{"id":2027,"date":"2025-08-24T19:09:48","date_gmt":"2025-08-24T17:09:48","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2027"},"modified":"2025-09-01T09:38:30","modified_gmt":"2025-09-01T07:38:30","slug":"003-schluessel-tueren-und-magie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/24\/003-schluessel-tueren-und-magie\/","title":{"rendered":"003: Schl\u00fcssel, T\u00fcren und Magie"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SH_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1991\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"598b244c84e785c487bf8b49ab20f9b4\">Das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> [das Artefakt] wurde seit Ewigkeiten im Eta\u00edmalon aufbewahrt, wenn auch aus Gr\u00fcnden der Schicklichkeit niemals direkt im Saal. F\u00fcr <em>camat&#8217;ay<\/em> [Schattens\u00e4nger] war es ohne Wert und Bedeutung. Sie empfanden keine Begehrlichkeit angesichts des Artefaktes, lediglich eine aufmerksame Verpflichtung. Kein Schattens\u00e4nger w\u00e4re jemals so t\u00f6richt gewesen, es <em>besitzen<\/em> zu wollen. Und so schenkten die Schwarzgewandeten ihm kaum mehr Bedeutung als einem Blatt, das der Wind zur T\u00fcr hinein wirbelte. Solange kein Rotgewandeter ihm nahekam, war das den M\u00e4chten gef\u00e4llig und im Einklang mit dem Weltenspiel. Die <em>camat&#8217;ay<\/em> hielten es achtsam in Verwahrung, mehr nicht. Wo genau im Eta\u00edmalon das Artefakt verborgen war, wusste Yalomiro nat\u00fcrlich. Immerhin war er, abgesehen vom Gro\u00dfmeister, der einzige Magier, der in der Weihest\u00e4tte <em>wohnte<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"f2577ec350ae8f8605bf6af1cd910ab7\">Das <em>ay&#8217;cha&#8217;re<\/em>e lag in einem unscheinbaren Holzk\u00e4stchen verschlossen. Der schwarzgewandete Magier hatte sich Geige und Bogen unter den Arm geklemmt und barg die Schatulle ratlos in seinen H\u00e4nden. Die Kraft, die von dem Artefakt ausging, sp\u00fcrte er zwar, aber sie war ihm so fremd, dass er damit nichts anzufangen gewusst h\u00e4tte. Der <em>goala&#8217;ay<\/em> [Lichtw\u00e4chter] jedoch w\u00fcrde das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> in Windeseile finden. Es musste ein besseres Versteck her. Aber wohin konnte er es bringen, wo der Rotgewandete es nicht augenblicklich entdecken w\u00fcrde?<\/p>\n<p data-p-id=\"794e0b546d3b77ca896f5632c6230514\">Allzu viel Zeit zum Nachdenken blieb Yalomiro nicht. Er horchte in Richtung des Kuppelsaals am Ende des Korridors. Er h\u00f6rte die beiden Magier miteinander reden, konnte aber nichts von dem Gespr\u00e4ch verstehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ac07bdacaee8f2389eeaafc5baad40ae\">Was sollte er mit dem Artefakt beginnen? F\u00fcr durchdachtes Kalk\u00fcl blieb ihm keine Zeit. Er brauchte einen Zauber, der griffbereit war. Den M\u00e4chten sei Dank, herrschte daran im Repertoire von Yalomiro Lagoscyre kein Mangel, also eilte er mit der Schatulle hin\u00fcber in seine eigene Kammer. Dort bewahrte er etwas auf, das nahezu <em>ideal<\/em> f\u00fcr seine Zwecke war.<\/p>\n<p data-p-id=\"9231ed7c15ac12533cdfb1a944722555\">Der Schattens\u00e4nger legte seine Geige auf den Tisch und zerrte dann eine offene Kiste unter seinem Bett hervor. Er kramte einen Augenblick in seinen Habseligkeiten, bis er den Weltenschl\u00fcssel fand.<\/p>\n<p data-p-id=\"c4517c8579d91f2ab26b9b1c3ace1c38\">F\u00fcr einen Sch\u00fcler stellte es eine anspruchsvolle \u00dcbung dar, Magie zu b\u00fcndeln und auf einen unbelebten Gegenstand zu \u00fcbertragen. Wie lange war es her, dass er sich an diesem Werkst\u00fcck versucht hatte? Zehn Sommer? F\u00fcnfzehn? Tagelang hatte er daran gefeilt, sich an Metallsp\u00e4nen geschnitten und sich Splitter in die Finger gezogen. Drei- oder viermal hatte er entmutigt aufgegeben und es kurz darauf begeistert von neuem begonnen. Meister Ask\u00fdn hatte ihn damals f\u00fcr seine Beharrlichkeit gelobt; er war stolz darauf gewesen und hatte dann den Schl\u00fcssel beiseitegelegt, um sich an etwas Neuem zu versuchen. Es war eine Spielerei, mit der er seine Fertigkeiten gesch\u00e4rft hatte. Das Werkzeug hatte er seither achtlos der Kramkiste aufbewahrt. Ob Gor Lucegath in Erw\u00e4gung ziehen w\u00fcrde, dass er das Artefakt mit Hilfe eines <em>Spielzeugs<\/em> verschwinden lassen konnte?