909337e340\"><em>Ist es denn erheblich, dass du stets alles verstehst?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"cad2d3358d1c34ab3ac49f469871f52b\"><em>&#8211; Ich habe mir immer alles eingepr\u00e4gt, was mein Meister mich lehrte und was die Nacht und die Schatten mir anvertrauten.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"3082da7d6146ee859c44149d477fdd1a\"><em>Es gibt Dinge au\u00dferhalb der Nacht zu lernen. Das Weltenspiel ist hell und dunkel.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"8636df9f0dad983c1ca5e4a2e9cde519\">Yalomiro ging voran. Die Stimme, die zu ihm sprach, folgte ihm. Es war sein eigener Verstand, verquickt mit der Dunkelheit, der sich mit ihm unterhielt, seit der Magier in den Schattenwurf des Baumes und damit aus der Wirklichkeit, in der die Unkundigen lebten, abgetaucht war. Diese Schattenwelt, die Dom\u00e4ne, die nur <em>camat&#8217;ay<\/em> betreten konnten, war der einzige Ort, an dem dies m\u00f6glich war: seinen eigenen Schatten mit der Stimme dessen reden zu lassen, was sich dem wachen Verstand verbarg.<\/p>\n<p data-p-id=\"ebba0336c6f225a95ac8ca2b8ae817d2\">Was Yalomiro tat, war nicht ungef\u00e4hrlich. Es hatte sich mehr als einmal zugetragen, dass Schattens\u00e4nger dieses Ritual ausf\u00fchrten, ohne ausreichend darauf vorbereitet zu sein. Es hie\u00df, dass sie ruhelos in Ewigkeit immer noch durch die Finsternis wanderten und mit ihren Schatten diskutierten, ohne zu wissen, dass ihre menschlichen K\u00f6rper bereits vergangen waren. Denn nat\u00fcrlich blieb die Zeit in der Dunkelheit nicht stehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"e5a079faefcf43412f4c6d4257537606\"><em>&#8211; Sie hat sich selbst in Gefahr gebracht, um mir zu helfen, als ich wehrlos war. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"a555655a519e7e1ca03ce667347cff8b\"><em>Vielleicht hat sie es aus demselben Grund getan, den du an dir selbst r\u00fcgst.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"1db88b4c38fef471a80da3b48b778e30\"><em>&#8211; Bin ich der Erste unter meinesgleichen, dem dies widerf\u00e4hrt?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"f5eb2f852647d3a73de076656c2c7f52\">Der Schatten schwieg, so als m\u00fcsse er die Antwort von einer anderen Stelle herbeischaffen und f\u00e4nde sie nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"cfc48276951e80ee2932dd1e75bea925\"><em>Vielleicht.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"35a8c55b09c393e65f4ce358db83bc10\">Yalomiro tastete \u00fcber den Korpus seiner Geige, strich mit den Fingerspitzen \u00fcber die Saiten und z\u00f6gerte einen letzten Moment.<\/p>\n<p data-p-id=\"8841a152f0dc115fcf2bd7572f3feecb\"><em>&#8211; Werde ich mit dem, was mir vorschwebt, eine unsagbare Dummheit begehen?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"5f391e0e86ed24bb51e61c85724a668a\"><em>Tust du es denn f\u00fcr sie? Oder tust du es, um st\u00e4rker zu werden, als du bist? <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"1187bf70ad31d2e4d51dbc5b781567c5\"><em>&#8211; Ich tue es, um Magie dorthin zu bringen, wo die Kraft wirken soll. Ich wage es als Diener der Dunkelheit, einer, der allzu viel gutzumachen hat. Ich tue es, weil sie mir &#8230; wichtig ist.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"abb2925a42f0d9633e68cc95c68c7fbc\"><em>Dann tu es und flehe die M\u00e4chte an, es weise zu benutzen oder daran zugrunde zu gehen.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"cb66ad7ccb23733e181a0bdd5cf9c98a\">Der Schattens\u00e4nger atmete tief ein. Er nahm die Geige und den Bogen und umfing beides mit seinen Armen, barg es an seiner Brust, als hielte er ein Kind an seinem Herzen. W\u00e4hrend er sang, wurde er eines mit dem Klang, mit dem Holz, mit den Saiten, mit der Musik. Seine <em>maghiscal<\/em> strahlte in der Finsternis auf wie Mondlicht auf n\u00e4chtlichem Wasser.