{"id":2042,"date":"2025-08-24T19:20:30","date_gmt":"2025-08-24T17:20:30","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2042"},"modified":"2025-09-01T09:40:06","modified_gmt":"2025-09-01T07:40:06","slug":"008-ein-riskanter-augenblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/24\/008-ein-riskanter-augenblick\/","title":{"rendered":"008: Ein riskanter Augenblick"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SH_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1991\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"92efa46435ffb13e40d616e4fa75fe01\">Sie schlief. Endlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"ffcadb456bb4b4b39eee3a9e890012d0\">Yalomiro lie\u00df sich ersch\u00f6pft auf den R\u00fccken fallen und blickte zu den Sternen empor. Endlich konnte er sich ausruhen, seine Gedanken in die Nacht hinaus rasen lassen und einen winzigen Moment der Ruhe auskosten. Ihr best\u00e4ndiges Leugnen der Wirklichkeit war so &#8230; anstrengend.<\/p>\n<p data-p-id=\"06b744d4c895546f52681ca73ad67e72\">Er sandte einen lautlosen Schrei voller Verzweiflung und Frustration ins Dunkel. Dann sch\u00fcttelte die letzten \u00dcberreste von Gor Lucegaths Zauber von sich ab wie Staub und gestattete sich einige Atemz\u00fcge lang, seinen aufgest\u00f6rten Geist einher wirbeln zu lassen wie Wasser in einem Becher, bis der Aufruhr darin sich geordnet hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"3a293a757d3ccb6cc4db0964d9a657b0\">Der Schattens\u00e4nger lag da und gab sich sehns\u00fcchtig all dem hin, was er sich hatte versagen m\u00fcssen, seit sein K\u00f6per wieder lebendig und er erneut Teil des Weltenspiels war. Auf sich allein gestellt, ohne Meister, ohne Ar\u00e1ma\u00fa, ohne irgendjemanden, ohne den <em>Hauch einer Ahnung<\/em>, was geschehen und nun zu tun war. Stattdessen war er nun durch Nokt\u00e1mas Willen mit der Verantwortung f\u00fcr ein unkundiges Wesen betraut, das an diesem Ort so fehl am Platz war, wie es nur sein konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"8ae5b16823026ab05462304615783927\"><em>Bei den M\u00e4chten<\/em>, dachte er. <em>Was hat all dies zu bedeuten? Was ist dein Plan, Nokt\u00e1ma?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"ef457926b3d941a5205dedde37fbaa8c\">Er starrte hinauf zu den Sternen und zum Mond. Der vertraute Anblick beruhigte ihn so weit, dass er sich sammeln konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"001b43c2c1303c79442b2a249f6dabfb\">Gor Lucegath hatte ihn also in Stein geschlagen. Es war ein \u00fcberraschender, beispiellos potenter Zauber gewesen, den er da an eigenem Leib erfahren hatte. Der Rotgewandete hatte ihn so meisterhaft ausgef\u00fchrt, dass er keinerlei k\u00f6rperlichen Schaden davongetragen hatte. Und die Mauer aus Nichts um den Eta\u00edmalon &#8230; Bei allen M\u00e4chten, woher nahm der Rotgewandete diese <em>F\u00e4higkeiten<\/em>? Dass er \u00fcber beeindruckende Kenntnisse und Geschick verf\u00fcgte, war hinzunehmen. Aber was verlieh ihm die Gabe f\u00fcr einen so gewaltigen Bann?<\/p>\n<p data-p-id=\"767623414f6d3ccf223bb37529520f51\">Das <em>Licht<\/em> konnte es jedenfalls nicht sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"a39c59a89691c3d553752b8aac508231\">Vermutlich w\u00fcrde er es nie erfahren. Meister Ask\u00fdn war hinter den Tr\u00e4umen, die anderen Schattens\u00e4nger verschwunden; bestenfalls in alle Winde verstreut, m\u00f6glicherweise nicht mehr Teil des Weltenspiels. Yalomiro hielt es f\u00fcr sehr wahrscheinlich, dass sie &#8230; fort waren. Irgendjemand h\u00e4tte anderenfalls beim Eta\u00edmalon ausgeharrt. Sie h\u00e4tten den Dienst an Nokt\u00e1ma nicht einfach aufgegeben. Es musste etwas passiert sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"bf7a8eedd958c5600f2dc28297694efd\">Diese Erkenntnis entmutigte und bek\u00fcmmerte ihn. Wenn so viel Zeit verstrichen war, dann waren, auf dem einen oder anderen Weg, ohnehin alle <em>camat&#8217;ay<\/em>, die er gekannt hatte, nicht mehr da. Nicht einmal Ar\u00e1ma\u00fa, die j\u00fcngste von ihnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"12de06286fc6345de3c7cabb3c4e285e\">Wie viel Zeit war vergangen? Und was war mit dem Boscarg\u00e9n geschehen? War der Wald gestorben, weil sein G\u00e4rtner zu lange fortgewesen war?<\/p>\n<p data-p-id=\"83e3aaf1ea74a8bf72f29146ca0e4610\">Oder&#8230; weil das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> aus dem Eta\u00edmalon entfernt worden war?<\/p>\n<p data-p-id=\"edd053ed8d1a7ded7db15b9f7800606a\">Was, wenn der Rotgewandete einen Weg gefunden hatte, den Bann zu brechen? War das Artefakt noch in Sicherheit? War er lange genug fortgewesen, damit die Zeit den Rotgewandeten aus dem Weltenspiel getilgt hatte? Einen Magier, der ihr offenbar ausweichen konnte?