<\/p>\n<p data-p-id=\"499b5af38a1df136a7f8477df1183c12\">Der Schattens\u00e4nger zog den Schl\u00fcssel von seiner Kammert\u00fcr ab und steckte an seiner Stelle den Weltenschl\u00fcssel in das Schl\u00fcsselloch. Alsdann sang er lautlos, mit klopfendem Herzen seinen am\u00fcsanten, <em>kindischen<\/em> Zauber. Zugleich beschwor er voller Demut Nokt\u00e1ma um einen sicheren Aufbewahrungsort f\u00fcr das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em>. Zuletzt atmete er entschlossen ein, schloss auf und zog die T\u00fcr auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"136a1930443550a16122c118520e3669\">Wind fegte ihm entgegen, begleitet von einem eisigen Wasserschwall, der ihn von Kopf bis Fu\u00df durchn\u00e4sste. Yalomiro japste \u00fcberrascht und wich einen Schritt zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-p-id=\"0d16ead2df1373b469a2c176821305e9\">Die Zimmert\u00fcr f\u00fchrte nicht mehr auf den Korridor, sondern auf einen Felsen, der nicht gr\u00f6\u00dfer war als ein Bettvorleger. Der blanke Stein erhob sich aus einem sturmgepeitschten, olivgr\u00fcnen Meer. Etwas Ger\u00f6ll lag herum, zu schwer, um vom Wind fortgeweht zu werden, der salzig und schneidend \u00fcber die Wellen fegte. Ringsum ragte eine wirbelnde Wasserwand hinauf bis zu den Wolken und vermengte sich mit ihnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"d74825708965fe89c1409c9d55dd20d5\">Das <em>Chaos<\/em>? Nokt\u00e1ma wollte, dass er das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> dem Chaos anvertraute?<\/p>\n<p data-p-id=\"c931d69e2b31a16b05ead4f8daa89cf5\">Der Magier war verwundert. Aber es stand ihm nicht an, die Ratschl\u00fcsse der Dunkelheit in Zweifel zu ziehen. Vorsichtig beugte er sich dem Spr\u00fchwasser entgegen durch die T\u00fcr und stellte die Schatulle auf der Felsinsel ab. W\u00e4hrend er das tat, entstand eine sachte, magische Verbindung zwischen seinen Fingern und dem K\u00e4stchen, wie ein unsichtbarer Faden.<\/p>\n<p data-p-id=\"9fb08fd7e80cffefd7e2c2e9873139f8\">Gen\u00fcgte das? Yalomiro verharrte. Es gab genug grauenhafte Geschichten von Schattens\u00e4ngern, die w\u00e4hrend der Chaoskriege in die H\u00e4nde von <em>goala&#8217;ay<\/em> gefallen waren und dort sogar versiegelte Geheimnisse nicht lange hatten h\u00fcten k\u00f6nnen. Sein Plan hatte also eine Schwachstelle.<\/p>\n<p data-p-id=\"ffcb67f6f73e45ef6ed0be066f97321e\">\u201eIch sollte mich selbst zum Versteck des Verstecks machen, nicht wahr?&#8221;, fragte er leise in das Tosen hinein. \u201eKann mir das gelingen, Nokt\u00e1ma?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"967935f05b8589d99fa1d93cb70ed7fa\">Er horchte in das Dr\u00f6hnen des Sturmes. Dann besann er sich und sang in h\u00f6chster Konzentration einen zweiten, einen erg\u00e4nzenden und um einiges komplizierteren Zauber. Das Wissen um den Felsen im Chaos am Rande der Welt senkte sich in seinen Geist, es faltete sich Schicht um Schicht darum, wie die Schalen einer Zwiebel.<\/p>\n<p data-p-id=\"a0007a08b2433945b9a454c8bc9feda3\">Als das Geheimnis, so tief, wie es nur ging, in seinem Verstand eingeh\u00fcllt war, kroch er zur\u00fcck in seine Kammer, zog den Schl\u00fcssel ab und betrachtete ihn skeptisch. Auch das Werkzeug wusste zu viel. Es musste ebenso verschwinden wie das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"f837161fc60901c152bed71693bbf6b9\">\u201eNokt\u00e1ma&#8221;, fl\u00fcsterte er, \u201egro\u00dfe Mutter der Schatten, dein Diener beschw\u00f6rt dich. Falls mir etwas zust\u00f6\u00dft, lege das hier jemandem in die Hand, der Hilfe bringt.&#8221; Er atmete tief ein und warf den Schl\u00fcssel entschlossen dem Artefakt hinterher, hinein ins Chaos. Dann stie\u00df er die T\u00fcr zu der sturmumtosten Insel fest zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"75fba8fcc65ce633c0c4b34501695d11\">Benommen blieb er dann einen Moment in der Pf\u00fctze stehen, die sich auf dem steinernen Fu\u00dfboden gebildet hatte. Der Wind hatte eine Menge loser Papiere in seiner ohnehin stets recht unordentlichen Stube umher gewirbelt.