<\/p>\n<p data-p-id=\"e722c506b6a3c4ec98aa3b3eaa2b73c2\">Der Tag begann fr\u00fch in Valvivant. Kaum hatte irgendwo auf dem Burggel\u00e4nde ein Hahn gekr\u00e4ht, tauchten auch schon die ersten Leute im Garten auf. Ein kleiner Trupp von jungen Leuten schw\u00e4rmte schwatzend aus und machte sich an den Beeten zu schaffen. Vermutlich ben\u00f6tigten sie etwas f\u00fcr die K\u00fcche. Ich schaute ihnen eine Weile zu, aber sie waren viel zu konzentriert bei der Arbeit, als dass sie mich oben am Fenster beachtet h\u00e4tten.<\/p>\n<p data-p-id=\"5e9a2e5d8c31664a688c408996229f8a\">Kurz darauf erschien Verta, mit Isan im Schlepptau. Das M\u00e4dchen hatte einen Krug mit duftendem Seifenwasser bei sich und einen Korb. Zuoberst darin lag ein Stapel aus cremefarbenem Stoff.<\/p>\n<p data-p-id=\"79822a3f92789b675dd294280616d28b\">\u201eGeht es dir gut, Liebes?&#8221;, fragte die alte Frau freundlich. \u201eBist du wieder bei Kr\u00e4ften?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7d768e6961c1931ab0edcdd15de79a93\">Ich z\u00f6gerte. Verta l\u00e4chelte \u00fcber ihr g\u00fctiges Omagesicht. \u201eIsan hat mir gesagt, dass du die Sprache wiedergefunden hast.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8c5c9d3690c745ff5bfb7055fee7cda0\">\u201eIch f\u00fchle mich gut&#8221;, antwortete ich und \u00e4rgerte mich \u00fcber Isans Indiskretion. \u201eAllerdings wei\u00df ich immer noch nicht, wer ich bin. Oder was geschehen ist, bevor <em>yarl<\/em> Althopian mich gefunden und hergebracht hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c28eb2e5759136f0110bd3893179405b\">\u201eDas ist kein Wunder&#8221;, sagte Verta. Dabei umkreiste sie mich mit kritischem Blick, legte mir die Hand auf die Stirn blickte und mir schlie\u00dflich durchdringend in die Augen, vermutlich, um Anzeichen auf ein Krankheitssymptom zu finden. \u201eDu w\u00e4rest nicht die erste <em>f\u00e1njula<\/em>, der ein Schwarzmantel, die M\u00e4chte m\u00f6gen sie ein f\u00fcr alle Mal ausmerzen, den Verstand verw\u00fcstet hat. Der <em>teirand<\/em> wird Boten den Auftrag geben, in den umliegenden <em>yarlm\u00e1lon<\/em> herauszufinden, ob man dich irgendwo vermisst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d28729688ae7b620852a4c3c3f4069ae\">\u201eWahrscheinlich&#8221;, f\u00fcgte Isan hinzu und breitete das Gewand auf der Liegest\u00e4tte aus, \u201ewarst du mit irgendeinem Anliegen unterwegs hierher und bist dann zur Unzeit in den Bannkreis des Schwarzmantels geraten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bc6000a7880ac1bf5a3041db156c4c49\">\u201eMeint ihr?&#8221;, fragte ich so vage, wie es m\u00f6glich war.<\/p>\n<p data-p-id=\"f1a6d03bbcb35933586c67b317790183\">\u201eWer wei\u00df schon, was der Unhold vorhatte, als ihn entweder seine eigene Schandtat oder das Kommen des hochedlen <em>yarl<\/em> daran gehindert hat, es zu vollenden.&#8221; Verta war zufrieden mit ihrer Visite. \u201eIch denke, du bist wieder so weit hergestellt, dass du vor den <em>teirand<\/em> treten kannst. Wasch dich und zieh dich um.