<\/p>\n<p data-p-id=\"9bd3518db61b48f29142bcc4fb5b5987\">Yalomiro wagte nicht, dar\u00fcber nachzudenken. Er bef\u00fcrchtete, die Antwort zu kennen. Hatte Meister Ask\u00fdn nicht selbst gemutma\u00dft, Gor Lucegath habe die Zeit betrogen?<\/p>\n<p data-p-id=\"bd57dd5f67a0066dc1eee84c3448ce3e\">Je l\u00e4nger der Schattens\u00e4nger dar\u00fcber nachdachte, desto klarer wurde ihm, dass der Rotgewandete nicht einfach ein weiterer, grausamer, skrupelloser und bis zum Wahnsinn hasserf\u00fcllter Lichtw\u00e4chter war, wie die <em>camat&#8217;ay<\/em> sie seit jeher f\u00fcrchteten.<\/p>\n<p data-p-id=\"baed8cc21d48d6bce360b046f191efec\">Gor Lucegath war &#8230; etwas anderes. Etwas wesentlich Schrecklicheres.<\/p>\n<p data-p-id=\"2b644a6d24e540cc84ada1a4caa651cc\">Nun, es blieb keine Wahl. Ob der <em>goala&#8217;ay<\/em> noch lebte oder nicht, das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> war ewig. Er w\u00fcrde nachsehen m\u00fcssen, sich vergewissern, dass es an seinem Platz war &#8230; und ein neues Versteck daf\u00fcr finden.<\/p>\n<p data-p-id=\"bffd8e9b78b9f0521d06b5d4fce63283\">Yalomiro streckte die Finger nach der Nacht aus, seufzte erleichtert und f\u00fchlte, wie seine <em>maghiscal<\/em> wieder mit der Dunkelheit verschmolz. Das tat gut. Mit seinen letzten Zaubern hatte er den winzigen, uralten und schal gewordenen Rest Magie verbraucht, der noch \u00fcbrig geblieben und ihn im Stein lebendig, wenn auch in einem grotesken, hauchzarten Bewusstseinszustand gehalten hatte. Was f\u00fcr ein Erwachen!<\/p>\n<p data-p-id=\"5246d2bf949bd065299d235695343ae0\">Die unkundige <em>f\u00e1njula<\/em> war hierher und an seine Seite geworfen, weil Nokt\u00e1ma ein arkanes Vorhaben verfolgte. Ein Wesen, das sich st\u00f6rrisch weigerte, zu glauben, was es sah. Eines das Magie \u2013 oder was immer es daf\u00fcr halten mochte \u2013 nur in Form von Illusion, Betrug oder M\u00e4rchen kannte. Die Tatsache, dass es seine Retterin aus einem alternativen Weltenspiel her verschlagen hatte, verwunderte ihn weit weniger als der Umstand, dass sie nicht an Magie glaubte, die vor ihren Augen geschah. M\u00f6glicherweise war es gut, dass sie sich vorerst in einem Traum w\u00e4hnte. Vielleicht half ihr das, den Verstand zu bewahren, bis die Erkenntnis sie in kleinen Schritten erreichte.<\/p>\n<p data-p-id=\"f12ab00b1c24f7f2d55c09c98426454f\">Doch all das war wahrhaftig keine fruchtbare Grundlage f\u00fcr das, was dieses aus seiner Wirklichkeit gerissene Wesen hier erwarten w\u00fcrde. Wie er es auch beurteilte, sie war gezwungen, auszuharren bis er in der Lage war, sie dorthin zur\u00fcckzubringen, wohin sie geh\u00f6rte. Mochten die M\u00e4chte wissen, was geschah, wenn sie auf einf\u00e4ltige Menschen traf. Menschen wurden so rasch nerv\u00f6s. Solange er bei ihr war, konnte er sie zwar besch\u00fctzen, aber es w\u00fcrde anstrengend werden. Mit jedem seiner Schritte, jeder Geste w\u00fcrde er auf sie achtgeben m\u00fcssen wie auf ein rohes Ei, und es war zu bef\u00fcrchten, dass er selbst es sein w\u00fcrde, dem ein Missgeschick widerfuhr.<\/p>\n<p data-p-id=\"089665456c9c92e1b4256c204e0995b9\"><em>Camat&#8217;ay<\/em> waren daran gew\u00f6hnt, dass Unkundige bei ihrem puren Anblick in Todesgefahr gerieten. Das war nichts Neues. Doch dieses Menschenwesen hier &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"0e83a425888a94c20ffd146eaeec2bb4\">Yalomiro setzte sich auf. Sie schlief tief und fest, dem Nachtwindenkraut sei Dank, das die M\u00e4chte ausgerechnet hier hatten wachsen lassen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1cfc05fe57373102813d42f6d5160943\"><em>Es ist zu gef\u00e4hrlich, <\/em>dachte er.<em> Ich kann sie nicht mit mir nehmen. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"d1aaa83896c3853f0063f078e1dc3013\">Aber &#8230; h\u00e4tte Nokt\u00e1ma ihm tats\u00e4chlich etwas so Fragiles anvertraut?<\/p>\n<p data-p-id=\"da1531ed12ac93ce7fe20180e14d7b0f\">Andererseits &#8230; eventuell war das die Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, dass sie seine Gegenwart ertrug. Ob Nokt\u00e1ma das beabsichtigt hatte? Ob das der Grund war, warum sie den Weltenschl\u00fcssel in eine Gegenwelt geworfen hatte? Hatte Nokt\u00e1ma, aus allen Sph\u00e4ren, unter allen Menschen behutsam jemanden ausgew\u00e4hlt, der ihm <em>standhalten<\/em> konnte?<\/p>\n<p data-p-id=\"9bdcea5e9bab4678700eb5629ba53a3d\">Er sp\u00e4hte zu der Unkundigen hin\u00fcber.<\/p>\n<p data-p-id=\"a2bff10cc5a221ee04c1f30d8dfcdcf2\">Vielleicht war sie gar nicht so &#8230; zerbrechlich?<\/p>\n<p data-p-id=\"2d6bec3b948328a3caa0b35a2b3a93a6\">Der Gedanke begann, ihn auf eine gef\u00e4hrliche und zugleich verlockende Weise zu faszinieren.