<\/p>\n<p data-p-id=\"8d9acb2dc8500858b062773615263a85\">Und nun? Keinen Fehler durfte er sich erlauben. Der Geruch von Salz und Seeluft sollte nicht das Misstrauen des Rotgewandeten erwecken, falls der L\u00e4rm des Sturmes au\u00dferhalb der Stube nicht zu h\u00f6ren gewesen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"cf0033956a0fbcc079c3d30e2033dcf0\">Fahrig riss ein frisches Hemd und eine Hose aus seiner Kleidertruhe, zog sich in Windeseile um. Er schl\u00fcpfte in den Mantel, der achtlos \u00fcber einem Stuhl lag und dachte gerade noch daran, den Hut, den er am Bettpfosten aufgeh\u00e4ngt hatte, aufzusetzen, um auch seine nassen Haare zu kaschieren.<\/p>\n<p data-p-id=\"56c835f8792804e14e7c62c86afc0f9b\">Dann trat er durch die T\u00fcr, die nun wieder hinaus auf den Gang f\u00fchrte. Auf der einen Seite, hinter der halb ge\u00f6ffneten Eingangst\u00fcr, leuchtete ein lieblicher Fr\u00fchlingstag.<\/p>\n<p data-p-id=\"bb83bfbc76a29d6b726d0bfae593dc4a\">Wo blieben Ar\u00e1ma\u00fa und Meister G\u00edonar? Wo die anderen Schattens\u00e4nger? Es war lange genug Zeit geblieben, um sie von dem rotgewandeten Eindringling in Kenntnis zu setzen. Yalomiro gab sich einen Ruck und folgte dem sacht ansteigenden Korridor zum Saal. Das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> zu verstecken, hatte nicht l\u00e4nger gedauert als dreimal hundert Schl\u00e4ge seines Herzens.<\/p>\n<p data-p-id=\"07d2503372d39f88e58f8090028691e9\">\u201eIch wei\u00df, dass du da bist, <em>camat&#8217;ay<\/em>. Komm nur hinein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7905dc2548e639caba01faf9299b346d\">Gor Lucegath stand vor dem Obsidiansessel und wandte Yalomiro den R\u00fccken zu. Der alte Magier war in sich zusammengesunken.<\/p>\n<p data-p-id=\"adb935d2c0d1f7a2d8a8a3072fbff1db\">\u201eMeister Ask\u00fdn?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a3d35efa245c27c58f708c53aa9e1bb0\">Der Rotgewandete drehte sich um. Er hatte seine Waffe gezogen, einen schmucklosen Anderthalbh\u00e4nder, dessen schmale Klinge blauschwarz, wie der Panzer eines gl\u00e4nzenden K\u00e4fers schimmerte. Die Magie, die darin geborgen lag, war ebenso schrecklich wie unergr\u00fcndlich und uralt. F\u00fcr den, den sie ber\u00fchrte, gab es keine Rettung mehr. Jeder Sterbliche, ganz gleich ob Unkundiger oder Magier, war machtlos gegen die Schwerter der Lichtw\u00e4chter. Jeder, den diese Klinge auch nur streifte, musste durch sie umkommen. Yalomiro schauderte.<\/p>\n<p data-p-id=\"6cfc68c1c0645f2fa72ff043d16ad80b\">Dennoch: Was fiel dem <em>goala&#8217;ay<\/em> ein, in Nokt\u00e1mas Heiligtum mit blanker Klinge aufzutreten?<\/p>\n<p data-p-id=\"d28cfc50994432aab424f2ec9f9989f8\">\u201eWas erlaubt Ihr Euch? Das ist kein Ort f\u00fcr Waffengewalt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"810e24f48615fe223d161ed162f8913b\">\u201eDu denkst nicht im Ernst, ich h\u00e4tte vor, damit in eurer Weihest\u00e4tte ein Gefecht zu beginnen?&#8221; Der Rotgewandete klang ernsthaft belustigt. \u201eDu verkennst die Umst\u00e4nde. Wir haben geredet, und es ist an der Zeit, unseren Wortwechsel w\u00fcrdevoll zu beenden. Es w\u00e4re schade, wenn du es verpasst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b6179c204de994c74c6e8cfe9d65abb9\">Der halbblinde silberne Blick des Gro\u00dfmeisters suchte den des j\u00fcngeren Mannes.<\/p>\n<p data-p-id=\"10e8bc7415262cc96569b1c6a12c0ccd\">\u201eWo mag das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> jetzt sein, Ask\u00fdn Lagoscyre?&#8221;, fragte Meister Gor und setzte dem Greis die Schwertspitze an die Brust. \u201eOb ich Euren Sch\u00fcler direkt danach fragen sollte? Ob er mir bereitwillig antworten wird?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e8a5cbcce2ad1f42927d54c93ff27be6\">\u201eLasst von meinem Meister ab&#8221;, forderte Yalomiro. \u201eIch habe das Artefakt in Sicherheit gebracht. Es ist nicht mehr hier.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3a51889f7da0442528eab6623126833c\">\u201eIch wei\u00df.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"20a3edddbeb74f68364994c791a0fca3\">\u201eIhr wisst?