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"afeb9f3f0e2698306fdb9a614d09198a\">\u201eSchau, das hab ich f\u00fcr dich aus der Schneiderei ausgesucht. Es m\u00fcsste dir genau passen. Es ist die neueste Mode! Die Schuhe bringe ich dir gleich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ae9f7a9eece70f95e3c6100307ac086f\">\u201eDanke. Das ist sehr freundlich von euch. Aber&#8230; was soll ich dem <em>teirand<\/em> sagen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b72e99a54618975dcf09b34fed99e08d\">Verta l\u00e4chelte g\u00fctig. \u201eKeine Sorge, Liebes, du musst nicht verlegen sein. Der <em>teirand<\/em> wei\u00df von deinem Zustand. Er wird dir keine schwierigen Fragen stellen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"56e81a2575e61abc2b6c80da70d60081\">\u201eMach mir einfach alles nach&#8221;, empfahl Isan harmlos. \u201eIch begleite dich nat\u00fcrlich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"93a2e50e123461cc1b71e113e72eab5e\">\u201eIsan&#8221;, mahnte Verta, \u201ees ziemt sich nicht, dass du ohne Anlass in der Halle bist, wenn der <em>teirand<\/em> G\u00e4ste empf\u00e4ngt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fbc5c3ba20e0f4478eab2446230fbb46\">\u201eIch habe doch einen Anlass. Oder soll sie ganz allein vor unseren Herrn treten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"507f544298206514052d4e3915b9cbb1\">\u201eIch bin die <em>doayra<\/em>, Isan. Das ist meine Aufgabe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a50fbd4f01b66296ae2c2e0fe57a471e\">\u201eAber&#8230;&#8221; Isan warf mir einen hilfesuchenden Blick zu. \u201eAber es ist <em>wichtig<\/em>!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fa167850dceaf5488c303bca9ec5f488\">\u201eDann musst du mit dem <em>mynstir<\/em> eine eigene Audienz absprechen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dc4407b31d236cab5c36072ba60c25af\">\u201eAls ich das letzte Mal bei <em>yarl<\/em> Tjiergroen war, hat er mich ausgelacht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f1d3af2baedf66476f70ac0729582854\">\u201eDann wird er wohl seinen Grund gehabt haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bf58285eb6216844a9871a43360edf77\">\u201eAber&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"11c9e3b44ed5cedc5039ffa195db58b0\">\u201eSchluss jetzt, Isan. Geh und besorgt die Schuhe. Sie kann sich beim <em>teirand<\/em> nicht barfu\u00df sehen lassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4e3aee4c002346b741c0860d70303308\">Isan seufzte dramatisch. Dann wandte sie sich wortlos um und stiefelte aus dem Zimmer. Am liebsten, so schien es, h\u00e4tte sie dem Waschkrug dabei einen Tritt versetzt.<\/p>\n<p data-p-id=\"57badb2df6a04b9c40361170cc063b5c\">Ich wurde aus dem Gespr\u00e4ch nicht schlau, Verta hingegen schien diese Diskussion regelm\u00e4\u00dfig zu f\u00fchren und lie\u00df sich nicht aus der Ruhe zu bringen.<\/p>\n<p data-p-id=\"d9c55ab90464ff2bd339cd5dd12bd4fd\">\u201eIch glaube, sie will gar nicht zum <em>teirand<\/em>&#8220;, sagte ich.<\/p>\n<p data-p-id=\"ae27da2726e697bc8c55488ebff756ca\">\u201eOh, das wei\u00df ich. Seit der hochedle Wa\u00fdreth Althopian hier ist, ist ihr der Kopf ganz verdreht. Sie lauert auf jede Gelegenheit, seiner ansichtig zu werden. Aber ich sage immer: Wenn das Weltenspiel etwas anderes mit dem Kind vorhat als seine Eltern, muss es den Weg schon selbst finden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"26c3ad04d3c75929f8cf44f1520ff428\">\u201eIch verstehe zwar nicht, was sie vorhat, aber anscheinend arbeitet sie dann doch schon eine ganze Weile daran. Ist das nicht genug?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e8909789aafaaac1ed8e0687cd5a73f1\">Verta l\u00e4chelte warmherzig.<\/p>\n<p data-p-id=\"c2419ad23c8b967e75917db9651a8a5e\">\u201eEs t\u00e4te mir einfach leid, sie zu verlieren. Das M\u00e4dchen hat viel Talent. Und nun wasch dich und zieh dich an. Der <em>teirand<\/em> will noch am Vormittag mit den <em>yarlay<\/em> aufbrechen. Wir sollten das nicht zu lange verz\u00f6gern. Er erwartet dich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e1621b335b09a82683ec3cbef9ee7290\">Sie goss von dem Wasser in die Waschsch\u00fcssel. Offenbar war dies eine Welt, in der h\u00f6chster Wert auf Hygiene gelegt wurde. Das erstaunte mich angenehm.