<\/p>\n<p data-p-id=\"c2a72fdac81eb8b644a38d315dd766a2\">Etwas Kaltes lie\u00df mich aufschrecken. Es war durchdringend und so real, als h\u00e4tte jemand einen Eimer Eisw\u00fcrfel auf mich gesch\u00fcttet. Ich schnappte nach Luft und schaute mich ziellos um.<\/p>\n<p data-p-id=\"fc8111d0fa7ad2e9f39ff681b3ba6197\">Nein, es war weder der Keller noch mein Schlaf- oder ein Krankenhauszimmer, in dem ich mich befand. \u00dcber der Heide schien der Mond hell an Wolkenfetzen vorbei. Ich richtete mich auf. Die K\u00e4lte f\u00fchlte sich an wie ein nasses Tuch, das sich um mich schlang. Ich fr\u00f6stelte. Wieso kam ich aus diesem verfluchten Traum nicht heraus?<\/p>\n<p data-p-id=\"adea836710b557e45f5ce29a47ed0244\">War ich allein?<\/p>\n<p data-p-id=\"f74b03af3189fffc2519d2de01101f8e\">Nein. Er war noch da, wenn auch in respektvoller Entfernung. Yalomiro sa\u00df mit dem R\u00fccken zu mir, den Blick zum Himmel gerichtet.<\/p>\n<p data-p-id=\"016a08c3dcba779de206e227b7d16c24\">Ich z\u00f6gerte. Ich wei\u00df nicht, ob ich insgeheim erwartet hatte, dass er sich heimlich aus dem Staub machte. Jedenfalls war ich &#8230;<em> ernsthaft <\/em>froh, ihn zu sehen. Ich h\u00e4tte stinksauer auf ihn sein sollen. Anstelle dessen war ich &#8230; beruhigt.<\/p>\n<p data-p-id=\"99b6e2440982953d0b1fa5753923c083\">\u201eYalomiro?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9dc9b6b2d174c1c82aaa14051c3decf5\">Er regte sich. \u201eDu bist aufgewacht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"194e9f4ff2f0fd21c4e2b5780061f3a4\">\u201eEs ist pl\u00f6tzlich so kalt geworden! Ich friere!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ba9652493841d128e42be18d809d828d\">\u201eWenn du magst, komm zu mir.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"562aebd33c655681d84ce23fb76f8164\">Ich ging hin\u00fcber, setzte mich neben ihn und bibberte. Er schaute beiseite und verdeckte sein Gesicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"e184caf80075fcb7cfa899d49a12e63c\">\u201eWir m\u00fcssen dir dringend andere Gew\u00e4nder besorgen. Deine Kleidung ist nicht nur zu d\u00fcrftig, sie ist zudem befremdlich. Man k\u00f6nnte in Valvivant daran Ansto\u00df nehmen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a199cb7c49f8715e6c00e1c652d06fc1\">Was passte ihm nur wieder nicht an meiner Garderobe? Ich f\u00fchlte mich unangenehm an &#8230; jemanden erinnert, der auch st\u00e4ndig an mir rumgem\u00e4kelt hatte. Das war sicher unfair, aber ich wollte mir nicht alles gefallen lassen.<\/p>\n<p data-p-id=\"798954ee2ab984587f7237850d23bc08\">\u201eH\u00f6r mal,&#8221; sagte ich daher vorsichtig, \u201ees war ganz miese Tour, mir einfach so ein Bet\u00e4ubungsmittel zu geben!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"06a408fd710693b90bd5438b6bcb93f3\">\u201eW\u00e4re es dir lieber gewesen, wenn ich dir gesagt h\u00e4tte, dass ich Ruhe brauchte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1577c281fb22dd7e8cfd21dbb335ce91\">\u201eRuhe? Vor mir?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"480827db4d07a9a9e4e0622958946dfe\">\u201eIch musste ungest\u00f6rt nachdenken und du dich ausruhen. Wir brauchten beide &#8230; Abstand.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c18a8d0eb4a24f856a7c6a408b3b3f38\">\u201eIch verstehe.&#8221; Das klang vielleicht eine Spur zu schroff.<\/p>\n<p data-p-id=\"2375514f772f7612cc8769ba5263813f\">Er schwieg einen Moment. \u201eEs tut mir leid&#8221;, sagte er dann. \u201eIch wusste mir keinen anderen Rat. Es sollte keine Arglist sein. Ich wollte uns beiden etwas Frieden verschaffen. Kannst du mir vergeben, oder habe ich es endg\u00fcltig verdorben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ac868dfcfee02716391f633839a8b326\">Ich z\u00f6gerte verwirrt. Das war das erste Mal seit Jahren, dass jemand <em>mich<\/em> um Entschuldigung bat.<\/p>\n<p data-p-id=\"519c85b466c1ad5be3c4f0fc36c348a4\">Mit dem Schlafmittel hatte er mich zwar \u00fcberlistet. Aber er hatte es nicht b\u00f6swillig getan. Er hatte sich weder davon geschlichen, noch hatte er die Situation &#8230; ausgenutzt.<\/p>\n<p data-p-id=\"1f4e9a6393a1de1fe1c1f2f298c51ef1\">\u201eSchon gut&#8221;, murmelte ich. \u201eIch muss mich auch entschuldigen. Sicher falle ich dir zur Last.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7f098a0a8477b46ae0619e2e43eec085\">\u201eIst das eine Angewohnheit von dir?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"24fc5f5bca7d476a13466909bc1c18ab\">\u201eWas meinst du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3e73769165b9ed92a4e7b0c6fafd2f3c\">\u201eLeuten zur Last zu fallen. Du sagst das, als sei das eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"14bfae011fb70fc3f12d66eb57fa11b6\">\u201eIch &#8230; nein. Also ich meine, ich &#8230;&#8221; Ich stutzte. \u201eJa&#8221;, f\u00fcgte ich dann kleinlaut hinzu. \u201eDu hast Recht. Ich bef\u00fcrchte eigentlich immer, dass ich l\u00e4stig bin. Oder peinlich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e639d964cc803e8298f75760bcf27d81\">Er wandte sich dem Mond zu. Ich war froh, dass er das Thema nicht vertiefte.