{"id":2016,"date":"2025-08-24T18:58:27","date_gmt":"2025-08-24T16:58:27","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2016"},"modified":"2025-09-01T09:36:39","modified_gmt":"2025-09-01T07:36:39","slug":"001-gors-mission-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/24\/001-gors-mission-2\/","title":{"rendered":"001: Gors Mission"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SH_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1991\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SH_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"3ec311919078b72ec9f097b290ebde2e\">Der Rotgewandete hatte lange auf die Gelegenheit warten m\u00fcssen. Nach all den Sommern und Wintern voller Anstrengung, M\u00fchsal und Dem\u00fctigung war sein Ziel pl\u00f6tzlich zum Greifen nahe. Eine einzige Tat trennte ihn von der Genugtuung, die er seit so langer Zeit erstrebte. Von der Gerechtigkeit. Und von der <em>Vergeltung<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"70d5843e2c4e86273a0700f72e567200\">Der alte Mann hatte ihn eingelassen. Und er war gekommen, um ihn zu bestehlen.<\/p>\n<p data-p-id=\"658ce398e7b50b4aa6e72236a984b047\">Nein, nicht zu bestehlen. Nicht wirklich. Das, was er sich nehmen w\u00fcrde, wenn man es ihm nicht aus freien St\u00fccken aush\u00e4ndigte, geh\u00f6rte nicht hierher. Ihm aber, ihm stand es zu. Er w\u00fcrde es zur\u00fcckholen von dem Diebsgesindel. Ein Raub, der den Diebstahl ungeschehen machte.<\/p>\n<p data-p-id=\"4cef0e250a8e76dae4c7cf1ff19067a2\">Allerdings \u2013 die Umst\u00e4nde, die ihm erm\u00f6glichten, was unvorstellbar erschien, waren &#8230; nun, sie waren ungew\u00f6hnlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"44c155298ed965e55f40a60b2b76b538\">Sein Gegner hatte ihn in seine Dom\u00e4ne gerufen, aus heiterem Himmel, wohl wissend, dass er damit nicht nur sich selbst in Gefahr brachte. M\u00f6glicherweise war es das, was ihn mehr irritierte, als er zugeben wollte. Er traute der Sache nicht recht. Andererseits war es nicht die Art der Schwarzgewandeten, Fallen zu stellen. Es musste etwas hinter dem Sinneswandel stecken.<\/p>\n<p data-p-id=\"e93a19fc263b09c4eef3a26f0be614d2\">Ihre letzte Begegnung lag weit zur\u00fcck. Die Zeit war \u00fcber das Weltenspiel hinweg gestrichen, hatte die Figuren, auch ihn selbst und den anderen, hierhin und dorthin verschoben, die Patina des Alterns auf sie gelegt.<\/p>\n<p data-p-id=\"d5f2082ad4967e88423f4b2117014431\">M\u00f6glicherweise sp\u00fcrte der Greis, dass sein Ende nicht mehr sonderlich lange dahin war. Ob der alte Mann daran war, unter der Last seiner Jahre den Verstand zu verlieren?<\/p>\n<p data-p-id=\"067bdf7838fec3a9681a20a553b6ccb5\">Die <em>teiranda <\/em>[~ Herrscherin] ritt mit etwas Abstand hinter ihm und sah geistesabwesend um sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"2eaaf3668d8a1e563742235dfe88fa8c\">Er bedachte sein <em>Gesch\u00f6pf<\/em> mit einem gedankenversunkenen Blick. Hoheitlich und aufrecht sa\u00df sie auf ihrem Grauschimmel, wie es einer Dame ihres Standes geb\u00fchrte. Ihre Gestalt erstrahlte in makelloser Sch\u00f6nheit, ihre Miene hingegen wie weltvergessen, leer und erstarrt. Ihre kostbaren Gew\u00e4nder waren ebenso grau wie ihr Pferd. Der Schmuck, den sie am K\u00f6rper trug, glitzerte im flirrenden Silberlicht. Das aufwendig geflochtene Haar unter ihrem Kopfputz war wei\u00dfblond.