<\/p>\n<p data-p-id=\"fa06870407799e2d4328b33acc544473\">Ich wusch mich und r\u00e4tselte derweil \u00fcber dem Gewand. Der Stoff war federleicht und weich, ohne gr\u00f6\u00dfere Verzierungen oder Details. Aber wie um alles in der Welt zog man das an? War es ein Kittel, eine Art Mantel oder ein sehr langer Rock? Jedenfalls bestand es aus mehreren Teilst\u00fccken, die am Ende wohl durch einen G\u00fcrtel zusammengebracht wurden.<\/p>\n<p data-p-id=\"c8f2eef2e5d80e6cac665dea198e7764\">Verta bemerkte meine Verwirrung und beobachtete mich einen Moment schweigend.<\/p>\n<p data-p-id=\"938ee7c685c2d8baac601279519d9c43\">Um mir keine Bl\u00f6\u00dfe zu geben, griff ich nach dem erstbesten Teil, an dem ich \u00c4rmel vermutete und versuchte, hineinzuschl\u00fcpfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"b72140112ee3c8847e7e0c5b890534cb\">In diesem Moment kam Isan mit weichen Schlupfschuhen aus Leder zur\u00fcck und stutzte ebenfalls. \u201eWas machst du da?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"14b74af2cc8efccb294e27a4318cfb33\">\u201eEs scheint, dass die \u00c4rmste vergessen hat, wie man sich der Ordnung nach kleidet. Kein Wunder, demnach, was sie zuvor am K\u00f6rper zu tragen hatte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b31cdc5d9c58817d03ce61dd93ccd088\">\u201eBei den M\u00e4chten, es ist doch ganz einfach.&#8221; Das M\u00e4dchen lie\u00df die Schuhe fallen, zog mir den Stoff von den Schultern, warf ihn \u00fcber einen Stuhl und hielt mir ein anderes St\u00fcck hin. \u201eDas hier&#8221;, erkl\u00e4rte sie kichernd, \u201eist die Vorderseite.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"23d0eecc665e085462e5aaa51c41521b\">Ich folgte ihren Instruktionen und versuchte, mir alles genau einzupr\u00e4gen. Tats\u00e4chlich f\u00fcgte sich eines zum anderen, und nach wenigen Minuten trug ich mein erstes Gewand nach der Gepflogenheit dieser Welt. \u00c4rmel und das Unterteil waren sehr weit geschnitten, sodass sich \u00fcberraschend viel Stoff um meine Beine und Arme schmiegte. Ein breiter G\u00fcrtel geh\u00f6rte dazu, an dem sogar ein T\u00e4schchen aus einem \u00e4hnlichen, samtigen Stoff befestigt war. Tats\u00e4chlich hatte nie zuvor etwas Bequemeres am Leib getragen.<\/p>\n<p data-p-id=\"6d29033f540d566af4447ad2ce5b6e97\">\u201eJa&#8221;, sagte Verta und nickte zufrieden, \u201eso kannst du vor dem <em>teirand<\/em> erscheinen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a58d07f5d46ea39128ec9064f36cf907\">Isan schaute mich an. Ihr Blick flehte: Sag was!<\/p>\n<p data-p-id=\"769e94674e1b7f3d99d53910b7d05c50\">\u201eUnd wenn ich dich darum bitte, Isan mit mir gehen zu lassen?&#8221;, fragte ich Verta.<\/p>\n<p data-p-id=\"f6d0ae3b18acce1197523cdc9da73956\">Die alte Frau schaute mich verwundert an.<\/p>\n<p data-p-id=\"7a7394734a3d16d32397700a0313602c\">\u201eBitte&#8221;, f\u00fcgte ich eilig hinzu. \u201eIch wei\u00df, dass eigentlich du daf\u00fcr zust\u00e4ndig bist und all das, und ich will dich auch gar nicht kr\u00e4nken, aber &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3e65bd81c3dc876cc5fded75c0117f44\">Verta schwieg auffordernd.<\/p>\n<p data-p-id=\"a07a0119b1c4d91a1ec68febbb66f830\">\u201e&#8230; ich &#8230; ich glaube, irgendetwas an Isan erinnert mich an etwas, das ich aus &#8230; aus meinem Leben erkenne. Ich bin ganz nahe daran, dass es mir wieder einf\u00e4llt. Vielleicht entsinne ich mich, wenn sie den Tag \u00fcber bei mir bleibt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1ee47e1188e53a560dc5230efd8619ed\">Die alte Heilerin runzelte die Stirn, nicht erbost, eher misstrauisch. Dann warf sie einen scharfen Blick zu dem M\u00e4dchen hin\u00fcber.