<\/p>\n<p data-p-id=\"a93effe9b415df98bd255e04dc1f09b0\">\u201eUjora &#8230; bist du bereit, ein Wagnis einzugehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c2b776ee683d414e9de80787d869a883\">\u201eWovon redest du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"94d355e550b6fe86419a9e6d6875e988\">\u201eIch m\u00f6chte etwas ausprobieren. Bist du bereit?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"33a4eb633c1c60515f5f978de6d49cda\">\u201eWozu bereit?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3c6f9c6a39dd78a2e9f956131d8aa80e\">\u201eSchau mich an. Schau mir in die Augen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"247e65318dc7f5aaf547b937509d8bb0\">\u201eIch denke, das soll ich gerade nicht tun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ea9367be87cc87b40d7f099003ac27d6\">\u201eIch habe meine Meinung ge\u00e4ndert. Versuchen wir es.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9d3d7c2f451109b23ff9a36995578ec2\">Er \u00f6ffnete seine Lider.<\/p>\n<p data-p-id=\"003a2f1ee7a6bd8ad10779ea58a0db41\">Seine Augen <em>gl\u00fchten<\/em>! Nein, es war kein Gl\u00fchen, sondern ein silbernes <em>Glei\u00dfen<\/em>, wie eine konstant leuchtende Wunderkerze. Nicht so hell, dass es blendete, aber nicht minder verst\u00f6rend.<\/p>\n<p data-p-id=\"83ab6964995cb515a73170832c5648dc\">Ich wich entgeistert vor ihm zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-p-id=\"3ec6e79f2debc8f015a9f84175ce0d9a\">\u201eHab keine Angst. Es ist alles in Ordnung. Du musst dich nicht davor f\u00fcrchten. Ich will dich nicht \u00e4ngstigen. Reich mir deine Hand!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4a3079eb8fc6221a19f38d722738d12c\">In Ordnung? Oh nein, das war es ganz und gar nicht. Leute mit <em>selbstleuchtenden<\/em> Augen waren nicht <em>normal<\/em>!<\/p>\n<p data-p-id=\"369ce987ae157a050e5de32566229e7c\">\u201eBitte!&#8221; Er hielt mir seine Hand hin. \u201eIch will dir nichts B\u00f6ses. Es ist nur meine Hand. Dir geschieht nichts.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3802e858c643875e130b37f1a21e1b88\">Ich z\u00f6gerte. Nachdem der erste Schreck sich gelegt hatte, war ich von dem Anblick unwillk\u00fcrlich eher fasziniert denn ver\u00e4ngstigt.<\/p>\n<p data-p-id=\"2d2b9346122a18e6daf5b303e6ba1a5b\">\u201eBitte!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0267e16dc1e93d88c0cea0e18df5afa4\">Ich nahm all meinen Mut zusammen und fasste zu. Seine Finger waren warm und trocken.<\/p>\n<p data-p-id=\"cd14dc2c61840393464f77672ab410bc\">\u201eDanke. Und nun schau mich wieder an. Lass dich nicht beirren. Es wird gleich wieder vorbei sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6b32a85e078a5d8016e254ca3156c93a\">\u201eWas ist das? Wieso leuchten deine Augen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f86428e3d6b5e85b2e149dd478203054\">\u201eHab keine Angst. Es &#8230; es ist mir <em>wichtig<\/em>, dass wir einander vertrauen k\u00f6nnen. Ich wei\u00df, dass du damit ein Problem hast und ich es mit der Sache vorhin nicht besser gemacht habe. Ich will es bereinigen. Bitte, erlaube es mir.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"94a59dc06daa52738a503a9a0ed5c8c5\">Einen Moment lang zierte ich mich. Dann schaute ich ihm bewusst ins Gesicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"5e05104ace28ff76b60c6cad58b40f14\">Das Leuchten wurde schw\u00e4cher. Sein eigentlicher Blick trat darunter zutage. Er hatte ausdrucksvolle Augen sanft, forschend, achtsam. Der gespenstische Silberglanz lag nun dar\u00fcber wie eine Tr\u00e4ne aus Mondschein.<\/p>\n<p data-p-id=\"ed3fdee00b3414e06fe65993945a9a77\">\u201eIch werde nun f\u00fcr einen Moment alle Siegel von meiner Seele l\u00f6sen. Du wirst nichts Klares darin entdecken k\u00f6nnen, aber das ist nicht n\u00f6tig. Ich hoffe, du kannst es sp\u00fcren, ohne es zu verstehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fc643226dcb884b29b2f015132a23a5c\">\u201eWovon redest du da? Wie &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bc5e866b3ce6ca29ec43113dfd1e4a5d\">\u201eNicht nachdenken. Lass dich nicht von deinem Verstand ablenken. Schau mich an. Ich offenbare mich dir ohne List und Geheimnis. Schau dir das an, was ich bin. Und hab keine Angst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c9c8d20c92ae2af628833a33b203d1ad\">Ich konnte mich nicht abwenden. In seinem Blick lag etwas