<\/p>\n<p data-p-id=\"1cb6680daea38acd10181425b859c381\">Er wandte sich zufrieden wieder nach vorn. Sie war ihm gut gelungen. Er hatte es damals andererseits nicht allzu schwer gehabt mit dem armen jungen Ding. Sie war ein <em>Geschenk <\/em>gewesen, auf das er w\u00e4hrend seiner Reisen unversehens gesto\u00dfen und das ihm f\u00fcr einen winzigen Preis so n\u00fctzlich geworden war. Sie hatte sich ihm anvertraut, weil sie sich etwas davon erhofft hatte, das er nicht einmal im Scherz versprochen h\u00e4tte. Er scherzte selten, aber wenn er es tat, dann auf eine Weise, die ihn am\u00fcsierte, ohne dass andere es bemerkten. Sowohl mit dem Argwohn als auch dem Humor der <em>teiranda<\/em> war es nicht weit her. L\u00e4ngst war sie in ihre eigene Welt versunken. Schon lange, bevor er ihr begegnet war, hatte sie nicht mehr gelacht.<\/p>\n<p data-p-id=\"db0e8f57d47d159194ba098e264e625e\">Ab und zu erf\u00fcllte er ihr kleine Gef\u00e4lligkeiten. Solange er das tat, hielt es sie aus seinen Angelegenheiten heraus, wenn er es nicht brauchen konnte. Dar\u00fcber hinaus w\u00fcrde ihre Anwesenheit ihm weder n\u00fctzen noch schaden, vielleicht aber das Interesse seines Gastgebers wecken.<\/p>\n<p data-p-id=\"854146b4078712f96d4f0224795081d2\">Er brachte sein Pferd zum stehen und hob die Hand. Das Reittier der jungen Frau hielt an, ohne dass sie selbst die Z\u00fcgel hatte ber\u00fchren m\u00fcssen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ec1dbee0e5add654132b5cf66fe2c7c9\">\u201eWas ist?&#8221;, fragte sie, kaum vernehmbar.<\/p>\n<p data-p-id=\"c51157621500dea0fefa6a2f7669783f\">Er horchte an den V\u00f6geln und dem Bl\u00e4tterwispern vorbei in die Tiefe des Waldes. Doch das, was an sein Ohr gedrungen war, war verklungen. Gut. Man hatte ihn also bemerkt.<\/p>\n<p data-p-id=\"8e0ca6ab643f2715807f0e40eee305af\">\u201eMir war so, als h\u00e4tte ich etwas geh\u00f6rt, das hier nicht sein sollte. Kommt weiter.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"907087996924154e84b1bed5e6c9fb64\">Er trieb sein Pferd wieder an und wandte seinen Blick dem schmalen Pfad zu, der sich vor ihnen erstreckte. Er wand sich durch eine Gegend von friedlicher Sch\u00f6nheit, schl\u00e4ngelte sich durch einen Olivenhain. In westlicher Richtung lag ein See mit dunklem Wasser, von dem es hie\u00df, dass er bodenlos sei. Die uralten \u00d6lb\u00e4ume ringsum ragten abnorm hoch empor. Ihre Wipfel schlossen sich zu einem silbrigen, luftigen Dach zusammen. Sobald die Bl\u00e4tter sich im Wind bewegten, schimmerte das Licht zwischen den knorrigen St\u00e4mmen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ef83198f482c7eb618db8844ef293f5e\">Hier und da hatten vom Wetter oder Alter gef\u00e4llte B\u00e4ume Lichtungen in den Wald gebrochen. An diesen sonnenbeschienenen Stellen wuchsen \u00fcppige Blumenteppiche und Kr\u00e4uter, deren Aromen zu einem schweren, w\u00fcrzigen Parf\u00fcm zusammenflossen. Endlos lang konnte man dieses geheimnisumwobene Idyll durchqueren, sich dabei g\u00e4nzlich in seinem Frieden verlieren.<\/p>\n<p data-p-id=\"36c6113499bb722549589eff3a03989e\">Nat\u00fcrlich scheuten sich die Unkundigen, auch nur einen Fu\u00df zwischen die B\u00e4ume zu setzen. Es war kein Geheimnis, dass das Pack sich hier im Schatten versteckte.<\/p>\n<p data-p-id=\"6a88455aca48e6f48ebb35b02f80fad9\">Die <em>teiranda<\/em> kam langsam zu Bewusstsein. \u201eWas ist das f\u00fcr ein Ort?