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"62584d58ba47fa8a027f4e452e1df1a2\">\u201eNat\u00fcrlich. Dein Meister hat dir doch ausdr\u00fccklich aufgetragen, es zu verbergen, als er erfuhr, <em>wer<\/em> diesem t\u00f6richten Verhandlungsangebot gefolgt ist. Aber ich habe weder Zeit noch Interesse an einer Schatzsuche. Also lass die Albernheiten, Yalomiro Lagoscyre. Wohin hast du das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree <\/em>gebracht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7c019522bc7ad615d57d27db3a70f4fd\">\u201eEs ist an einem Ort, wo Ihr es nicht finden k\u00f6nnt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9897769392cad7b39b83a04aca179451\">\u201eEs gibt keinen Ort, der mir nicht zug\u00e4nglich w\u00e4re. Und keine Auskunft, die ich nicht \u00fcber deine Zunge locken k\u00f6nnte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"51477ca3b3417510599ed80146ff15b4\">In diesem Moment packte eine eigenartige, gef\u00e4hrliche Mischung aus Furcht, Trotz und Stolz den Schattens\u00e4nger. \u201eDas mag sein. Aber das Versteck zu <em>kennen,<\/em> nutzt Euch nichts. Ich habe einen Zauber sowohl auf den Ort als auch mich selbst gelegt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8aeef89338d606228962834f805f9d85\">\u201eUnd das alles w\u00e4hrend der paar Augenblicke, die du aus diesem Saal heraus warst? Beachtlich. Was f\u00fcr ein Zauber soll das sein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"93604071d0245a151a8322b8f4482891\">\u201eIch habe es in mir selbst verborgen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5be537677b84caee68d9b8fe78cf7359\">\u201eErkl\u00e4re mir das.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"00ad8c2822399a52a0761fc46a52898d\">\u201eNur meine eigenen H\u00e4nde k\u00f6nnen das Artefakt wieder bergen. Und zwar nur, wenn ich mich aus freien St\u00fccken dazu entschlie\u00dfe, es zu tun! Ihr selbst k\u00f6nnt es niemals erreichen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"858d6ac3f3bd2f903219976e58b5bc94\">\u201eOh.&#8221; Der Rotgewandte lie\u00df seine Waffe sinken und verschr\u00e4nkte die Arme. Seine marmorgrauen Augen musterten den Schattens\u00e4nger pr\u00fcfend. \u201eIch verstehe. Ein gewagter Zug, Yalomiro Lagoscyre. Du siehst mich f\u00fcrwahr f\u00fcr den Augenblick ratlos.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a6f0e12e8ebb9ae1ea8a41df94e8ac89\">Da begann Meister Ask\u00fdn, zu lachen.<\/p>\n<p data-p-id=\"c52ea3a3e78b7216a0530b0deeb0e808\">\u201eEs freut mich&#8221;, sagte der <em>goala&#8217;ay<\/em>, ohne sich ihm zuzuwenden, \u201edass Ihr angesichts des Verh\u00e4ngnisses, das Euer phantasievoller Sch\u00fcler soeben \u00fcber euersgleichen gebracht hat, nicht Eure gute Laune verloren habt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9bedfe2825c1f21a5b71083cccf62ec6\">Der alte Magier gab ein verst\u00f6rendes Ger\u00e4usch zwischen ermattetem St\u00f6hnen und wohlgelauntem Glucksen von sich. \u201eIch komme nicht umhin, dass es mir gef\u00e4llt, den gef\u00fcrchteten Gor Lucegath von meinem Sch\u00fcler <em>\u00fcberlistet<\/em> zu sehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cd7126d68bfc0eddb23138a5ef6aa072\">\u201eEs langweilt mich&#8221;, sagte Meister Gor ruhig, \u201edie Sp\u00e4\u00dfe von euersgleichen anzuh\u00f6ren. Sie sind mit den Zeiten nicht merklich geistreicher geworden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f285df6f0ac5210aa179359ffdce447b\">\u201eYtra&#8221;, fl\u00fcsterte Yalomiro eindringlich. \u201eIch bitte Euch, reizt ihn nicht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6f64857dd47f228320bc5510b546a4af\">Aber Meister Ask\u00fdn h\u00f6rte nicht auf ihn. Mehr noch: Energie schien in ihm aufzuflammen.<\/p>\n<p data-p-id=\"bbec6306178033488a0a377c5180ffbb\">\u201eIhr seid l\u00e4cherlich gemacht durch den Streich eines Sch\u00fclers! Nokt\u00e1ma ist mit meinesgleichen! Ihr, Gor Lucegath, seid ein <em>Ausgesto\u00dfener<\/em>. Und Ihr werdet es allezeit bleiben!