Hypnotisches. Ein befremdliches Gef\u00fchl \u00fcberkam mich, je l\u00e4nger ich ihn anschaute. Es war &#8230; <em>angenehm<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"dad30f6e4a0440777a968a51a52a71d5\">Ich erlebte es wie eine wundersame Vertrautheit und eine Art von Verlangen, tief in mir, das mich gleichzeitig erregte, verwirrte und verlegen machte. Es war, als ob er mir durch seinen Blick ohne missverst\u00e4ndliche Worte zu verstehen gab, dass er mir wohlgesonnen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"5b4d943e949c8ea3bb738645d639ef08\">Vielleicht war dies eine besondere Art des Kennenlernens. Ich verstand, dass eine tiefe Aufrichtigkeit darin lag. Etwas, das ich in meinem ganzen Leben noch nie gesp\u00fcrt hatte. Ich bemerkte, wie Tr\u00e4nen in mir aufstiegen, so unertr\u00e4glich beruhigend war das.<\/p>\n<p data-p-id=\"23eff61e1e725366fa848c76377d2210\">Er l\u00e4chelte r\u00e4tselhaft, fast ein wenig erleichtert. Mit jedem seiner Lidschl\u00e4ge verblasste das Leuchten und verschwand dann bis auf einige winzige Silberflecken in seiner Iris. Abgesehen von diesem Glitzern schien wieder alles normal. Nein, nicht ganz: Ich bemerkte etwas Neues, Unerwartetes. Einen <em>Geruch<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"6d21c563e449c57aed869861ed4fec47\">Von ihm str\u00f6mte ein zarter, holziger Duft aus, wie von einer frischen Pflanze. Das hatte ich vorher nicht wahrgenommen. Hatte er es fertig gebracht, sich zu baden, w\u00e4hrend ich geschlafen hatte? Oder &#8230; nein. Nein, das war keine Seife. Das war <em>er<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"20907f11abb1a002f9ecccba8454aa17\">Um mich herum breitete sich etwas aus, das sich warm anf\u00fchlte wie Sonnenstrahlen an einem heiteren Wintertag. Angesichts dessen, dass es eine Mondnacht war, erschien mir das bizarr.<\/p>\n<p data-p-id=\"7f9ff6fad8907252e44b9b8ffed0b6ed\">\u201eWie f\u00fchlst du dich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b07590c003b3ca3ab1dc2362425c50ea\">Ich schreckte auf. \u201eGut&#8221;, antwortete ich und versuchte, mir nicht anmerken zu lassen, wie ich diese Erfahrung genossen hatte. \u201eAber was war das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b8dc5ce4e851a0de94537dfa8c8588f3\">\u201eFrierst du noch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8186ff089f497cb8e6c4c9f7859f27ed\">\u201eNein. Nein. Machst du das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"40ef7b6cc5dac744c3f1f0e4db066fdc\">\u201eJa. Es gibt keinen Grund, beunruhigt zu sein. Was du nun sp\u00fcrst, ist meine <em>maghiscal<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5e7e5121d74b8bcbaa1b2666d4ab4d8c\">\u201eDeine Energie?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ec9ab36a672bba2c7d59f2851bd6fee\">\u201eJa. Und ich bin froh, dass du sie wahrnehmen kannst, nun, da sie wieder gest\u00e4rkt ist. Sieh &#8230; das Mondlicht und die Dunkelheit sind f\u00fcr mich wie f\u00fcr dich Wasser und Nahrung. Ich hatte meine letzten Reserven verbraucht, jedes Mal, wenn ich Magie gewirkt habe, seit du mich befreit hast.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a5c88efe2deace93aebfedc2c4ecde8a\">Oje. Der zerschmetterte Baum. Die begehbare Tonleiter. Mein verknackster Fu\u00df. Das Wasser aus den Pflanzen. Da kam einiges zusammen, und das meiste davon hatte er nur wegen mir oder f\u00fcr mich getan.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a9fd25acc46004cb0a685f986682d66\">\u201eEs tut mir leid, dass ich dir so viel zugemutet habe. Mir war nicht bewusst, wie schnell sich ein nichtmagischer K\u00f6rper ersch\u00f6pft.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8e89cff27822da4e00da1bdd8012442d\">\u201eIch laufe eben selten weite Strecken zu Fu\u00df&#8221;, murmelte ich.<\/p>\n<p data-p-id=\"cd1ecc69047587d0c92d67554e0728cb\">\u201eEs sind f\u00fcr uns beide besondere Umst\u00e4nde. Und nun, da du ein wenig ruhiger bist und ich mich nicht immer von dir abwenden muss, k\u00f6nnen wir sicherlich besser miteinander reden. Nur zu.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fd108d90649187002c8e908f89740a33\">\u201eEs gibt so viel, was ich nicht begreife&#8221;, sagte ich. \u201eOkay, die Geschichte mit dem Magier, der dich versteinert hat und dass all deine Freunde weg sind und die Leute mit dem Bergwerk euch nicht m\u00f6gen, das habe ich begriffen. Aber wer bist <em>du<\/em> eigentlich, und was hast du vor?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f9fbf1253795e42edcd89c65aa74e372\">\u201eDas ist eine verwickelte Geschichte. Wo soll ich beginnen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"01e3b689a3a3c9d56e9e36c7b84436e8\">\u201eWer bist du? Oder nein &#8230; wer sind die Schattens\u00e4nger?