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"78becb859db32ea8e2b3dbfe7b25cead\">\u201eSie nennen es <em>Boscarg\u00e9n<\/em>, den silbernen Wald.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1746b976c9621be8e20fa15f131a86c3\">Sie schloss an seine Seite auf. \u201eEs macht mich schwindelig.&#8221; Die Zunge schien ihr schwer in ihrem Mund zu liegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"e453869fcd2277fc7119de6da30a1d38\">\u201eSobald ich meine Angelegenheiten beendet habe, kehren wir zur\u00fcck nach Wijdlant. Dies hier muss Euch nicht beunruhigen. Ich bin bei Euch.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0e7e699093c9355bedebfb06c726cdb2\">\u201eWir h\u00e4tten Grootplen mitnehmen sollen&#8221;, murmelte sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"8682e3e892c4b5602c5803b5be15d6e4\">\u201eWozu der Aufwand, Herrin?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"091c517835d09464def7814dda87cf89\">Sie zuckte die Achseln. \u201eVielleicht h\u00e4tte es ihm gefallen, aus der Burg herauszukommen und das hier zu sehen. Er erz\u00e4hlt manchmal von seinen Reisen und Abenteuern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0a48b4afee30d3414394baf6b5d98293\">\u201eTats\u00e4chlich? Das ist &#8230; interessant zu erfahren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6ed325e7e9f782f623b36e4867c21fbd\">\u201eJa&#8221;, stimmte sie arglos zu. \u201eVon all meinen <em>yarlay <\/em> [adlige Krieger] hat er die meisten Avent\u00fcren erlebt.&#8221;.<\/p>\n<p data-p-id=\"2d2500676439ceb077cadd909190d6d2\">\u201eIch denke, ich sollte mich ebenfalls mit dem edlen <em>yarl<\/em> \u00fcber das unterhalten, was er Euch zu erz\u00e4hlen hat. Doch f\u00fcr diesmal, lasst es gut sein. Wir sind bald wieder daheim. Eure Ritter m\u00fcssen nicht von jedem Schritt wissen, den Ihr tut.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"caba179b0079f1f68587f32dae0e47ef\">Sie nickte sittsam. Der Rotgewandete l\u00e4chelte.<\/p>\n<p data-p-id=\"d677b6da04e57a3a55c99c7b116dd834\">Dann nahm er aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahr. Etwas raschelte im bl\u00fchenden Gestr\u00e4uch gleich neben dem Weg und huschte davon.<\/p>\n<p data-p-id=\"db3f770fa30aba5e84ac76f03177f4a2\">\u201eHaltet Euch bereit, Herrin&#8221;, sagte er. \u201eBald wird es interessant.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fba2ae793194a929dcea85aca6425aea\">Sie ritten nun Seite an Seite ein St\u00fcck weiter. Es dauerte nicht lange, bis er die Tiere bemerkte.<\/p>\n<p data-p-id=\"3c25f2e85898a728d57ad92aab94a049\">Auf einem umgest\u00fcrzten Baumstamm abseits vom Wegesrand hockten zwei Katzen. Die kleinere war dreifarbig, \u00fcberwiegend schwarz gescheckt und hatte jadegr\u00fcne Augen. Die andere war deutlich gr\u00f6\u00dfer, ein pechschwarzer Kater mit merkw\u00fcrdig dunklen Augen. So, wie sie Seite an Seite sa\u00dfen und starrten, <em>passten<\/em> sie nicht in diese Umgebung, in diesen lieblichen sonnigen Wald.<\/p>\n<p data-p-id=\"c1724d577e3688e626792d67fefa51f8\">\u201eWas f\u00fcr nette K\u00e4tzchen!&#8221; Die <em>teiranda <\/em>war entz\u00fcckt. \u201eAber was machen sie mitten im Wald?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7bab6c0ac2c7a1d0c44f3d6a0fd71aad\">\u201eDas werden wir gleich erfahren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"785e230b1e4b29b72baec73904534d6e\">Der Rotgewandte lie\u00df mit seiner rechten Hand die Z\u00fcgel los. Seine Finger f\u00fchrten eine sachte Bewegung aus, als zerkn\u00fclle er ein St\u00fcck Papier.