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"99d96a8e84e1196d06e78d35d26259c7\">Dies war eine unerh\u00f6rte Provokation aus dem Mund des Gro\u00dfmeisters, die Gor Lucegath nicht ignorieren konnte. Und er tat es nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"7f7cc1c3273c38ce67977783f33efa4c\">\u201eDas, Meister Ask\u00fdn, war eine Frechheit zu viel. Ich halte Euch jedoch zugute, dass Euer Geist nicht mehr verst\u00e4ndiger ist als der eines albernen Kindes. Seid Ihr nun bereit? Ich werde alles Weitere mit Eurem Sch\u00fcler regeln.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"33e420f35cfc0732649312f0168c783e\">Die Augen des Alten blitzten auf. Seine greisenhafte Schw\u00e4che verblasste f\u00fcr einen letzten Moment vor dem scharfen, wachen Geist, der ihn einst zum Gro\u00dfmeister hatte werden lassen. \u201eTut, wonach es Euch dr\u00e4ngt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7a9b7b9aa0bdaeccedb1edaa7bf8a8fb\">\u201e<em>Ytra<\/em>?&#8221; Yalomiro kam alarmiert n\u00e4her. Aber der Gro\u00dfmeister hob die Hand.<\/p>\n<p data-p-id=\"f01700253dc54a4122965d9d896eb46a\">\u201eBleib zur\u00fcck, Yalomiro. Das Weltenspiel ist f\u00fcr mich vorbei. Ich habe ihm <em>gestattet, <\/em>es zu tun.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"05b83cffee2cabde5f13e7ed3ad0b6bb\">\u201eAber &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"11bae236d3529d1547088d25e11a082e\">\u201eIch bin bereit, Gor Lucegath. Oder z\u00f6gert Ihr? Habt Ihr Angst, <em>entt\u00e4uscht <\/em>zu werden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e9f267030316208fa271b6d23d199041\">Der Rotgewandete hob sein Schwert. Bevor Yalomiro begriff, was geschah, hatte der <em>goala&#8217;ay<\/em> dem Gro\u00dfmeister, dem M\u00e4chtigsten und Weisesten der <em>camat&#8217;ay<\/em>, die Klinge ins Herz getrieben, schneller, als eine Schlange zust\u00f6\u00dft. Sie fuhr nicht nur ohne jeden Widerstand in den K\u00f6rper des alten Magiers, sondern glatt durch ihn hindurch und durch die Lehne des Steinsessels.<\/p>\n<p data-p-id=\"c127d26eb45b4d4a4f0b28fa64dabb70\">Meister Ask\u00fdns silberheller Blick erlosch wie eine Kerzenflamme im Wind. Lautlos endete die Zeit von Ask\u00fdn Lagoscyre in Nokt\u00e1mas Weihest\u00e4tte vor den entsetzten Augen seines Meistersch\u00fclers.<\/p>\n<p data-p-id=\"309fbf62735f856c2c25ea6a0d2b2e37\">Gor Lucegath erstarrte. Er hob kurz die Hand, als ob er versuche, etwas aus der Luft zu haschen. Doch er lie\u00df den Arm wieder sinken und f\u00fcr einen Augenblick wirkte es, als ergriffe ihn tiefe M\u00fcdigkeit.<\/p>\n<p data-p-id=\"4842040d6a5a25011b293be85fe86f6c\">\u201e<em>Ad&#8217;ree<\/em>&#8220;, murmelte er dann. \u201eSchade. Ich hatte mir von diesem Opfer mehr erhofft.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cf9508b2e509c9fa75722b6ae598073f\">Totenstille erf\u00fcllte den Saal. Der j\u00fcngere Schattens\u00e4nger starrte mit Grausen auf den aufgespie\u00dften, nun leb- und seelenlosen K\u00f6rper des Mannes, der ihn einst in den Eta\u00edmalon geholt und mit so viel Geduld, Nachsicht und Weisheit erzogen und ausgebildet hatte. Fassungslosigkeit \u00fcber den Verlust brach sich Bahn, aber Yalomiro zwang sie hastig nieder. Vor einem Rotgewandeten die Disziplin zu verlieren, dem Schmerz nachzugeben, w\u00e4re elend gewesen. Und gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"883fee00f9fa7e6e7702f1674723a87e\">\u201eEr hatte ein langes, gro\u00dfm\u00e4chtiges Leben, nicht wahr?&#8221;, fragte Meister Gor schlie\u00dflich und zog die Klinge aus dem Leichnam heraus. Silbriges Blut perlte davon ab und rann zu Boden wie \u00d6l. Der Leib des Gro\u00dfmeisters glitt zu Boden und blieb b\u00e4uchlings vor dem Thron mit der nun durchl\u00f6cherten Lehne liegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"acc7fb7c929f34fed9ebf1a5bc7fe049\">\u201eEr war mehr als hundert Winter alt&#8221;, antwortete Yalomiro beherrscht.<\/p>\n<p data-p-id=\"9d62bafec4468b98edf9515f7104cc32\">Der Rotgewandete blickte \u00fcber die Schulter zu ihm hin\u00fcber. In den blassen grauen Augen unter der Maske lag ein sinnender Ausdruck, den der <em>camat&#8217;ay<\/em> nicht deuten konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"26e6f2d68d9def4aba4ff8ddb4a0d56c\">\u201eEs sollte so sein, Yalomiro Lagoscyre. W\u00e4re ich nicht gekommen, dann h\u00e4tte ihn das Siechtum dahingerafft, das bald in ihm ausgebrochen w\u00e4re.