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5cb891357ea164d923d544a5bb09c7ef\">Er lie\u00df meine Hand los. Ich wusste, dass die K\u00e4lte noch da war, doch es war, als bef\u00e4nde sie sich nun hinter Glas. Weit weg von mir.<\/p>\n<p data-p-id=\"bd4edb0933364cce8af6888c70a150bf\">\u201eWir sind Magier, die der Dunkelheit verbunden sind. Wir verehren Nokt\u00e1ma, die Lebendige Nacht. Der Eta\u00edmalon ist ihre Weihest\u00e4tte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3682dd02de98ccdf74b5fdcad63372a3\">\u201eIst Nokt\u00e1ma eine G\u00f6ttin?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"818b123eb2f1eceb9565498118a50a50\">\u201eSie ist die Gestalt, in der das Dunkle sich uns offenbart.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"96d4ff6f532c4e3bfb4cfb33642132d8\">\u201eDann bist sowas wie ein Diener der Finsternis?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0320390bc62edf037cb6d9b7b7303afc\">\u201eSo, wie du es sagst, bef\u00fcrchte ich, dass du dir etwas ganz anderes darunter vorstellst als ich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a1b96c0458d656fc385c9335c71239af\">\u201eUnd dieser andere Magier, dieser Gor Lu- &#8230; was ist das f\u00fcr einer?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fa2cf87f45c9002e0b9efa90c1ff1629\">\u201eDie <em>goala&#8217;ay<\/em> sind Lichtw\u00e4chter.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7a1d86d0adf7a692303d38ce63facdd1\">\u201eLichtw\u00e4chter? Das klingt so &#8230; erhaben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d9276d28267169631c11378dceb32eaf\">\u201eDie <em>camat&#8217;ay<\/em> haben, unter dem Schutz von Nokt\u00e1ma, ein Artefakt verwahrt, das demjenigen gewaltige Macht verleiht, der es besitzt. Gor Lucegath ist gekommen, um es zu stehlen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1d56cb4b269df6f0eb0af874d3ecc03b\">\u201eAber bekommen hat er es nicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"382b30678907f9bd6e25d3256d1ea999\">\u201eNein. Das konnte ich verhindern. Ich habe es versteckt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c57c203d9373c97f372afd7e6f0652c8\">Ich starrte ihn ungl\u00e4ubig an. \u201e<em>Versteckt<\/em>. So einfach geht das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"51dcd245a58a178b1f9f0a14b91dbeca\">\u201eEs war so simpel, dass es ihn offenbar selbst \u00fcberrascht hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b66d859ed07f6982c7d4baf75366f1fc\">\u201eIst dieses Artefakt sowas wie der Schl\u00fcssel?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b18254a6cbe46863aa1e8b9b40718c88\">\u201eNein. Der Schl\u00fcssel ist ein Spielzeug, ein mit Magie aufgeladener Gegenstand. Das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> ist von anderer Art. Es hei\u00dft, es k\u00f6nne Magie, sagen wir &#8230; <em>erweitern<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"06b8c703897e0860d4d05fdba398fadf\">\u201eUnd darum will dieser Lichtw\u00e4chter es f\u00fcr sich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"de53d420f7de6517596367b47eba258f\">\u201eJa. Aber er bekommt es nicht. Ich habe Magie benutzt, um daf\u00fcr zu sorgen, dass es vor seinem Zugriff in Sicherheit ist, egal, was er unternimmt. Es liegt ein simpler Bann darauf.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a906be2b13b160d6fb3ffc62120aa92f\">Jetzt war ich neugierig. \u201eJa?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6d5986b026e60acaec4714501c1f742b\">\u201eNur ein einziger Mensch kann in seine N\u00e4he gelangen und es wieder an sich nehmen. Ich selbst. Aber nur, sofern ich es aus eigenem Antrieb tue. Sogar wenn er das Versteck f\u00e4nde, k\u00f6nnte er das Artefakt nicht erreichen. Und es bringt ihm rein gar nichts, mich zwingen zu wollen, es ihm zu bringen. Jeder Versuch, meinen Willen zu brechen, macht es unerreichbarer f\u00fcr ihn.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5d5ada51e3b19dba9952caa791cbac5a\">\u201eAha.&#8221; Ich war beeindruckt. \u201eDas ist clever.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d7bf2c1264a13e59175761c26042ac20\">\u201eEs war eine Eingebung.&#8221; In seiner Stimme schwang leise eine Spur von Stolz mit. \u201eAllerdings glaubt er, legitime Anspr\u00fcche darauf zu haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"704a22e42e6b184dcb2b09a96e417988\">\u201eWarum?