<\/p>\n<p data-p-id=\"1c68f0973445a315d8a31f41f3657909\">\u201eKeine Aufdringlichkeiten gegen den <em>yarl<\/em>&#8220;, beschied sie. \u201eDu nimmst alles hin, was er dir sagt, sollte er \u00fcberhaupt mit dir reden. Kein Wenn und Aber, kein Trotz. Und ich will keine Klagen von Herrn<em> L\u00e9ur<\/em> oder, m\u00f6gen die M\u00e4chte mich davor bewahren, vom <em>teirand<\/em> h\u00f6chstselbst h\u00f6ren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"06bd042597795ff6df18b6ed909d2c88\">F\u00fcr den Bruchteil einer Sekunde grinste Isan triumphierend \u00fcber das ganze Gesicht. Dann hatte sie sich wieder unter Kontrolle und senkte artig den Kopf.<\/p>\n<p data-p-id=\"67a77bfbd1594a8944de26252fb417c6\">\u201eIch kann nicht ganz bei Trost sein&#8221;, murmelte Verta und begann dann, in ihren Arzneischr\u00e4nken herum zu r\u00e4umen. Uns ignorierte sie. Ich streifte mir die Schuhe so schnell wie m\u00f6glich \u00fcber, bevor Isan vor Entz\u00fccken die Fassung verlieren konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"5e325655bf23f204990b4c96eea92ff2\">Im Saal im Erdgeschoss des Burggeb\u00e4udes war es angenehm k\u00fchl. Durch die hohen Fensterb\u00f6gen an der L\u00e4ngsseite, die mit den Arkaden drau\u00dfen verschmolzen, fielen geb\u00fcndelte Sonnenstrahlen, Staubk\u00f6rnchen tanzten in den Lichtkegeln. Der Fu\u00dfboden, das bemerkte ich, als wir durch die T\u00fcr an der Stirnseite des Saales eintraten, war mit gro\u00dfen, sandfarbenen Steinplatten ausgelegt, die eine Marmorw\u00f6lkung zeigten, aus der perlmuttfarbene Einsprengsel hervorblitzten. All das sah sehr vornehm und teuer aus. Ich gab mir alle M\u00fche, nicht zu dem riesigen Bild hin\u00fcber zu schauen.<\/p>\n<p data-p-id=\"2d2746db9a1b3e4d00d85943c00fa11a\">Der korpulente Edelmann, von dem ich nun wusste, dass es sich um den <em>teirand<\/em> Benjus von Valvivant handelte, sa\u00df auf seinem Thronsessel aus aufw\u00e4ndig in Form geschnitztem Holz. Er trug ein Wams, das zu etwa gleichen Teilen aus Leder und einem schweren golddurchwirkten Stoff bestand und zweckm\u00e4\u00dfige Beinkleider, wahrscheinlich Reithosen. Ganz offensichtlich hatte er diese Kluft angelegt, um keine Zeit zu verlieren, um im Anschluss an die Audienz sofort ausreiten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"8ab6b57dc6237015bdd14f02e6f1733a\">Neben dem Thron stand ein Ritter, den ich noch nicht kannte. Er war etwa im selben Alter wie <em>yarl<\/em> Althopian und trug eine teilgepanzerte Gewandung, bei der farblich ein gl\u00e4nzender Kupferton dominierte. Sein ordentlich gestutzter brauner Vollbart war \u00fcppiger als sein sich an der Stirn bereits lichtendes Haupthaar. Eine schwere Schmuckkette mit einer Plakette auf seiner Brust wies ihn wahrscheinlich als einen wichtigen W\u00fcrdentr\u00e4ger aus. Auf der Schulter trug er ein Wappen, das eine rankende Blume darstellte, die sich um einen Baum wand. Vielleicht war er das hiesige Pendant zu <em>yarl<\/em> Grootplen aus K\u00edan\u00e1s Hofstaat. Als der Ritter Isan sah, hob er \u00fcberrascht die Brauen. Meine Begleiterin beantwortete das mit einem k\u00fchlen L\u00e4cheln und verneigte sich vor ihrem Herrscher. Ich schaute es mir ab und verharrte dann ebenfalls mit gesenktem Blick.<\/p>\n<p data-p-id=\"4ab960cd86ef4a45e02753a3d672397c\">Ich hatte erwartet, dass sich noch mehr Menschen zu dieser Morgenaudienz einfinden w\u00fcrden, aber au\u00dfer dem <em>teirand<\/em> und seinem Gefolgsmann war niemand da. Auch <em>yarl<\/em> Althopian nicht. Falls Isan deshalb entt\u00e4uscht war, lie\u00df sie es sich nicht anmerken.