&#8221; Er sch\u00fcttelte die letzten Tropfen Blut von der Klinge ab.<\/p>\n<p data-p-id=\"57bdd8dd366c2bc5eafe277cccd9e507\">\u201eWelches Siechtum?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"743d4754aa86b300274f03cac77e3d8b\">\u201eEr war nicht mehr Herr seines Verstandes oder seiner Sinne. In dem Moment, in dem er nach meinesgleichen rief, hielt er sich f\u00fcr den vortrefflichen, den un\u00fcberwindlichen Magier, der er vor siebzig, achtzig Wintern gewesen sein mochte. Nicht mehr lange, und es w\u00e4ren entsetzliche Schmerzen zu seinem getr\u00fcbten Geist hinzugekommen. W\u00e4re ich seinem Ruf nicht gefolgt, h\u00e4ttest du bald mit ansehen m\u00fcssen, wie er in Qualen dahinged\u00e4mmert und erloschen w\u00e4re.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0c9d204a264ade8d5c3333b478c9912b\">\u201eSoll ich Euch dankbar sein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f814f9dbc6c3bfeeaca7edd921808a83\">\u201eNein. So viel Weisheit erwarte ich nicht von dir. Aber es mag dich tr\u00f6sten, dass <em>er<\/em> mir dankbar war. Ich habe ihn nicht heimt\u00fcckisch ermordet, Yalomiro Lagoscyre, auch wenn du das gern glauben m\u00f6chtest. Wir haben es miteinander besprochen, w\u00e4hrend du fort warst, von Meister zu Meister. Er war bereit, weil er seine Hoffnung auf dich setzte. Das respektiere ich, auch wenn ich es f\u00fcr eine Torheit halte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3de38366db3e72f84f93e7d587b53e81\">\u201eUnd jetzt? Wollt Ihr mich nun auch t\u00f6ten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"323f971ad1a94c085d3d9c7d6cd96edc\">\u201eDich? Nachdem du mir gerade eben gesagt hast, dass du es vollbracht hast, das <em>ay&#8217;ch&#8217;ree<\/em> in dir selbst zu verstecken? F\u00fcr wie t\u00f6richt h\u00e4ltst du <em>mich<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"077239345ec2193da032699b388da0f0\">Yalomiro entspannte sich etwas. Das w\u00fcrde ihm Zeit verschaffen.<\/p>\n<p data-p-id=\"b29c470b04e73343612696d6f4f60bfc\">\u201eIch werde mir stattdessen zun\u00e4chst einen Eindruck davon vermitteln, was ich mit <em>dir<\/em> anfangen kann.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d92bf70a9f5fcc8bd6cd8d1c58f21941\">Wie Widerhaken bohrte sich unvermittelt etwas in das Bewusstsein des Schattens\u00e4ngers. Yalomiro keuchte auf und sp\u00fcrte, wie alle seine Gedanken von ihm weg sprengten wie die Scherben eines auf einem Stein zerschellenden Glases. Der <em>goala&#8217;ay<\/em> hatte die kurze Unaufmerksamkeit genutzt, um den Schattens\u00e4nger in seine <em>maghiscal <\/em>[das magische \u201eEnergiefeld&#8221;] einzuschlie\u00dfen, ohne sich dabei auch nur einen Deut bewegt zu haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"7437950844cd09a0154c402bea93e87c\">\u201eWas macht Ihr da?&#8221;, \u00e4chzte der j\u00fcngere Magier.<\/p>\n<p data-p-id=\"9eaad04671fbdf0ef13b17970d088ae1\">\u201eIch will mir <em>anschauen<\/em>, mit wem ich es <em>jetzt<\/em> zu tun habe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"36078409eb09020fcc331510327ef983\">Die Schmerzen wurden unertr\u00e4glich. Es f\u00fchlte sich an, als flute Eis den Sch\u00e4del des <em>camat&#8217;ay<\/em> bis zum Bersten. Einen Augenblick lang war Yalomiros Geist blank wie ein Spiegel. Keinen Zauber, kein Lied bekam er mehr zu fassen. Und dann war da pl\u00f6tzlich ein <em>blinder Fleck<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"25a3d64d57d86cba88ad3d6c42306350\">\u201eH\u00f6r auf, dagegen anzuk\u00e4mpfen. Lass mich deine dunkle, verschnittene Schattens\u00e4ngerseele betrachten, mich sehen, ob ich <em>irgendetwas<\/em> darin gebrauchen kann. Ich will dir keine Schmerzen bereiten. Noch nicht. Aber je mehr du dich wehrst, desto unertr\u00e4glicher machst du es dir selbst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"22b0ff24064d86215dea68396617ec55\">\u201eLasst mich los!