<\/p>\n<p data-p-id=\"ca0651af6b2bb3bce8bc81efae6e3deb\">Die kleinere Katze fauchte, sprang auf, und verschwand mit gestr\u00e4ubtem Fell zwischen den blattreichen Stauden und hetzte in langen S\u00e4tzen davon.<\/p>\n<p data-p-id=\"770d236b43f993793aafe977172178db\">Er l\u00e4chelte. Dann schleuderte er sein substanzloses Wurfgeschoss nach dem schwarzen Kater. Es prallte neben dem Tier auf dem Baumstamm auf, mit einer Wucht, die die trockene Rinde sprengte und sie in alle Richtungen wegspritzen lie\u00df.<\/p>\n<p data-p-id=\"80a065b731b1dd2173d10db8b819a4c5\">Das Pferd der <em>teiranda<\/em> scheute und t\u00e4nzelte. Die junge Frau zuckte zusammen und klammerte sich am Sattel fest. F\u00fcr einen winzigen Moment erschien sie hellwach. Er griff hin\u00fcber in die Z\u00fcgel ihres Rosses, lie\u00df das Tier erstarren.<\/p>\n<p data-p-id=\"9f1a405cd86463843129674ced87b908\">Der Schwanz des Katers peitschte und die dunklen Augen hatten ihre Farbe ver\u00e4ndert, ein eigent\u00fcmlicher, silbriger Glanz schimmerte jetzt darin. Aber er hatte sich nicht von der Stelle bewegt. Angst schien er nicht zu haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"4149241dd54693dc095a5628231be2f6\">\u201eIch suche Ask\u00fdn Lagoscyre&#8221;, sagte der Rotgewandete. \u201eWirst du mich zu ihm f\u00fchren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1fb720cbbf4e72b6ed00b4767f23fabf\">Das Tier erhob und streckte sich. Dann h\u00f6rte er eine Stimme in seinen Gedanken.<\/p>\n<p data-p-id=\"eb1d122148687a59d762173c345b48d7\"><em>Ist Euch nicht bekannt, dass ein Gast empfangen wird, so wie er die Tiere des Hauses begr\u00fc\u00dft? Was w\u00fcnscht Ihr f\u00fcr ein Willkommen? <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"98c26ff332562b24a9f87935baca0f95\">Nun, das war nicht nur mutig, sondern gleich noch unversch\u00e4mt. Genau so hatte er es erwartet. \u201eIst es denn geb\u00fchrlich, einen Gast in einer Maskerade zu begr\u00fc\u00dfen? Oder sch\u00e4mst du dich deiner wahren Gestalt? Offenbare dich!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"721e63a6a2116dc79cf18b919ec7bf26\">Der Kater verwandelte sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"c55975c2fada9cad65394b029bc9cd25\">Der Rotgewandete musste zugeben, dass er selten einen<em> camat&#8217;ay [Schattens\u00e4nger] <\/em>mit einer solchen L\u00e4ssigkeit seine Erscheinung hatte changieren sehen. Sein Gegen\u00fcber war binnen eines Atemzugs zu einem schlanken, schwarzhaarigen Mann geworden. Er trug das schlichte Alltagsgewand eines Schattens\u00e4ngers, von dem er mit beil\u00e4ufiger Wachsamkeit ein paar Rindenst\u00fcckchen herunter pfl\u00fcckte, w\u00e4hrend er den Reiter mit silbergesprenkelten, tiefdunklen Augen musterte.<\/p>\n<p data-p-id=\"565405019567eda5d7d70bff9d9a128a\">\u201eIch bin Yalomiro Lagoscyre, der Sch\u00fcler von Gro\u00dfmeister Ask\u00fdn Lagoscyre&#8221;, stellte er sich vor. \u201eHabt Ihr ebenfalls einen Namen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e0488ecd2ca0b7fe5bb1078b61f58ac9\">\u201eIch bin <em>ytra<\/em> <em>[hochrangiger Magier, Meister] <\/em>Gor Lucegath.