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"47aab0ec167b004386e5267cae434889\">Yalomiros Miene verfinsterte sich. \u201eDas ist eine lange Geschichte. Zu lang f\u00fcr diese Nacht. Das erz\u00e4hle ich dir bei anderer Gelegenheit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"957a5774f514f35f3352b7f6b7eca9d6\">\u201eGut. Aber dann w\u00fcsste ich gern, wieso <em>ich<\/em> hier bin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cb18b3118407ef0b3012411fc04fea0f\">\u201eNokt\u00e1ma scheint in ihrer Unergr\u00fcndlichkeit dir den Schl\u00fcssel zugespielt zu haben, den ich als R\u00fcckversicherung f\u00fcr Notf\u00e4lle ausgeworfen habe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"48f00f0f04f226c50c1fd61092df5ba2\">\u201eNur &#8230;. also nur angenommen, dass ich doch nicht tr\u00e4ume &#8230; Funktioniert der Schl\u00fcssel auch umgekehrt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b2f75e16ee18da73e8ee544b6c75ddd1\">\u201eNein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d26c3b5550f0c174301830948e438b55\">\u201e<em>Wie bitte?<\/em>&#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"cc48ecaa22bff2121ed4f2ace7ce3daf\">\u201eDer Schl\u00fcssel ist ein <em>Spielzeug<\/em>, das ich als Knabe erschaffen habe. Kein elaboriertes Meisterst\u00fcck. Ich hatte auf die Schnelle einfach nichts Besseres zur Hand.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6f2e2facf0d459697dfec5650a46df10\">\u201eIch kann nicht wieder zur\u00fcck?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f4a7ccd0c1a25c1c0fae911467e405b8\">\u201eNicht mit diesem Schl\u00fcssel, nein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"228fc1fa5794cc01392a6cfdad106e55\">Das zog mir den Boden unter den F\u00fc\u00dfen fort. Mein Leben &#8230; es war weg! Der Keller, die Uni, meine Wohnung, meine Sachen, das Internet, die Zivilisation &#8230; alles st\u00fcrzte auf mich ein und rieselte an meinen Gedanken vorbei in eine schwarze Leere.<\/p>\n<p data-p-id=\"4e17a527a54e5053c3b154b51626ad34\">Bemerkenswerterweise verfiel ich nicht in Hysterie.<\/p>\n<p data-p-id=\"5fa50c10feaa8d399a0eb1eb404f50fd\">Er neigte sich zu mir. \u201eIch habe nicht gesagt, dass du nie wieder zur\u00fcck in deine Sph\u00e4re kannst, Ujora.&#8221;, sagte er sanft. \u201eBitte, beruhige dich. Es wird alles gut. <em>Il ay&#8217;ra<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cb9a262e9b459f2606c8ec58246b0d02\">\u201eEs ist alles etwas viel f\u00fcr mich, denke ich&#8221;, sagte ich kleinlaut.<\/p>\n<p data-p-id=\"2462d86c791a5bbc6d1f495876efbd01\">\u201eDa wir gerade davon reden, gib mir den Schl\u00fcssel bitte zur\u00fcck, bevor er noch verloren geht. Ich sollte ihn bei mir haben, um ihn f\u00fcr deine R\u00fcckkehr bearbeiten zu k\u00f6nnen. Leider geht das nicht \u00fcber Nacht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"109cbea77e7516dd0c32b1da71e9c3c6\">Ich holte den Weltenschl\u00fcssel hervor und gab ihn hin\u00fcber. Er verstaute ihn achtlos in seiner Tasche.<\/p>\n<p data-p-id=\"967bc6778ae535061d93d50078cdaf04\">\u201eMir ist klar, wie viel ich dir zumute. Aber bevor ich nicht wei\u00df, was mit meinesgleichen geschehen ist, was aus Gor Lucegath geworden ist und ob das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> noch in Sicherheit ist, kann ich nichts ausrichten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"19de863589e051c24f41ae8705e923a9\">\u201eIch verstehe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e58bc00ae80559ff1b617803161b08e2\">\u201eDann lass uns gehen. Es w\u00e4re sinnlos, hier weiter Zeit zu vergeuden.&#8221; Er stand auf und griff sich seine Tasche. \u201eSchau, dort hinten ist der Weg, den wir nehmen werden. Du kannst reiten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ab880ccb698ed810e1f1186202aa4c7e\">\u201eWillst du jetzt etwa ein Pferd herzaubern?&#8221;, fragte ich, w\u00e4hrend ich versuchte, in der Richtung, die er angezeigt hatte, eine Stra\u00dfe auszumachen. Aber da war keine.<\/p>\n<p data-p-id=\"9eb4e3d135fa5835a24654036ed03a13\">Ich drehte mich wieder um und fand mich Nase an Nase mit einem gro\u00dfen schwarzen Pferd mit wallender M\u00e4hne. Ich machte einen Satz r\u00fcckw\u00e4rts und war fassungslos.<\/p>\n<p data-p-id=\"8527a7ca72775094fefbe59f81bb0698\"><em>Ich wollte dich nicht schon wieder erschrecken. <\/em>Seine Stimme bildete sich direkt in meinem Kopf, wie damals, als er noch ein Stein gewesen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"9e6dbd22f10f423e6b329793e9112e00\">\u201eDas ist doch <em>unm\u00f6glich<\/em>!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"37212b125a509b45f5f29194fe6d9ae3\"><em>Nein, aber es braucht Zeit, es zu erlernen. Und nun komm. <\/em>Er knickte seine Vorderbeine ein, damit ich leichter auf seinen R\u00fccken klettern konnte. Seine Tasche hing am Schultergurt um seinen Hals.<\/p>\n<p data-p-id=\"f07f7d9e7bd4396b88c642ee53606b99\">Ich blieb stocksteif stehen. Mein Verstand hatte einfach ausgesetzt und musste wieder einrasten.