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1dd1cc1fef19c5ab6aad5bf83ebdbba0\">\u201eIch sehe&#8221;, fuhr der Rotgewandete unger\u00fchrt fort, \u201edu bist talentiert und mutig. Du beherrscht deine Magie vortrefflich. Aber du bildest dir viel zu viel auf deine Fertigkeiten ein. Du hast dich noch nie in einem ernsthaften Kampf beweisen m\u00fcssen. Noch nicht. Bis du dazu bereit bist, Yalomiro Lagoscyre, ist all deine Zauberkunst nicht mehr als blanke Eitelkeit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f1e1400ee1f27168c5c026f11c705f6b\">Der blinde Fleck wurde gr\u00f6\u00dfer, und in seiner N\u00e4he zerfiel das Eis zu Asche. Ein dumpfes, wundes Gef\u00fchl senkte sich nieder.<\/p>\n<p data-p-id=\"3c8146abaf3a64e6696365138ff2abb8\">Dann war es schlagartig vorbei. Gor Lucegath l\u00f6schte die <em>maghiscal. <\/em>Die pl\u00f6tzliche Freiheit brachte den Schattens\u00e4nger zu Fall. Yalomiro wimmerte. Der Schmerz wich qu\u00e4lend langsam aus seinem Kopf und wanderte stattdessen nun wie eine z\u00e4he Masse durch seine Adern. Reden konnte er vorerst nicht. Seine Glieder waren unbeweglich.<\/p>\n<p data-p-id=\"de07a1444c3b3464d89a86cbac907a2c\">Der Rotgewandete wartete, bis er sicher war, dass sein Opfer dem Sinn seiner Rede wieder folgen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"4c546ad8711d752f75ce92488a899fc4\">\u201eIch war nicht mit dem Vorsatz gekommen, deinen Meister f\u00fcr meine Zwecke zu <em>t\u00f6ten<\/em>. Es hat sich ergeben. Aber es macht es keinen wesentlichen Unterschied. Er war nur ein weiteres Opfer, das <em>das Licht<\/em> offensichtlich nicht im Geringsten interessiert hat. Aber wozu brauche ich noch das Licht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"390856829771c416db4d9954b28e1bbd\">Der Schattens\u00e4nger versuchte, sich aufzurappeln. Das kostete ihn viel Kraft.<\/p>\n<p data-p-id=\"8d6d10bcff87a15fca8e68686386fd10\">\u201eWas habt Ihr mit mir angerichtet?&#8221;, brachte er hervor. \u201eWas sollte das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4770788c1bbf3039e6ac5cfd97527c46\">\u201eIch will offen zu dir sein.&#8221; Der Rotgewandte kam n\u00e4her und schaute auf den \u00e4chzenden <em>camat&#8217;ay<\/em> herab. \u201eDu bist jemandem, den ich einmal kannte, <em>zu<\/em> \u00e4hnlich. Das ist ein Umstand, der uns verbinden mag, uns beide. Ich wollte Gewissheit haben, wie es in <em>deiner<\/em> Seele aussieht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"845630f097eedd3a4f47b8b82da5c759\">\u201eUnd habt Ihr gefunden, was Ihr erwartet habt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cd75be1617a94dc31a7a503d5858a112\">\u201eMehr als nur das. Steh auf.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4b6d1b29efbda1bd7ffe2046475205ce\">Yalomiro zog sich an der Armlehne des Steinsessels hinauf. Auf diese Weise lag er dem Lichtw\u00e4chter zumindest nicht mehr unw\u00fcrdig vor den F\u00fc\u00dfen, so wie der Leichnam, unter dem sich langsam eine silberne Lache bildete.<\/p>\n<p data-p-id=\"a5c54300337061936928a552cab33d07\">\u201eIch erkenne Begabung und Geschick eines Gegen\u00fcbers. Du magst deiner Schw\u00e4chen noch nicht gewahr sein, aber deiner St\u00e4rken bist du dir sehr bewusst. Was h\u00e4lt dich an diesem Ort? Was ist deine Aufgabe?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7a0d8ca4a83353da9f11e05e50ff336a\">\u201eIch bin ein G\u00e4rtner&#8221;, antwortete Yalomiro. \u201eIch habe Macht \u00fcber Pflanzen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c58c91956e2a0d9bccca5eeccee96f4a\">\u201eWie charmant.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"39573b2acd34827bae2245c995d6c41b\">\u201eWas <em>wollt<\/em> Ihr von mir?&#8221;.<\/p>\n<p data-p-id=\"7f6a6ac47f8b2df78bd7b0eccdb0d12a\">\u201eIch m\u00f6chte dir einen Vorschlag unterbreiten, <em>camat&#8217;ay<\/em>. Es mag dich erstaunen, aber &#8230; ich k\u00f6nnte dich Dinge lehren, die du hier, bei deinesgleichen, nie erfahren w\u00fcrdest. Wichtige Dinge. Ich k\u00f6nnte dir Macht bieten, im Austausch gegen das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em>, das ohnehin weder den <em>camat&#8217;ay<\/em> noch Nokt\u00e1ma geh\u00f6rt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"36172fd72a11839cf06fd98c0cdae310\">Zorn regte sich in Yalomiro. Die Taubheit in seinen Gliedern wich dem Silberglanz seiner eigenen <em>maghiscal<\/em>, die langsam wieder aufd\u00e4mmerte.