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ac81b7351199e712ff6b8aa2ea3ea821\">\u201eIhr seid offenkundig ein <em>goala&#8217;ay, <\/em>ein Lichtw\u00e4chter<em>&#8220;,<\/em> entgegnete der Schwarzgekleidete argw\u00f6hnisch. \u201eWie konntet Ihr diesen Ort <em>betreten<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0067e95be8753da01dc1b1c20d3d2fed\">\u201eDein Meister erwartet mich. Er hat mich eingelassen. Mehr hat einen Sch\u00fcler nicht zu interessieren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"283ad8b969effdd78d5245d73c2963cb\">Diese Zurechtweisung schien den Schattens\u00e4nger nicht im Geringsten zu beeindrucken. \u201eKommt Ihr in friedlicher Absicht?&#8221;, erkundigte er sich skeptisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"cbf4474c1baa706a413591808766bc34\">Gor Lucegath war belustigt. \u201eNun ja&#8221;, sagte er, \u201ewenn ich &#8211; f\u00fcr den Moment &#8211; <em>keine<\/em> friedlichen Absichten hegen w\u00fcrde, h\u00e4ttest du es wohl bemerkt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1219bf001444e56847bbe3e26096f8e0\">Die <em>teiranda<\/em> regte sich. Er schaute hin\u00fcber und sah in ihren Gesichtsz\u00fcgen etwas aufflackern, das ihn beunruhigte. Er bedeutete ihr, zur\u00fcckzubleiben. \u201eUnd wo sind deine Manieren? Es ist eine Frau zugegen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"88bfd476ffac87c0f77fff4d4c7eb3d7\">Der Schattens\u00e4nger wandte sich der <em>teiranda<\/em> zu, zuckte zusammen, als ob ihm etwas Wichtiges in den Sinn kam. Er senkte den Blick und schaute beiseite. \u201eVergebt mir, edle Dame. Ich wollte Euch nicht in Bedr\u00e4ngnis bringen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4d51e3dfe2c3c0c99db78c4042728f29\">\u201eEs ist in Ordnung&#8221;, sagte sie freundlich. Der Rotgewandete nahm das Wort rasch wieder an sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"fa71a8a1dea81ef662dfa9d3fc0f787c\">\u201eBem\u00fche dich nicht. Sie ist unempf\u00e4nglich gegen euren <em>Fluch<\/em>. Diese Dame ist meine Herrin, die <em>teiranda<\/em> K\u00edan\u00e1 von Wijdlant. Und ich habe es sehr eilig. Also? Worauf wartest du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a7924fb3f322e439720afe9cc34c3cef\">Der Schattens\u00e4nger gab sich keine M\u00fche, sein Missbehagen zu verbergen. \u201eEine <em>teiranda<\/em>, die einen <em>goala&#8217;ay<\/em> in ihrem Gefolge hat?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8efa5721cb23f2b512910071f75d1ec8\">\u201eUnd wenn?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f63418f70654a3b0dbe1d7833d1bc8f9\">\u201eVergebt mir. Es erstaunt mich, einen <em>goala&#8217;ay<\/em> zu sehen, der <em>Unkundigen<\/em> seine Kunst andient. Ich dachte, <em>diese<\/em> Zeiten seien l\u00e4ngst vorbei.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8ace41b6b3585e5cc97a622d6dab7747\">\u201eDas ist meine Sache und keine Schande&#8221;, gab Gor Lucegath mit wachsender Ungeduld zur\u00fcck. \u201eHat ein Sch\u00fcler das Handeln eines Meisters zu hinterfragen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6935c971efe9f844ec836a217d78f281\">Endlich schien dem Schattens\u00e4nger bewusst zu werden, dass er es zu weit trieb. Aber er war immer noch nicht zufrieden mit dem, was er wusste.<\/p>\n<p data-p-id=\"9512c9b900c8a580a4ec26812b8b5d2e\">\u201eDann gestattet mir wenigstens eine letzte Frage.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"83d31a6e1f43b0445ef9e9ec1607572d\">\u201eNun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e7e86352e90655b1221b62c2b430d767\">\u201eWarum tragt Ihr eine Maske? Was verbergt Ihr vor meinen Augen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eca47e017b6997906270b4d0ef19ecfb\">Nun l\u00e4chelte der <em>goala&#8217;ay, <\/em>alles andere als belustigt.