<\/p>\n<p data-p-id=\"81dd2778eac629c1265d3f5d1f8b6a9c\">\u201eWillkommen&#8221;, sagte der <em>teirand <\/em>freundlich. \u201eIch hoffe, du hattest eine angenehme Nacht und konntest dich von deinem Ungl\u00fcck erholen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f4bca9fd9b3afde532aef31517724007\">\u201eIch danke Euch, Majest\u00e4t&#8221;, antwortete ich unverbindlich. \u201eIch f\u00fchle mich schon wieder viel besser. Verta und Isan haben mir sehr geholfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"acbc58d6a47f5cbfc207c5f1de0ab26d\">\u201eDu wei\u00dft immer noch nicht, wer du bist und woher du kommst?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f73f5d2cd9ea2e0089084af06f82ab6a\">Ich sch\u00fcttelte den Kopf. Es schmerzte, dass ich all die netten Leute anl\u00fcgen musste. Andererseits: H\u00e4tte ich erwarten k\u00f6nnen, dass mir irgendjemand die Geschichte meiner wahren Herkunft glauben w\u00fcrde?<\/p>\n<p data-p-id=\"c705214f0ee3cc990e106b27ecb11cda\">\u201eDu musst dir keine Sorgen machen. Mein <em>mynstir, yarl<\/em> Tjiergroen, k\u00fcmmert sich darum, dass die Kuriere herumtragen, dass du hier bist. Ich selbst habe vorhin die <em>b\u00e1chorkoray<\/em> fortgeschickt, um es herauszufinden. Fest steht, dass du nicht zu meinen eigenen Schutzbefohlenen geh\u00f6rst. Die <em>doayra<\/em> sagt, dass du deiner Erscheinung, Gehabe und deiner wiedergefundenen Sprache nach wohl kaum ein Bauern- oder H\u00fctem\u00e4dchen bist. Deine \u00e4u\u00dferst ungew\u00f6hnlichen Gew\u00e4nder nach einem sehr &#8230; extravaganten Geschmack lassen vermuten, dass du von weit her kommst. Vielleicht bist du aus dem Gefolge einer reisenden Dame verlorengegangen? Vielleicht bist du selbst eine <em>yarlara<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"18a1545709f60640db80a7796535d17a\">\u201eMajest\u00e4t, es ist mir unsagbar unangenehm \u2013 aber ich wei\u00df es wirklich nicht.&#8221; Ich z\u00f6gerte. \u201eAber ich bin mit Sicherheit keine <em>yarlara<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2376e18fe8d987f013320966e9626e7b\">\u201eSei es drum. Wir werden herausfinden, wo du vermisst wirst. Nicht wahr, Herr L\u00e9ur?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e9731d9f7470299cc380c6ffc0c861e2\"><em>Yarl<\/em> Tjiergroen nickte wortlos. Offenbar geh\u00f6rten solche Aufgaben zu seinem Tagesgesch\u00e4ft. Ich nahm mir vor, Isan sp\u00e4ter zu fragen, was es mit diesem Kurieren auf sich hatte. Wahrscheinlich war es eine Art Nachrichtennetzwerk.<\/p>\n<p data-p-id=\"05dde995c63cb0b15cf36424e111890e\">\u201e<em>Yarl<\/em> Althopian hat mir berichtet, dass ein Schattens\u00e4nger bei dir war. Offenbar hast du im Zuge dessen deinen Ged\u00e4chtnisverlust erlitten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4b02dc570443fa3bc060522214fa0965\">\u201eDaran erinnere ich mich leider nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"926345c53a9597c3d9685c9421f06776\">\u201eVielleicht hat sie ihn bei einer Schandtat beobachtet und er wollte nicht, dass&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c147e2668116b9f9a8c893d453fa5513\">\u201eIsan&#8221;, unterbrach ich sie rasch, bevor sie sich vorlaut in Schwierigkeiten brachte. Aber der <em>teirand<\/em> nahm keinen Ansto\u00df daran, dass das M\u00e4dchen sich in seine Audienz einmischte. Anscheinend kam das regelm\u00e4\u00dfig vor.