<\/p>\n<p data-p-id=\"faa75e6fbea38d1a082d5ee2a0e7c748\">\u201eSollte es etwa so sein, dass Ihr mein Geschick lieber auf Eurer Seite als gegen Euch w\u00fcsstet?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0c51c2cf7cacaa124baeb37e19f41eea\">\u201eW\u00fcrde es deiner Eitelkeit guttun, wenn dem so w\u00e4re? &#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"5baa23698d5a999221efce22d2df46a0\">\u201eWas glaubt Ihr von mir! Ich bin Nokt\u00e1mas Diener! Ich k\u00f6nnt mich nicht mit &#8230; <em>Macht<\/em> verlocken!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b4ed0d58a1a4f6496bc21cd9bbe2b1eb\">\u201eUnd was tust du f\u00fcr Nokt\u00e1ma, abgesehen von den paar verstaubten Ritualen, die ihr zu ihren Ehren abhaltet? K\u00f6nntest du mit deiner Vortrefflichkeit nicht Sinnvolleres beginnen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"143ee949108b5d4151f85c3894ba5e4d\">\u201eDaf\u00fcr hat Nokt\u00e1ma mir die Magie nicht gegeben!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"db49acd35c4f3460a177433c001b2eba\">\u201eNun, dir wird aufgefallen sein, dass <em>meine<\/em> Magie bei mir geblieben ist, obwohl ich, wie deinesgleichen nicht m\u00fcde wird, zu betonen, ein Versto\u00dfener bin. Aber gut.&#8221; Gor Lucegath steckte sein Schwert zur\u00fcck in die Scheide. Dann griff er an seinen Mantel und l\u00f6ste eine goldene Fibel vom Kragen. In seiner Hand wurde der Durchmesser des durchbrochenen Rings gr\u00f6\u00dfer. \u201eSo wird beides warten m\u00fcssen, das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> und deine Entscheidung. Mir ist wohl bewusst, dass ich im Augenblick nicht unbegrenzt Zeit habe, um mit dir zu diskutieren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1778baf50b0d7cdc7e37887ce48634dc\">Wie zuvor im Wald den unsichtbaren Zauber, warf der <em>goala&#8217;ay<\/em> das Schmuckst\u00fcck, so unvermittelt, dass es kein Ausweichen gab. Die Fibel verformte sich, wurde zu einem schmalen Band, legte sich um Yalomiros Hals und f\u00fchlte sich dabei hei\u00df an, als brenne sie sich in seine Haut. Der Schattens\u00e4nger keuchte und versuchte, den Ring herunterrei\u00dfen. Aber seine Finger kamen nicht heran. Es war, als stie\u00dfe der Reif sie von sich ab.<\/p>\n<p data-p-id=\"58d51b38a6001bc18d55de4ad3e2a1d3\">Im selben Moment brach seine silbrige <em>maghiscal <\/em>erneut zusammen, diesmal endg\u00fcltig. Ein \u00dcbelkeit erregendes, bitteres Schwindelgef\u00fchl ergriff Yalomiro. Um nicht zu st\u00fcrzen, lie\u00df er sich am ganzen Leib zitternd auf dem Thronsessel nieder, dem Platz, der nur dem Gro\u00dfmeister zustand. Der Schmerz pulsierte bis in seine Fingerspitzen hinein.<\/p>\n<p data-p-id=\"61a24dc18e5741b6c64624885a256883\">\u201eUnd?&#8221;, fragte Gor Lucegath, nachdem er eine Weile interessiert dabei zugeschaut hatte, wie der Schattens\u00e4nger ebenso aussichtslos wie vergeblich versuchte, den Goldreifen zu fassen. \u201eWie f\u00fchlt es sich an, wenn Magie im K\u00f6rper <em>eingesperrt<\/em> ist und nicht frei flie\u00dfen kann? Ich habe mir sagen lassen, dass es ziemlich <em>unangenehm<\/em> ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f839e6f492cd520a98bfeef91a48809c\">Yalomiro \u00e4chzte. \u201eWas wollt Ihr damit erreichen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"645fc4e97cb4d19fb60f6f38745d9e74\">\u201eIch muss nachdenken. Aber die Zeit wird knapp. Wir m\u00fcssen unsere Unterredung wohl f\u00fcr eine Weile unterbrechen.&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/schattenherz-oder-die-ergaenzte-seele-band-1\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-2027","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-01_schattenherz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2027","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2027"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2027\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3840,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2027\/revisions\/3840"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2027"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2027"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2027"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}