<\/p>\n<p data-p-id=\"1e4384ce53c01fb79d90cb1b26127e93\"><em>Nun komm schon. Es muss dir nicht unangenehm sein. In diesem K\u00f6rper bin ich stark und sehr schnell. Wenn wir zu Fu\u00df gehen, sind wir noch tagelang unterwegs.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"75cc71bc630c40c3f8f6c43558ba56e4\">In diesem Moment gab ich einfach auf. Es hatte keinen Sinn mehr. Ich beschloss, mich \u00fcber Absurdit\u00e4ten nicht mehr zu wundern. Das kostete zu viel Nerven.<\/p>\n<p data-p-id=\"9e9e58b1e2a2ea36e8c050248ad3ce98\">Unbeholfen kletterte ich an ihm hinauf. Als ich halbwegs sicher sa\u00df, wuchtete er sich hoch und trabte los.<\/p>\n<p data-p-id=\"1d3d5286512345ebc2696a23c4f483bd\">Meine Erfahrungen als Reiterin beschr\u00e4nkten sich auf ein paar Runden, die ich mit f\u00fcnf oder sechs Jahren beim Ponyreiten absolviert hatte. Das Pferdchen war damals recht klein gewesen und beim Herumschlurfen in der Runde fast eingeschlafen. Ich wusste nicht so recht, wohin mit mir.<\/p>\n<p data-p-id=\"f5a6ee787390f6016360f0d005aa6c7e\"><em>Halt dich an dem Riemen fest. Und erschrick nicht.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"0b68a7e1373bcf370f562197501585a5\">Ich griff nach dem Schultergurt seiner Tasche, weiches, punziertes Leder.<\/p>\n<p data-p-id=\"c70f243e6a9aa801568ca91f0793513b\">\u201eErschrecken?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b16019990b05561cb330847e7c2500ad\">Unvermittelt tat er einen Satz nach vorn. Der Ruck h\u00e4tte mich umgehend von seinem R\u00fccken geschleudert, h\u00e4tte ich nicht geistesgegenw\u00e4rtig nach der langen schwarzen M\u00e4hne gegrabscht und mich panisch darin festgekrallt. Ich klammerte mich mit Knien und Schenkeln fest und versuchte krampfhaft, mich irgendwie oben zu halten.<\/p>\n<p data-p-id=\"9354f45fa3b18f432ef474eea2ffb0c2\">\u201eHe!&#8221;, machte ich \u00e4ngstlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"9f6d7714e2e52146031ff669b6852d69\"><em>Wir haben es eilig.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"d7dbb5ef9568bd9ee2423a623a276c1d\">Seine Hufe donnerten \u00fcber den Boden, und mir wurde angst und bange. Bilder aus kitschigen Geschichten und Filmen zuckten mir durch den Sinn, die ich als Teenager gelesen und geschaut hatte und in denen die Heldinnen elegant, wild und frei auf ungesattelten Pferden in den Sonnenuntergang preschten.<\/p>\n<p data-p-id=\"a6d60ee27f96de119672da1bd2459960\">Die Geschichten hatten gelogen! Das hier war <em>lebensgef\u00e4hrlich<\/em>! Es war rutschig, wackelig und viel zu schnell!<\/p>\n<p data-p-id=\"97f5ff7859b2a4c62e47599f556d95b7\">Gegenwind schlug mir ins Gesicht. Ich schloss die Augen. Vermutlich w\u00fcrde er bei diesem Tempo nicht einmal <em>bemerken<\/em>, wenn er seine Last verlor. Unter seinen Hufen stoben <em>Funken<\/em>, sobald sie einen Stein trafen. Immer tiefer grub ich meine H\u00e4nde in die M\u00e4hne und den Ledergurt, lag fast b\u00e4uchlings und j\u00e4mmerlich auf seinem R\u00fccken, umklammerte seinen Hals. Die trostlose, n\u00e4chtliche Landschaft um uns herum flog vor\u00fcber. Er war <em>absurd<\/em> schnell!<\/p>\n<p data-p-id=\"f86a53fdcdb7b6821333420820c5b865\">\u201eBleib stehen! Lass mich runter! Lass mich sofort runter!&#8221;, br\u00fcllte ich ihn panisch an.<\/p>\n<p data-p-id=\"e6da353e4662b4d361061129e77a10f2\">Ich habe nie erfahren, ob er mich nicht h\u00f6ren konnte oder ob er mich ignorierte. Ich konnte meine Finger nicht von dem Gurt l\u00f6sen, obwohl ich wie irre zerrte und Gefahr lief, ihn zu erw\u00fcrgen. Ich f\u00fchlte mich, wie auf seinem R\u00fccken <em>festgeklebt<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"ee479b085d70c723bca80a1029241668\"><em>Ich lasse dich nicht fallen. Und nun &#8230; denk an etwas, das dir gef\u00e4llt! An einen Ort, an dem dir nichts zusto\u00dfen kann.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"71b59511536d22ada0f06290c2853961\">Sein Galopp brachte uns in <em>unglaublichem<\/em> Tempo dem Montaz\u00edel n\u00e4her. So weit konnte ich noch denken, bevor ich ihn wieder <em>singen<\/em> h\u00f6rte.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/schattenherz-oder-die-ergaenzte-seele-band-1\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-2042","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-01_schattenherz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2042","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2042"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2042\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3845,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2042\/revisions\/3845"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2042"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2042"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2042"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}