<\/p>\n<p data-p-id=\"33370f70edcab6454ebf0024a259b76a\">\u201eM\u00f6glich&#8221;, sagte er. \u201eImmerhin ist ein St\u00fcck gutes Forstland zerst\u00f6rt worden, wie mir berichtet wurde. Aber ich bin \u00fcberzeugt davon, dass wir dieses R\u00e4tsel l\u00f6sen werden. Zum Gl\u00fcck haben die M\u00e4chte uns <em>yarl<\/em> Althopian gerade zur rechten Zeit geschickt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b6b090d2c1394aa64884bbcd0f05ce9b\">Isan seufzte schw\u00e4rmerisch, aber so diskret, dass nur ich es h\u00f6rte. Was es mit dem sonderbaren Ruhm des blau bekleideten Ritters auf sich hatte, w\u00fcrde sie mir ebenfalls sp\u00e4ter erkl\u00e4ren m\u00fcssen.<\/p>\n<p data-p-id=\"4e2d8dd483498d5d0602237995d13cff\">\u201eUnd du kannst dich ganz sicher nicht daran erinnern, dem Schattens\u00e4nger begegnet zu sein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"73b1433c32efc31fed8cdce4c9b49b93\">Der <em>teirand<\/em> blickte mir auf eine Art in die Augen, die mir Unbehagen bereitete. Ich war nie eine gute L\u00fcgnerin gewesen. Merkte man mir das an? Nahm mir der <em>teirand<\/em> meine vorgeschobene Unwissenheit nicht ab?<\/p>\n<p data-p-id=\"a598c8ca39b32426ae843d4b84684aab\">Ich sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eNein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5a8e462fc18968e778486b69c30115a8\">Benjus von Valvivant erhob sich. Ungeachtet seiner K\u00f6rperf\u00fclle wirkte er alles andere als schwerf\u00e4llig, eher auf selbstbewusste Weise imposant. Er schritt die breiten Stufen von seinem Thronpodium hinab, ging an mir und Isan vorbei und blieb dann vor dem Wandgem\u00e4lde mit dem unheimlichen schwarz gekleideten Mann inmitten des Gemetzels stehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"e83a6f5dfd92158a84a7004a95c2c53e\">\u201eAber du wei\u00dft, was damals bei der Schlacht um Aur\u00f3p\u00e9a geschah?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9f85d9a35b78123d1a2b21f4b1ed3cd7\">Ich wusste nicht einmal, wer oder was Aur\u00f3p\u00e9a sein sollte. Doch Isans Mundwerk rettete mich.<\/p>\n<p data-p-id=\"f7ba9ade4b329f1309719954729a2386\">\u201eDie Chaosgeister wurden bezwungen, durch den Heldenmut der <em>arcaval&#8217;ay<\/em>&#8220;, sagte sie. \u201eViel Blut wurde vergossen, doch am Ende wurde der schwarzgewandete Weltenverderber in den Schatten verbannt und ward nie wieder gesehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7450b1887bfbb6ff607ecc4198ae654d\">\u201eBrav aufgepasst hast du bei den <em>forscoray<\/em>&#8220;, lie\u00df sich <em>yarl<\/em> Tjiergroen vernehmen. \u201eWie erbaulich, dies von <em>dir<\/em> zu h\u00f6ren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6f489c6cb869e5ef423943206e899bb5\">Entweder bemerkte Isan seinen Sarkasmus nicht, oder sie ignorierte ihn aus Gewohnheit. Allzu ernst zu nehmen schien sie den <em>mynstir<\/em> jedenfalls nicht. Aber ich lernte etwas daraus: Irgendwann in der Vergangenheit dieser Welt w\u00e4re es um ein Haar zu einer Katastrophe gekommen, und ein <em>camat&#8217;ay<\/em> hatte eine zentrale und zweifellos unr\u00fchmliche Rolle dabei gespielt.<\/p>\n<p data-p-id=\"3e6ef8e43dcd854255db2976a329f58e\">Der <em>teirand<\/em> r\u00e4usperte sich. Dann deutete er auf eine heldenhafte Ritterfigur in rotgoldenem Harnisch, die im Hintergrund inmitten der Krieger auf diesen seltsamen bunten Einh\u00f6rnern sein Schwert schwang.<\/p>\n<p data-p-id=\"6247940666f3ed1c38052378de3bb69f\">\u201eDas ist Benasr\u00fa von Valvivant, der Sohnessohn des <em>teirand<\/em>, der diese Burg hier erbaut hat. Mein Ahnherr war dabei, als der Schwarzmantel, der seine Chaosgeister auf das Weltenspiel losgelassen hat, bezwungen wurde. Mein Ahnherr zahlte einen hohen Preis daf\u00fcr. Doch seither wurde in Valvivant nie wieder ein Schwert im Krieg erhoben.