<\/p>\n<p data-p-id=\"d893151d7ff84bf4e370342b66a5e0c9\">\u201eDas, Yalomiro Lagoscyre, wirst <em>du<\/em> fr\u00fch genug erfahren. Willst du mich nun zu deinem Meister f\u00fchren? Er w\u00e4re sicherlich nicht erfreut, zu erfahren, dass du mich <em>aufgehalten<\/em> hast.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0b7e79f4ee0b08bc539772292413c562\">Das lie\u00df den j\u00fcngeren Mann einen halben Schritt zur\u00fcckweichen. Er verneigte sich und b\u00fcckte sich dabei nach etwas. Es war eine Geige aus schwarzem Holz, die am Boden zwischen den Pflanzen gelegen hatte. Also hatten seine Sinne den Rotgewandeten zuvor doch nicht getrogen. Seine Ankunft hatte den Schattens\u00e4nger beim Spiel \u00fcberrascht.<\/p>\n<p data-p-id=\"18450fd8670d7698768f08999b7c708f\">\u201eSolange Ihr auf dem Weg bleibt&#8221;, sagte Yalomiro Lagoscyre und deutete mit dem Bogen den Pfad entlang, \u201ereitet Ihr direkt auf den Eta\u00edmalon zu. Lasst mir einen kleinen Vorsprung. Ich will Euch ank\u00fcndigen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b534363c7e7a3c47fec5a4f7fe179642\">\u201eIch bitte darum.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fc7cf438e5b2d9847c263492091ef10d\">Der Schattens\u00e4nger verneigte sich, wandte sich um und entfernte sich, ohne Eile auf dem Sandpfand, ohne sich noch einmal umzuwenden oder etwas zu sagen.<\/p>\n<p data-p-id=\"b7118c3825a7f2413f9c9a820765b156\">Die <em>teiranda<\/em> wollte ihr Pferd antreiben, um ihm zu folgen. Doch ihr Begleiter hielt sie zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-p-id=\"4f7f395f3887a1091cc5ac641eebc81a\">\u201eLassen wir ihn vorangehen. Es w\u00e4re doch recht unh\u00f6flich, einem Gro\u00dfmeister mit der T\u00fcr ins Haus zu fallen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bb8bea5eba59705d7c505b349f9669fd\">Das schien sie nicht zu interessieren. \u201eWas soll das f\u00fcr ein Fluch sein, vor dem Ihr mich besch\u00fctzt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e9866564cbe3e9839c2fb7525e6cf46a\">\u201eIhr, Herrin, d\u00fcrftet eine der wenigen Frauen sein, die den verh\u00e4ngnisvollen Blick eines Schattens\u00e4ngers nicht f\u00fcrchten muss. Nicht, solange ich bei Euch bin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"524b7a5e39ab6081daee72afca980e99\">Sie schaute verwirrt in die Richtung, in der der j\u00fcngere Magier fortging. Hinter ihrem R\u00fccken vollf\u00fchrte Gor Lucegath dezent eine sparsame Geste. Erneut legte sich die M\u00fcdigkeit auf ihr Gesicht wie ein Schleier.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/schattenherz-oder-die-ergaenzte-seele-band-1\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-2016","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-01_schattenherz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2016","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2016"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2016\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3838,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2016\/revisions\/3838"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2016"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2016"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2016"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}