&#8221; Er schaute mich an und sagte dann ernsthaft: \u201eUnd ich habe gelobt, daf\u00fcr zu sorgen, dass das so bleibt. Wenn dieser r\u00e4tselhafte <em>camat&#8217;ay<\/em> sich noch in der Gegend befinden sollte, werden wir ihn finden und zur Strecke bringen wie einen tollw\u00fctigen Hund. Ich selbst werde mit meinen <em>yarlay<\/em> und Waffentr\u00e4gern ausschw\u00e4rmen. Das ist eine Angelegenheit, zu der ich meinen Schutzbefohlenen verpflichtet bin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e545d624f0af9725b1fe5bac787375a0\">Hatte er gemerkt, dass ich zusammengezuckt war? Er lie\u00df es sich zumindest nicht anmerken und kehrte wieder zu seinem Thron zur\u00fcck. Indem er sich setzte, merkte er an: \u201eDie Schwarzm\u00e4ntel sind wie ein Unkraut. Man kann den Haupttrieb mit Stumpf und Stiel entfernen, und doch kommt immer wieder zu unerwarteten Zeiten ein Spross hervor. Und sie kommen hervor, wenn niemand mehr damit rechnet Es wird nicht enden, bis auch der letzte Fetzen der letzten Wurzel vertilgt ist.. Sei unbesorgt, r\u00e4tselhafte <em>f\u00e1njula<\/em>. Der Unhold wird dir kein Leid mehr zuf\u00fcgen, solange du unter meinem Schutz bist. Hier auf der Burg von Valvivant wird dir nichts geschehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"db2d0cf3bdefba4770d1a7b42d40a5a1\">\u201eDas ist sehr beruhigend. Ich danke Euch sehr&#8221;, brachte ich hervor, vielleicht mit etwas zu wenig Erleichterung.<\/p>\n<p data-p-id=\"ab959e6c6850b7018ed88622aafbfd42\">\u201eZu deiner eigenen Sicherheit&#8221;, fuhr er fort, \u201esolltest du die Burg nicht verlassen. Ich bin sicher, dass deine eifrige junge Freundin darauf achtgeben wird, dass du dich nicht in Gefahr bringst. Nicht wahr, Isan?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b4f061a42e98c9f1399c489d227d4a65\">\u201eIhr k\u00f6nnt Euch auf mich verlassen, Herr&#8221; sagte Isan , vielleicht etwas salopper als beabsichtigt, und war sich sicherlich nicht dar\u00fcber im Klaren, dass ihr <em>teirand<\/em> sie soeben zu meiner W\u00e4rterin ernannt hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"195694aab312a2018de61467d1c9a2de\">\u201eDann geht nun. Und du, unschuldige <em>ujora<\/em>, f\u00fchl dich wie zuhause und genie\u00dfe die Gastfreundschaft des <em>teirandon<\/em> Valvivant, bis du dein Ged\u00e4chtnis wiederfindest.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f065d6186e95f4daf1baacfd73fb2622\">In verneigte mich und erstarrte auf halber Strecke.<\/p>\n<p data-p-id=\"a37a001d1a6e82ae757052a929693b2b\">Hatte er mich gerade <em>Ujora<\/em> genannt?<\/p>\n<p data-p-id=\"4bfee7e44e8fa4630373de8f4e372d1c\">Der <em>teirand<\/em> bedachte mich mit einem nachdenklichen Blick, aber Isan hatte es pl\u00f6tzlich enorm eilig, die Halle zu verlassen. Isan fasste mich bei der Hand und zog mich energisch mit sich. Ehe ich es mich versah, hatte sie mich auf der Arkadenseite ins Freie und auf den Burghof gef\u00fchrt und schaute sich suchend um.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/schattenherz-oder-die-ergaenzte-seele-band-1\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-2052","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-01_schattenherz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2052","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2052"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2052\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3856,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2052\/revisions\/3856"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2052"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2052"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2052"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}